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Medizin

Diabetischer Fuß: Kaltplasma-Pen beschleunigt Abheilung von infizierten Ulzera

Mittwoch, 12. August 2020

/dpa

Bad Oeynhausen – Eine Behandlung mit kaltem atmosphärischem Plasma, dem eine antimikrobielle Wirkung zugeschrieben wird, hat in einer randomisierten kontrollierten Studie in JAMA Network Open (2020; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2020.10411) die Abheilung von diabetischen Ulzera gefördert, zu denen es bei bis zu 10 % aller Diabetiker im Verlauf des Lebens kommt und die eine häufiger Ursache von Amputationen sind.

Die Kombination aus Neuropathie, Mikro- und Makroangiopathie und Fußdeformitäten macht Diabetiker anfällig für Ulzerationen, die sich leicht infizieren und wegen der diabetischen Stoffwechsellage schlecht abheilen. Der sogenannte diabetische Fuß ist der häufigste Anlass für Amputationen. In Deutschland werden jedes Jahr etwa 50.000 Füße als Folge einer Diabeteserkrankung amputiert.

Zu den experimentellen Therapien gehört die Anwendung von kaltem atmosphärischem Plasma. Es handelt sich um leicht ionisierte Luft, deren elektrisch geladene Teile in Laborexperimenten eine breite antimikrobielle Wirkung enthalten. Außerdem wird eine Stimulierung der Wundheilung diskutiert.

In der „Kaltplasma Wund“-Studie wurde die Behandlung erstmals in einer randomisierten kontrollierten und Patienten-verblindeten Studie an 62 diabetischen Fußulzera von 43 stationären Patienten untersucht. Die Wunden hatten einen Schweregrad von 1B und 2B gemäß der Wagner-Armstrong-Klassifikation, die Wundtiefe und Infektiosität beurteilt: 1B kennzeichnet eine oberflächliche, infizierte Wunde, beim Grad 2B reicht der infizierte Gewebedefekt bis zur Ebene von Sehnen oder Gelenkkapsel.

Die Wunden wurden zunächst täglich und später alle 2 Tage mit einem kleinen Gerät (Pen) behandelt, das das Kaltplasma für 30 Sekunden pro cm² Wundfläche auf die Oberfläche der Wunde lenkte. Die Kontrollgruppe erhielt eine Behandlung mit einem simulierten, inaktivierten Plasma, was für die Patienten nicht zu unterscheiden war.

Primäre Endpunkte der Studie waren die Reduktion der Wundfläche nach 14 Tagen sowie der Infektionsstatus und die mikrobielle Belastung der Wunden. Sekundäre Endpunkte waren unter anderem die Zeit bis zu einem 10-prozentigen Wundverschluss, die gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie Sicherheit und Verträglichkeit der Behandlung.

Wie das Team um Diethelm Tschoepe vom Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen berichtet, hat sich die Wundoberfläche nach 14 Tagen unter der Kaltplasma-Behandlung im Mittel auf 30,5 % der ursprünglichen Größe verkleinert gegenüber einer Reduktion auf 55,2 % der ursprünglichen Größe in der Placebogruppe, wobei die Differenz statistisch signifikant (p=0,03) war.

Die Wundheilung setzte laut Tschoepe früher ein. Die Dauer bis zur 10- und 20-prozentigen Verkleinerung war signifikant verkürzt. In 2 Fragebögen zur Lebensqualität (EuroQol-5D und SF-12) wurden in beiden Gruppen ähnliche Verbesserungen erzielt. In beiden Gruppen kam es mit der Wundheilung zu einem Rückgang der Infektionen, wobei die Unterschiede hier statistisch nicht signifikant waren.

Die Kaltplasma-Behandlung war laut Tschoepe für die Patienten schmerzfrei und gut verträglich. Komplikationen seien nicht aufgetreten. Die Patienten sollen jetzt über 5 Jahre nachbeobachtet werden, um auch die langfristige Sicherheit der Behandlung bewerten zu können.

Die Ergebnisse bestätigen nach Einschätzung von Tschoepe die bisherigen Erkenntnisse aus Fallstudien. Neben der antiinfektiösen Wirkung kommt danach der Stimulierung der Wundheilung eine wesentliche Bedeutung zu. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #811110
Stefan Schanz
am Donnerstag, 13. August 2020, 09:24

Super, tägliche Wundversorgung!

Ich glaube das allein die tägliche Wundversorgung, unabhängig von Plasma oder anderen angewendete Techniken schon zu einer Abheilung führen kann. Selbige Erfahrung habe ich mit Dialysepatienten, die ja übertägig dem Arzt ihre Füße zeigen dürfen. Aber wie wollen wir das im Real Life darstellen außer mit teuren Behandlungsgeräten wie Dialyse, Plasma oder Vakuumverband, die die Bezahlung sicherstellen
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