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Medizin

SARS-CoV-2: Britische Behörde betrachtet Adipositas als COVID-19-Risiko

Mittwoch, 29. Juli 2020

/dpa

London – Eine Adipositas gehört möglicherweise zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen schweren Verlauf einer Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2. Während der britische Premierminister seine schwere Erkrankung auf seine Gewichtsprobleme zurückführt und die Regierung eine Großkampagne gegen Übergewicht gestartet hat, fasst die Gesundheitsbehörde Public Health England in einem Report den derzeitigen Kenntnisstand zusammen.

Großbritannien hat im europäischen Vergleich mit die höchste Rate von übergewichtigen und adipösen Erwachsenen: 67 % der Männer und 60 % der Frauen sind mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 25 kg/m2 übergewichtig, und 26 % beziehungsweise 29 % sind mit einem BMI von über 30 kg/m2 sogar adipös.

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Verbreitet ist die Adipositas vor allem in sozial schwachen Bevölkerungsschichten und in der BAME-Gruppe („Black, Asian, and minority ethnic“). Aus dem Rahmen fallen hier vor allem die Frauen unter den „Blacks“: Sie sind zu 53,6 % adipös, während der Anteil bei den Männern mit 27,7 % nicht höher ist als bei den „Whites“. Asiaten sind mit 16,3 % bei den Männern und 23,6 % bei den Frauen seltener adipös als der Durchschnitt.

Ob die hohe Prävalenz von Gewichtsproblemen in der Bevölkerung (und vor allem in der BAME-Gruppe) dafür verantwortlich ist, dass die COVID-19-Epidemie in Großbritannien heftiger verlief als in anderen Ländern, ist laut Public Health England zwar nicht erwiesen. Der Report liefert jedoch eine Reihe von klaren Hinweisen, die die stärkere Gefährdung von Menschen mit Gewichtsproblemen belegen, bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 besonders schwer an COVID-19 zu erkranken.

Dazu gehört beispielsweise, dass auf den britischen Intensivstationen 7,9 % der kritisch kranken Patienten einen BMI von über 40 hatten, verglichen mit 2,9 % in der Allgemein­bevölkerung. Das Risiko einer Intensivbehandlung stieg mit dem BMI exponenziell an.

Die Hazard Ratios betrugen für Übergewichtige (BMI 25 bis 29,9 kg/m2) 1,64, für Personen mit normaler Adipositas (BMI 30 bis 34,9 kg/m2) 2,59 und für Personen mit deutlicher Adipositas (BMI 35 und höher) 4,35. Adipöse Personen hatten in einer Studie an 208 britischen Kliniken ein um 33 % erhöhtes Risiko, die Erkrankung nicht zu überleben.

Viele adipöse Menschen haben weitere Gesundheitsprobleme, allen voran einen Typ-2-Diabetes, der ebenfalls ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf von COVID-19 ist. Dies erklärt laut dem Report jedoch nur einen Teil des Erkrankungsrisikos.

Mögliche Mechanismen für eine direkte Auswirkung der Adipositas sind laut dem Report eine Beeinträchtigung der Atmung durch Fettablagerungen in den oberen Atemwegen und auf dem Thorax, die mit der Adipositas einhergehenden Entzündungsreaktionen im Körper und möglicherweise auch eine vermehrte Immunreaktion auf den Erreger, die die Entwicklung von Thrombosen begünstigt.

Der Report weist auf zahlreiche Studien hin, in denen eine Gewichtsreduktion um 5 bis 10 kg das Erkrankungs- und Sterberisiko von adipösen Menschen gesenkt hat. Ob die Gewichtsreduktion auch vor COVID-19 schützen würde, ist unklar, angesichts der Erfahrungen bei anderen Erkrankungen jedoch zu vermuten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #674756
santantimo
am Donnerstag, 30. Juli 2020, 05:53

Adipositas, die Fettsucht wird unterschätzt

Adipositas – nicht nur ein Problem bei Corona, sondern sie ist auch ein schwergewichtiger Krebsrisikofaktor. Es besteht ein hoher Handlungsbedarf für die Politik.
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