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Politik

Debatte um Wiedereinsetzen der Personaluntergrenzen

Mittwoch, 22. Juli 2020

/sudok1, stock.adobe.com

Berlin – Die Pflegepersonaluntergrenzen waren in der Hochphase der COVID-19-Krise vorübergehend ausgesetzt worden. Das vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geplante Wiedereinsetzen wird heute – nach ersten Reaktionen von gestern – weiter diskutiert.

Der Bundesverband Pflegemanagement riet heute zu Vorsicht und Sorgfalt. „Gerade in Krisensituationen muss ich vor Ort verantwortlich über den Personaleinsatz entscheiden können und die Mitarbeiter dort einsetzen, wo sie entsprechend ihrer Qualifikation am dringlichsten gebraucht werden“, mahnte der Vorstandsvorsitzende Peter Bechtel.

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Die COVID-19-Pandemie habe deutlicher gemacht, dass sich die Personalsteuerung am tatsächlichen Pflegebedarf der Patienten orientieren müsse. „Die Personaluntergrenzen haben keinen Bezug zum Pflegeaufwand und werden zudem häufig als Obergrenze miss­braucht“, sagte Bechtel.

Der Bundesverband Geriatrie (BV Geriatrie) forderte erneut, die konsequente Einführung bedarfsorientierter Instrumente zur Pflegepersonalbedarfsermittlung beim Übergang in den Regelbetrieb.

Starre Pflegepersonaluntergrenzen in ihrer bestehenden Form seien „nicht geeignet, die Ausstattung mit Pflegepersonal und die Pflegequalität zu verbessern“, schreiben die Ge­riater. Die Maßnahmen verfehlten das Ziel der Bundesregierung, Patien­tensicherheit in den Krankenhäusern zu gewährleisten.

Die Pflegekammer Niedersachsen stellte sich heute hinter das BMG. „Es wurde höchste Zeit, dass die Pflegepersonaluntergrenzen zumindest in der Geriatrie und Intensivmedizin wieder gelten“, sagte die Pflegekammerpräsidentin Nadya Klarmann. Es brauche eine rote Linie – und das in allen Bereichen eines Krankenhauses.

Es dürfe nicht sein, dass es vom Glück abhängt, ob Patienten von einer Mindestanzahl an qualifizierten Pflegefachpersonen betreut werden. Die Qualität der Versorgung von Pa­tien­ten in Krankenhäusern hänge maßgeblich von der Anzahl gut ausgebildeter Pflege­fach­personen ab.

Aus einer Verordnung des BMG geht hervor, dass für die Intensivmedizin und die Geriatrie ab dem 1. August wieder die bisher festgelegten Pflegepersonaluntergrenzen greifen soll­en. Dabei gelten die Verhältniszahlen, wie sie im Oktober 2019 für das Jahr 2020 fest­gelegt wurden: In der Geriatrie ist tagsüber somit eine Pflegefachkraft für zehn Patienten zu­ständig, in der Nachschicht für 20 Patienten.

Als Untergrenze in der Intensivmedizin ist tagsüber eine Pflegefachkraft für 2,5 Patienten vorgesehen, in der Nacht für 3,5 Patienten. Ab dem 1. Januar 2021 soll die Untergrenze in der Intensivmedizin bei zwei Patienten pro Pflegekraft tagsüber und drei Patienten pro Pflegekraft in der Nacht liegen.

Die Untergrenzen wurden am 16. März im Zuge der Pandemie und der Anweisung an Krankenhäuser, Kapazitäten für COVID-19-Patienten frei zu halten, ausgesetzt. Für die pflegeintensiven Bereiche in der Unfallchirurgie, Kardiologie, Herzchirurgie, Neurologie, Stroke Units sowie Neurologische Frührehabilitation bleiben die Untergrenzen bis zum 31. Dezember 2020 ausgesetzt. © kna/bee/may/aerzteblatt.de

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