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Medizin

Schwangere können Bluthochdruck auf Kinder übertragen

Donnerstag, 30. Juli 2020

/chompoo, stock.adobe.com

Berlin/Odense – Erhöhter Blutdruck in der Schwangerschaft kann sich auf ungeborene Kinder übertragen und deren Werte schon in jungen Jahren ungünstig beeinflussen. Das zeigt die Studie eines Teams des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf Forschung (DZHK) und Forschern des Universitätsklinikums im dänischen Odense (OUH).

Im Journal Hypertension (DOI: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.119.13966) wurde die Arbeit jetzt zunächst online publiziert. Mädchen haben demnach ein größeres Risiko, den Blut­hochdruck von der Mutter zu übernehmen.

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Für die Untersuchung werteten Anna Birukov vom Deutschen Institut für Ernährungs­for­schung, die über das Nachwuchsförderprogramm Young-DZHK beteiligt war, und die OUH-Ärztin Louise Bjørkholt Andersen die Daten einer Studie mit 2.434 schwangeren Frauen und 2.217 Kindern aus der Stadt Odense aus. Etwas mehr als 10 % der Frauen hatten demnach einen durch die Schwangerschaft erhöhten Blutdruck von über 140/90 mmHg.

Die Töchter dieser Frauen zeigten bereits im Alter von 5 Jahren erhöhte systolische Blut­druckwerte. Bei den Söhnen wurden dagegen gestiegene diastolische Blutdruckwerte festgestellt, die allerdings nicht so stark vom Normalwert abwichen wie die Werte der Mädchen, heißt es in einer Mitteilung des DZHK. Im Rahmen der Studie würden die Kin­der noch bis zu ihrem 18. Lebensjahr weiter regelmäßig untersucht.

„Die Werte der Kinder sind nicht so dramatisch erhöht, dass man schon von einem Blut­hochdruck sprechen könnte. Trotzdem stellt selbst die bei Mädchen beobachtete Erhö­hung um 2 bis 3 mmHg in so jungen Jahren langfristig eine große Belastung für das Herz-Kreislauf-System dar“, wird DZHK-Forscher Ralf Dechend von der Charité und dem Helios-Klinikum Berlin zitiert, der die Arbeit betreute.

Die Studie habe zudem gezeigt, dass sich Bluthochdruck in der Schwangerschaft schon frühzeitig durch kleine Veränderungen in den Werten andeute, so die Mitteilung weiter. Vorbeugende Maßnahmen könnten also schon in einem frühen Stadium ergriffen und das langfristige Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Kind und Mutter gesenkt werden.

Wenn Frauen während der Schwangerschaft einen erhöhten Blutdruck hatten, der nicht behandelt wurde, sei es besonders wichtig bei den Kindern auf einen herzgesundheits­fördernden Lebensstil mit gesunder Ernährung und viel Bewegung zu achten.

Aber auch die Mütter mit durch die Schwangerschaft erhöhten Blutdruckwerten müssten nach der Geburt besser betreut werden, fordert Dechend. Sobald die Nachsorge beendet sei, fühlten sich Frauenärzte nicht mehr zuständig, die Hausärzte würden hingegen nicht immer über das neu aufgetretene Gesundheitsrisiko informiert.

Studien aus den USA, Skandinavien und Schottland, in deren Rahmen komplette Gebur­tenregister ausgewertet worden seien, hätten aber gezeigt, dass diese Frauen ab Mitte Fünfzig ein 2- bis 4-fach erhöhtes Risiko hätten, an Herz und Kreislauf zu erkranken. Der durch die Schwangerschaft hervorgerufene Bluthochdruck sei damit für die Betroffenen unbehandelt ebenso riskant wie Rauchen. © alir/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 30. Juli 2020, 18:54

Hypertensive Mütter und Kinder...

...fragwürdige Epigenenetik.

"Blood Pressure and Angiogenic Markers in Pregnancy - Contributors to Pregnancy-Induced Hypertension and Offspring Cardiovascular Risk" von
Anna Birukov et al.
Originally published 8 Jun 2020
https://doi.org/10.1161/HYPERTENSIONAHA.119.13966

berücksichtigt in seinem Abstract überhaupt nicht, dass insbesondere die Töchter von Schwangeren mit Hypertonie und Folgekrankheiten oft denselben Umwelt-, Entwicklungs-, Ernährungs- und Verhaltensweisen unterliegen wie ihre Mütter. Das wirkt sich auch auf die Hypertonie-Karrieren in den Folgegenerationen aus und hat m.E. nichts mit Epigenenetik zu tun.

"We hypothesized that maternal blood pressure in pregnancy associated with offspring blood pressure; that the associations were sex-specific; and that maternal circulating placental angiogenic markers (PlGF [placental growth factor] and sFlt-1 [soluble fms-like tyrosine kinase-1]) mediated this relationship" beschreibt mit PlGF (plazentarer Wachstumsfaktor) und der sFlt-1 (lösliche fms-ähnliche Tyrosinkinase-1) nur Mediatoren und Folgeerscheinungen, aber nicht eigentliche Ursachen der maternalen Hypertonie.

Die Aussage: "Sobald die Nachsorge beendet sei, fühlten sich Frauenärzte nicht mehr zuständig, die Hausärzte würden hingegen nicht immer über das neu aufgetretene Gesundheitsrisiko informiert" ist m.E. reines Hausarzt-"Bashing" und weist auf nach wie vor oft mangelhafte kollegiale Zusammenarbeit zwischen GynäkologInnen und GeburtshelferInnen bzw. Hausärztinnen und Hausärzten hin.

Ob der elektronische Arztbrief (eAB) oder die elektronische Patientenakte (ePA) das ändern bzw. verbessern können und werden, sei dahingestellt.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Quelle:
https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/HYPERTENSIONAHA.119.13966
LNS

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