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Medizin

PAVK: Frauen erhalten seltener Medikamente als Männer

Dienstag, 21. Juli 2020

/Naeblys, stock.adobe.com

Hamburg – Frauen mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) erhalten in Deutschland seltener eine optimale medikamentöse Therapie als Männer, was in einer Analyse von Versichertendaten im European Journal of Vascular and Endovascular Surgery (2020; DOI: 10.1016/j.ejvs.2020.05.001) in erster Linie auf die seltenere Verordnung von Cholesterinsenkern, sprich Statinen zurückzuführen war.

Die PAVK ist neben Schlaganfall und koronarer Herzkrankheit die häufigste Folge einer Atherosklerose. Die Diagnose wird häufig erst gestellt, wenn die Stenosen zu Beschwerden geführt haben und es zu einer Claudicatio intermittens, besser bekannt als „Schaufenster­krankheit“, gekommen ist. Die Behandlung besteht neben revaskularisierenden Maßnahmen in einer medikamentösen Therapie, zu der die Verordnung von Lipidsenkern, ACE-Hemmern/Sartanen und Thrombozytenaggregationshemmern gehört.

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Diese Medikamente werden auch nach einer stationären Behandlung häufig nicht verordnet, wobei es offenbar eine Benachteiligung von weiblichen Patienten gibt, wie die Analyse von Versichertendaten der BARMER-Krankenkassen zeigen, die die Forschungsgruppe GermanVasc um Christian-Alexander Behrendt vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf jetzt zeigt. Die Studie umfasst den Zeitraum von Januar 2010 bis Juni 2018, in dem 45.436 männliche und 38.431 weibliche Versicherte wegen einer PAVK behandelt wurden.

Nur 42,7 % der Männer und 37,0 % der Frauen erhielten trotz ihrer bereits fortgeschrittenen Erkrankung eine optimale medikamentöse Therapie, was eine geschlechtsspezifische Verordnungslücke von 5,7 % ergibt. Sie war vor allem auf die seltenere Verordnung von Lipidsenkern (52,4 versus 59,9 %) und hier vor allem der Statine (49,8 versus 56,2 %) zurückzuführen. Marcumar und andere konventionelle Antikoagulanzien (10,0 versus 12,4 %) wurden ebenfalls seltener verordnet, während Antihypertensiva (87,7 versus 84,1 %) und auch die neueren direkten oralen Antikoagulantien (8,2 versus 7,0) häufiger an Frauen verordnet wurden, was jedoch die geschlechtsspezifische Versorgungslücke nicht schließen konnte.

Die Benachteiligung von Frauen ist aus Sicht von Behrendt auch deshalb zu bedauern, da die PAVK bei den Frauen weiter fortgeschritten war: 13,9 % der Frauen gegenüber 10,4 % der Männer hatten bereits das Stadium Fontaine III erreicht, in dem es bereits in Ruhe zu Schmerzen an den Extremitäten kommt. Ein Grund hierfür könnte das höhere Alter der Frauen (74,3 versus 69,8 Jahre) gewesen sein.

Warum die Ärzte bei ihren weiblichen Patienten die von den Leitlinien empfohlenen Medikamente seltener verordnen, ist unklar. Auffallend ist, dass die Polypharmazie bei den Frauen ausgeprägter war. Insgesamt 50,3 % erhielten bereits 11 oder mehr Medikamente. Bei den Männern waren es 44,6 %. Es erscheint möglich, dass die Ärzte hier vor der Verordnung weiterer Medikamente zurückschrecken, obwohl ihr Nutzen wie bei den Statinen gut belegt ist. Klären konnte die Studie die Gründe für die Benachteiligung von weiblichen Patienten mit PAVK jedoch nicht. © rme/aerzteblatt.de

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