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Trend zur späten Geburt: Mütter bei erstem Kind immer älter

Mittwoch, 29. Juli 2020

/Syda Productions, stock.adobe.com

Wiesbaden – Frauen sind in Deutschland bei der Geburt des ersten Kindes zunehmend älter. Im vergangenen Jahr bekamen Mütter ihr erstes Baby im Durchschnitt mit 30,1 Jah­ren, wie das Statistische Bundesamt heute in Wiesbaden mitteilte. Zehn Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 28,8 Jahren.

„Das Erstgeburtsalter steigt kontinuierlich. Das ist ein eindeutiger Trend, der sich immer dynamischer entwickelt“, sagte Martin Bujard, Forschungsdirektor beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). Ein Grund sei, dass sich auch der Berufseintritt nach hintern verschiebe. „Kinderwünsche werden oft erst dann angegangen, wenn beide beruflich Fuß gefasst haben.“

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Besonders deutlich werde das bei Akademikerinnen: Nach Angaben Bujards sind diese bei der ersten Geburt im Schnitt 32 Jahre alt. Dazu komme, dass mehr als die Hälfte mit 35 Jahren noch kinderlos sei. „Leider wird eine frühe Elternschaft immer noch häufig auf dem Arbeitsmarkt bestraft.“

Bujard zufolge nimmt vor allem bei Frauen im Alter zwischen 35 und 40 Jahren die An­zahl der Erstgeburten zu. In den 1970er-Jahren waren die Werte noch völlig anderes: Da­mals waren die westdeutschen Frauen bei der Geburt des ersten Kindes im Durch­schnitt noch 25 Jahre alt, in der DDR sogar nur 22 Jahre. „Früher waren Frauen, die mit über 40 Jahren ihr erstes Kind bekommen haben, die ab­solute Ausnahme. Inzwischen kommt das ab und zu vor.“

Unterschiede in den Ländern

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den Bundesländern: Laut Statistik waren die Frauen in Sachsen-Anhalt bei der ersten Geburt mit 28,9 Jahren am jüngsten. Hamburger Mütter waren mit 31,2 Jahre am ältesten.

„Das ist der Großstadteffekt, wo sich viele Akademikerinnen sammeln. Ähnliche Werte gibt es in Stuttgart, Frankfurt oder auch in Universitätsstädten wie Heidelberg“, so Bujard. Und: Auch wenn sich der Osten schon sehr an den Westen angeglichen habe, seien die Zahlen dort vielerorts noch etwas niedriger.

Und wie steht es generell um die Geburtszahlen in Deutschland? Nach Angaben der Sta­tis­tiker wurden 2019 rund 778.100 Babys geboren, etwa 1,2 Prozent weniger als im Vor­jahr. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau lag bei 1,54 Kindern, 2018 waren es noch 1,57. Diese Geburtenrate nahm laut Statistik in 14 von 16 Bundesländern ab. Lediglich in Bayern (1,55) und Bremen (1,60) blieb sie unverändert auf dem Vorjahresniveau.

„In den kleinen Rückgängen bei den absoluten Zahlen und bei der Geburtenrate sehe ich keinen Trend, sondern eher eine Seitwärtsbewegung“, sagte Bujard. Und tatsächlich lag die Geburtenrate auch schon mal deutlich niedriger: 1994 bekamen die Frauen in Deutschland durchschnittlich 1,24 Kinder.

Doch was hilft, damit die Zahl der Geburten wieder steigt oder zumindest nicht weiter rückläufig ist? „Das ist keine neue Botschaft, aber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bleibt wichtig“, sagte Jessica Nisén vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung.

Potenzielle Eltern müssten sich auf eine finanzierbare und qualitativ hochwertige Kinder­betreuung verlassen können. Dass solche Konzepte wirken könnten, habe sich etwa in den nordeuropäischen Ländern gezeigt.

Im EU-weiten Vergleich lag Deutschland zuletzt im Mittelfeld. Nach Zahlen des Statis­ti­schen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) für 2018 wurde in Frankreich mit 1,88 Kindern je Frau die höchste Geburtenrate registriert, gefolgt von Schweden (1,76), die niedrigste mit 1,23 auf Malta.

Deutschland lag mit 1,57 auf Platz 13. Und was das Alter der Frauen beim ersten Kind betrifft, waren die Mütter im Italien mit 31,2 Jahren am ältesten und in Bulgarien mit 26,2 Jahren am jüngsten. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #755239
Wolfgang Rödle
am Donnerstag, 30. Juli 2020, 15:28

Woher das wohl kommt?

Hmm... Also ich weiß es nicht, aber ich stelle eine Vermutung an:
Um beruflich erfolgreich zu sein, muss man sich in unserer Zeit im jungen Alter komplett auf Ausbildung, Studium und Berufseinstieg konzentrieren. Oft leiden auch private Beziehungen und Partnerschaften unter diesem Druck. Der Stress erschwert auch die Partnersuche. Um in einem "gehobenen" Beruf wirklich gefestigt zu sein, dauert es schon seine Zeit und man ist meist Ende 20. Erst dann kann man durch Einkommen und beruflicher Festigung über feste Partnerschaft und Kinder nachdenken. (Ganz genderneutral!) Folglich, bekommen Menschen (Frauen und Männer) Kinder immer später.


Eins will ich noch dazu sagen:
Frauen werden aktuell durch Frauenquoten und gesellschaftlichen Überzeugungen regelrecht in diese Berufe gezwungen. Wann soll die Frau Zeit haben, um Kinder zu bekommen, auszutragen und aufzuziehen? Das ist kein Nebenjob. Zum Muttersein gehört so viel mehr. Die Hormone stellen sich um, man hat auf einmal ganz neue Gefühle, die man zuvor nicht kannte, und ganz andere Bedürfnisse. Nach der Geburt kommt die Säuglingszeit. "Das kann auch der Mann machen!" Nein! Ich kenne keinen Mann, der auf natürlichem Wege dem Säugling erfolgreich die Brust geben kann. Dazu kommt, dass man als Mutter einfach das innere Bedürfnis empfindet, sich um das eigene Kind zu kümmern. Das Umsorgen, das Kuscheln, die Liebe... Aber dann kommen wieder die gesellschaftlichen Überzeugungen, dass die Mutter schnell wieder in den Beruf muss, um sich zu verwirklichen.
Welche größere Verwirklichung gibt es als erfolgreich ein oder mehrere Kinder in die Welt geboren und aufgezogen zu haben?
An alle Frauen: Ich beneide euch um die Möglichkeit etwas zu erleben, was man als Mann nicht kann. (So schlimm die Geburt auch sein kann.) Und ich beneide euch überhaupt nicht um den Konflikt, der euch zur Zeit aufgedrängt wird (Beruf - Mutter/Familie).
LNS

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