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Politik

RKI-Präsident Wieler: „Entwicklung in Deutschland macht mir große Sorgen“

Dienstag, 28. Juli 2020

Lothar Wieler /picture alliance, AP, Tobias Schwarz

Berlin – Angesichts wieder deutlich ansteigender Zahlen von COVID-19-Fällen in Deutschland ruft das Robert-Koch-Institut (RKI) dazu auf, sich wieder stärker an die Infektionsschutzmaßnahmen zu halten. „Die neuste Entwicklung macht mir und allen im Robert Koch-Institut große Sorgen“, erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler heute Morgen auf einer Pressekonferenz. Urlaubsrückkehrer seien wohl nicht die Hauptursache für den Anstieg.

So habe es innerhalb der letzten sieben Tage 3.611 neu gemeldete Fälle gegeben. Allein der Anstieg von gestern zu heute liege bei 633 Fällen, in den Tagen zuvor vergleichbar hoch oder höher. Der Anstieg sei nicht lokal, sondern bundesweit in allen Bundesländern zu verzeichnen. In den Wochen davor sei es gelungen, die Zahl der Neuinfektionen bei etwa 500 am Tag zu stabilisieren. Nun gebe es die Sorge, dass die Infektionskurve schnell wieder ansteige.

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Viele kleine Ausbrüche

„Die Entwicklung ist sehr beunruhigend“, so Wieler. Noch handele es sich um viele kleine Ausbrüche. „Wir müssen jetzt verhindern, dass das Virus sich unkontrolliert ausbreitet“, so Wieler. Dafür sei es zentral, dass sich alle weiterhin an die sogenannten AHA-Regeln hal­ten – also einen Abstand von mindestens 1,50 Metern zueinander halten, die Hygiene­regeln beachten und dort, wo keine ausreichenden Abstände möglich sind, eine Alltags­maske über Mund und Nase zu tragen.

Grund für den Wiederanstieg sei zunehmende Nachlässigkeit bei der Einhaltung dieser Maßnahmen. Regelmäßige Befragungen im Rahmen der COSMO-Studie, an der das RKI beteiligt ist, hätten dieses Stimmungsbild bestätigt.

Bevölkerung bewertet Risko nicht mehr so hoch

„Die Befragungen haben gezeigt, dass die Bevölkerung COVID-19 als geringeres Risiko ansieht als zuvor und auch weniger willig ist, Schutzmaßnahmen mitzutragen“, betonte Wieler. Höhere Zahlen von Ansteckungen seien zuletzt vor allem nach Partys, Familien­feiern und ähnlichen Veranstaltungen verzeichnet worden.

„Die Anzahl der engen Sozialkontakte sollten so gering wie möglich gehalten werden“, appellierte auch Ute Rexroth, die beim RKI den Fachbereich Surveillance leitet. Die größ­te Ansteckungsgefahr bestehe für die Bundesbürger momentan in Deutschland.

„Zwar war am Anfang der Epidemie ein großer Teil der Infektionen reiseassoziiert, mo­men­tan liegt dieser Anteil aber nur noch bei etwa zehn Prozent“, so Rexroth. Die Infekti­ons­rate durch Reiserückkehrer würde nun, nachdem Reisen wieder möglich sei, wieder ansteigen. Wo eine Infektion genau stattgefunden habe, sei bei einem Virus wie SARS-CoV-2 aber nicht immer eindeutig.

Auch weltweit zeichne sich ab, dass ein Nachlassen bei den Schutzmaßnahmen schnell wieder zu einem Anstieg der Infektionszahlen führe, so Wieler. „Auch in Ländern, die den Ausbruch unter Kontrolle zu haben schienen, wie Australien, Japan oder Spanien.“

Wir dürfen jetzt nicht nachlassen RKI-Präsident Lothar Wieler

In Marokko sei erneut ein Lockdown verfügt, in Österreich die Maskenpflicht wieder ver­schärft worden. „Wir wissen nicht, ob dass der Beginn einer zweiten Welle ist, es kann sein“, so Wieler. Er sei aber optimistisch, dass man diese Entwicklung verhindern könne.

„Wir dürfen jetzt nicht nachlassen“, mahnte der RKI-Präsident. Die AHA-Regeln dürften nicht mehr hinterfragt werden, man werde sich wohl noch monatelang daran halten müssen. „Wenn das nicht hilft, dann können auch lokale Maßnahmen wieder dazu kommen“. © alir/aerzteblatt.de

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