NewsMedizinRheumatoide Arthritis: Cortison-Dauer­therapie verbessert Behandlungserfolg, Ausschleichen ist aber möglich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Rheumatoide Arthritis: Cortison-Dauer­therapie verbessert Behandlungserfolg, Ausschleichen ist aber möglich

Donnerstag, 30. Juli 2020

/doucefleur, stock.adobe.com

Berlin – Eine niedrigdosierte Cortisontherapie bei Rheumatoider Arthritis wirkt zwar häufiger, aber auch ein Placebo konnte in 65 % der Fälle eine geringere Krankheits­aktivität erhalten.

Das ist das Ergebnis der internationalen SEMIRA-Studie (Steroid Elimination In Rheumatoid Arthritis), die die 2 Therapieschemata miteinander verglichen hat. Sie erschien kürzlich in der Fachzeitschrift The Lancet (DOI: 10.1016/S0140-6736(20)30636-X).

Die Wissenschaftler aus 6 Ländern wollten untersuchen, wie sich Nebenwirkungen einer langfristigen oralen Glucocorticoidtherapie reduzieren lassen. Hierfür gebe es bisher nur wenig Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien, schreiben die Autoren.

In ihre doppelblinde randomisierte placebokontrollierte Studie schlossen sie 200 Frauen und 59 Männer mir Rheumatoider Arthritis ein. Das entspricht ungefähr der Geschlechter­verteilung der Erkrankung.

Alle Probanden hatten vorher mindestens über 6 Monate hinweg Glucocorticoide erhalten und darunter eine weitgehend kontrollierte Entzündungsaktivität. Gemessen wurde diese mittels des DAS28-ESR-Scores (Disease Activity Score for 28 joints – erythrocyte sedimentation rate).

Bei allen Teilnehmenden wurde die Cortisontherapie schrittweise über 4 Monate reduziert, bis sie entweder mit einem Placebopräparat oder mit 5 Milligramm Prednison weiter­behandelt werden konnten. Über die gesamten 6 Studienmonate erhielten sie zusätzlich den monoklonalen Antikörper Tocilizumab, der sich gegen den Interleukin-6-Rezeptor richtet.

Bei 65 % der Probanden, bei denen das Medikament Prednison komplett ausgeschlichen wurde, konnte kein Wiederaufflammen der Entzündungen festgestellt werden. Im Vergleich führte die niedrigdosierte Weiterbehandlung bei 77 % zu einer stabilen Krankheitsaktivität, schreiben die Wissenschaftler.

Schwerwiegende Nebenwirkungen traten in beiden Schemata fast gleichhäufig auf: Bei 7 Patienten der Placebogruppe (5 %) und 4 Patienten der Kontrollgruppe (3 %). Eine symptomatische Nebenniereninsuffizienz wurde bei keinem Probanden beobachtet.

Basis für eine partizipative Entscheidungsfindung

„Die Behandlungserfolgsrate von 65 % beim Ausschleichen der Kortisonpräparate ist für eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit den Betroffenen von großer Bedeutung.

Es kann nun im Einzelfall beurteilt werden, ob eine weitere Therapie mit Glucocorti­coiden sinnvoll ist oder ob ein Absetzen versucht wird“, sagte der Erstautor der Studie, Gerd Rüdiger Burmester. Er ist Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie am Campus Charité Mitte.

„Unsere Ergebnisse bieten einen Rahmen für Untersuchungen zum Absetzen von Glucocorticoiden auch in anderen Therapiesituationen – etwa in der Allergologie, Neurologie oder Dermatologie“, sagte Burmester.

Beteiligt waren insgesamt 39 Zentren unter der Leitung der Charité. Neben Deutschland waren auch Forscher aus Frankreich, Italien, Russland, Serbien und Tunesien involviert.

Die Schweizer Pharmafirma Roche, die diese Studie finanziert hat, ist auch der Hersteller des verwendeten Antikörpers Tocilizumab. © jff/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

6. August 2020
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) hat ihre Therapieempfehlungen für Rheumapatienten aktualisiert. Die neuen Richtlinien beziehen sich auf präventive Maßnahmen in Coronazeiten
Rheumatherapie: Behandlungsempfehlungen aktualisiert
31. Juli 2020
New York – Die Krankheitsschübe, die bei Patienten mit rheumatoider Arthritis die Zerstörung verschiedener Gelenke vorantreiben, werden von präinflammatorischen mesenchymalen (PRIME)-Zellen
Rheumatoide Arthritis: PRIME-Zellen im Blut zeigen bevorstehenden Schub an
8. Juli 2020
Köln – Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben in einer neuen Meta-Analyse untersucht, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Biologika
Rheumatoide Arthritis: Geringfügige Unterschiede bei Biologika
17. Juni 2020
Berlin – Eine Rehabilitation und eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes könnten laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) oft dazu beitragen, dass Patienten mit rheumatischen Erkrankungen
Erwerbsminderung bei Rheuma oft vermeidbar
5. Juni 2020
Kilchberg – In Europa nehmen immer mehr Menschen Opioide gegen Schmerzen bei Rheuma ein. Darauf hat die europäische Rheumaliga „The European League Against Rheumatism“ (EULAR) hingewiesen. Demnach
Europäische Rheumaliga warnt vor Suchtgefahren durch Opioide
4. Juni 2020
Kilchberg – Im Rahmen des Rheumatologenkongresses der Europäischen Liga gegen Rheuma (EULAR) wurde die Etablierung eines „EULAR Virtual Research Center“ angekündigt. Die bereits im Aufbau befindliche
Rheumatologische Versorgung soll durch virtuelles Forschungszentrum verbessert werden
15. Mai 2020
Köln – Der monoklonale Antikörper Belimumab bietet bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit aktivem systemischem Lupus erythematodes (SLE) einen Zusatznutzen. Darauf hat das Institut für
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER