NewsMedizinStudie: Wen die COVID-19-Pandemie am meisten stresst
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Wen die COVID-19-Pandemie am meisten stresst

Donnerstag, 23. Juli 2020

/Korta, stockadobecom

Manchester – Der Lockdown, der die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung deutlich einge­schränkt hat, ging mit einer deutlichen Verschlechterung der mentalen Gesundheit ein­her. Dies kam im Rahmen einer britischen Umfrage heraus, deren Ergebnisse jetzt in Lancet Psychiatry (2020; DOI: 10.1016/ S2215-0366(20)30308-4) veröffentlicht wurden.

Die „UK Household Longitudinal Study“ befragt seit 2009 eine repräsentative Stichprobe jährlich zu verschiedenen sozialen und ökonomischen Belangen. Zum Fragenkatalog, den die mehr als 50.000 Teilnehmer jährlich ausfüllen, gehört auch der „General Health Ques­tionnaire“ (GHQ-12). Er erfasst 12 Aspekte zur psychischen Verfassung, die mit 0 bis 3 Punk­ten bewertet werden (schlechtestes Ergebnis: 36 Punkte).

Anzeige

In diesem Jahr wurde die Befragung zwischen dem 23. und 30. April durchgeführt. Die Bevölkerung befand sich seit einem Monat im Lockdown, den die Regierung am 23. März beschlossen hatte. Ende April war noch kein Ende abzusehen und die Stimmung in der Be­völkerung entsprechend gedämpft. Dies machte sich auch in den Antworten zum GHQ-12 bemerkbar, die ein Team um Kathryn Abel von der Universität Nottingham jetzt ausgewertet hat.

Der Durchschnittswert im GHQ-12 war von 11,5 auf 12,6 Punkte in den Jahren davor an­gestiegen. Dies bedeutet eine Verschlechterung um 1,1 Punkten. Der GHQ-12 war auch in den Jahren zuvor leicht angestiegen. Der Lockdown war jedoch nach den Ergebnissen von Abel mit einer zusätzlichen Verschlechterung um 0,48 Punkte verbunden, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,07 bis 0,90 Punkten signifikant war.

Mehr als ein Viertel (27,3 %) der Studienteilnehmer erlebte Ende April eine nach Ein­schät­zung von Abel „potenziell klinisch signifikante psychische Belastung“. Vor der Pandemie war es weniger als ein Fünftel (18,9 %) gewesen.

Der GHQ-12 ist allerdings nur ein Screening-Fragebogen, der keine klinische Diagnose erlaubt. Das Ergebnis bedeutet laut Abel nicht, dass ein Viertel der Bevölkerung an einer behandlungsbedürftigen mentalen Erkrankung leidet. Die Ergebnisse würden jedoch zeigen, dass die psychische Belastungen nach einem Monat Lockdown erheblich waren.

Frauen haben nach der Studie mehr unter dem Lockdown gelitten als Männer. Der An­stieg im GHQ-12 betrug 0,92 gegenüber 0,06 Punkten. Das größte Opfer brachten jedoch jüngere Menschen, für die das Coronavirus die geringste Gefahr bedeutet.

In der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen stieg der GHQ-12 um 2,69 Punkte. Bei den über 70-jährigen (die das höchste Sterberisiko im Fall einer Infektion haben) verschlech­terte sich die psychische Verfassung nur um 0,17 Punkte).

Der GHQ-12 verschlechterte sich bei Eltern mit Kindern im Vorschulalter um 1,45 Punkte. Kinderlose Personen (plus 0,33 Punkte) waren weniger stark belastet. Auch Beschäftigte (plus 0,63 Punkte) litten stärker unter dem Lockdown. Bei Arbeitslosen verbesserte sich das psychische Befinden dagegen um 0,48 Punkte.

In den Einkommensklassen waren die Höherverdiener (plus 0,90 Punkte) deutlich mehr gestresst als die niedrigeren Lohngruppen. Städter (plus 0,52 Punkte) litten tendenziell mehr unter dem Lockdown als die Landbevölkerung (plus 0,37), Migranten (plus 0,71) mehr als Einheimische (0,47). Eheleute (plus 0,60) waren tendenziell stärker belastet als Singles (plus 0,48).

Abel vermutet, dass die Umfrage zu einem kritischen Zeitpunkt durchgeführt wurde, an dem die Verunsicherung am höchsten war. Sie hofft, dass sich die psychische Verfassung bei der nächsten Umfrage wieder verbessert hat. Es könnte allerdings sein, dass es in­folge der zu erwartenden Rezession mit Arbeits- und Einkommensverlusten zu neuen Stressoren kommt. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

25. September 2020
Berlin – In Deutschland werden nach Angaben des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums (BMG) zurzeit gut 1,2 Milliarden Schutzmasken gelagert. Das geht aus der Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der
Deutschland sitzt auf 1,2 Milliarden Schutzmasken
25. September 2020
Berlin – Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich an diesem Sonntagnachmittag mit den CDU-Ministern ihres Kabinetts treffen, um die aktuelle politische Lage zu besprechen. Im Mittelpunkt dürften die
Corona: Merkel trifft sich am Sonntag mit CDU-Kabinettsmitgliedern
25. September 2020
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn hat den Bürgern angesichts steigender SARS-CoV-2-Fälle von Auslandsreisen in den Herbst- und Winterferien abgeraten. „Man kann ja auch Urlaub im Inland
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn rät von Auslandsreisen in Herbst- und Winterferien ab
25. September 2020
Berlin – Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, für die Risikobewertung in der SARS-CoV-2-Pandemie nicht nur die Zahl der Neuinfektionen zu
Laschet fordert neue Kriterien für Risikobewertung in Coronapandemie
25. September 2020
Berlin – Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert einen neuen PCR-basierten Corona-Schnelltest, den Bosch entwickelt hat und bei dem das Ergebnis in 39 Minuten vorliegt. An einer
Forschungsministerium fördert Entwicklung von Corona-PCR-Schnelltest mit verkürzter Testzeit
25. September 2020
Köln – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat rechtliche Schritte gegen einen Mann eingeleitet, der ihn Ende August homophob beleidigt haben soll. Das meldete die Bild gestern mit Verweis auf
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn stellt Strafantrag wegen Beleidigung
25. September 2020
New York und Paris – Mehr als 10 % aller Patienten, die nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 eine schwere COVID-19 entwickeln, haben laut einer Studie in Science (2020; DOI: 10.1126/science.abd4585)
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER