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Ärzteschaft

Ministerium erlaubt Übergangsfristen für elektronische Arbeitsunfähigkeits­bescheinigung

Freitag, 31. Juli 2020

/Halfpoint, stockadobecom

Berlin – Vertragsärzte müssen die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) erst ab dem 1. Oktober 2021 und nicht bereits zum 1. Januar 2021 ausstellen und die Daten an die Krankenkassen übermitteln. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat am Donnerstag den Forderungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nach Übergangsregelungen für die eAU zugestimmt.

In den vergangenen Wochen hatte sich vor allem die Basis der Vertragsärzte sowie mehrere Vorstände der Kassenärztlichen Vereinigungen gegen die Einführung zu Beginn des Jahres gewehrt. Voraussetzung sei aber, dass der GKV-Spitzenverband dieser Regelung zustimmt, heißt es von der KBV. Damit müssen die Vertragsärzte mit den Vertretern der Krankenkassen noch Details vereinbaren.

„Nach dem positiven Votum des Ministeriums erwarten wir von den Krankenkassen, dass sie zügig einer solchen Regelung zustimmen“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen in einer Mitteilung. „Ansonsten werden viele Ärzte ab Januar keine Krank­schreibungen ausstellen können, weil die nötige Technik nicht bereitsteht“, betonte Vize-Chef Stephan Hofmeister.

Nach den Vorgaben des Bundesgesundheitsministeriums darf die Übergangsregelung längstens bis zum 30. September nächsten Jahres laufen. Zugleich sollte bei der Anpassung des Bundesmantelvertrages-Ärzte geregelt werden, „dass eine Nutzung verbindlich erfolgt, sobald die technischen Voraussetzungen in der jeweiligen Praxis geschaffen wurden und damit bereitstehen“, teilte das BMG der KBV mit.

Nach dem Terminservice- und Versorgungsgesetz wären Ärzte ab Januar 2021 verpflichtet, Arbeitsunfähigkeitsdaten unmittelbar elektronisch an die zuständige Krankenkasse zu versenden. Der Versand des Papierdurchschlags durch die Versicherten würde dann entfallen. Allerdings hatten die KBV sowie die KVen mehrfach erklärt, dass der 1. Januar 2021 aus technischen Gründen flächendeckend nicht zu halten ist. Denn für eine eAU ist ein Update des Konnektors notwendig, der aber noch nicht zur Verfügung steht.

Für die sichere Übermittlung benötigen Ärzte zudem einen Dienst für Kommunikation im Medizinwesen (KIM) sowie spätestens ab Januar 2022 für die Signatur einen elektronischen Heilberufsausweis (eHBA). Übergangsweise kann bis dahin bei fehlender Verfügbarkeit des eHBA mit der sogenannten SMCB-Karte signiert werden. © bee/EB/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #109
Claas Hüttenrauch
am Samstag, 1. August 2020, 14:05

Wie ein Huddle die interne ­Kommunikation einer Klinik ­während der Pandemie verbesserte

„...Eine Krise führt zu Unsicherheit sowohl durch einen Mangel an Informationen als auch durch zu viele Informationen. Eine interne Krisenkommunikation ist zentral und, im Zeitalter von E-Mail und Telekonferenzen, lohnt es sich vielleicht eher, sich gegenseitig zu sehen...“
https://medicalforum.ch/article/doi/smf.2020.08557
Avatar #109
Claas Hüttenrauch
am Samstag, 1. August 2020, 13:55

Wie ein Huddle die interne ­Kommunikation einer Klinik ­während der Pandemie verbesserte

„...Der englische Begriff «huddle» hat im Deutschen keine Entsprechung. Er bezieht sich auf eine Gruppe von Personen, die eng beieinanderstehen, Arm in Arm. Der Huddle ist im Mannschaftssport und beim Kaiserpinguin weit verbreitet.
Er dient der Kommunikation und Stärkung des Gemeinschaftsgeistes und, im zweiten Beispiel, dem Warmhalten. ...
Die Risiken im Zusammenhang mit der Kommunikation in Krisenzeiten wurden rechtzeitig erkannt.
Als Gegengewicht zu Telekonferenzen und Social Distancing wählten wir den Huddle als zentrales Element. Wir haben die folgenden Erkenntnisse gewonnen, die wir nicht nur im Falle einer neuen Krise wiederaufgreifen, sondern auch für die Arbeitsweise der Klinik in normalen Situationen anwenden werden:....
Der Huddle erzielte seine Wirkung dadurch, dass er regelmässig, kurz und informell stattfand.
Er hatte einen offenen Charakter, da er ausserhalb eines Raumes abgehalten wurde.
Er wurde zu einem festen Bezugspunkt am Tag bzw. zu einer Art Leuchtturm und ermöglichte den Mitarbeitenden, bei auftretenden Unsicherheiten daran teilzunehmen und Fragen zu stellen. Vonseiten des Leitungsausschusses haben wir nicht gezögert, ­offen zu sein und zuzugeben, dass wir nicht auf alle ­Fragen Antworten hatten.
Nur ein Teil des Personals konnte physisch am Huddle teilnehmen, aber für den Leitungsausschuss war er dennoch eine ausgezeichnete Möglichkeit, von Problemen zu erfahren, die Verbindung zu den Sorgen an der Front nicht zu verlieren und einen Tunneleffekt bei im Lagebericht behandelten Themen zu vermeiden....“
https://medicalforum.ch/article/doi/smf.2020.08557


Avatar #88767
fjmvw
am Samstag, 1. August 2020, 10:15

@tommineuss: Ärzte sind Vorreiter der Digitalisierung!

Wo sehen Sie ein Blockieren der Digitalisierung? Eher das Gegenteil ist der Fall. Voll durchdigitalisierte radiologische Praxen, Frauenarztpraxen mit digitalem Kolposkop, digitalem Mikroskop, Ultraschallgeräte- und CTG-Anbindung an die Praxis …. Digitalisierung eben überall da, wo sie Sinn macht und in den Praxen Vorteile verschafft. Dass eine psychotherapeutische Praxis mit nur einem Chipkartenlesegerät und einem PC auskommt, liegt in der Natur der Sache. Ein Psychotherapeut braucht eben nur ein Minimum an Digitalisierung und genau in dem notwendigen Umfang nutzt er Digitalisierung.

Spahn (und alle anderen) sprechen zwar tagaus und tagein von „Digitalisierung“, aber sie meinen die (Zwangs-)Vernetzung der Praxen – die TI. Und die Vernetzung über die TI verschafft den Praxen eben null Vorteile, sie haben keinen Mehrwert davon. Vorteile von der Vernetzung haben andere, Ärzte haben die Kosten zu tragen. Genau dagegen wehren sie sich.

Solange die Vernetzung mittels TI keine Vorteile hat, sind Ärzte bestens beraten, sich der Zwangsvernetzung zu verweigern.

---------

Kurzer Ausflug zur eMobilität
Der Kauf von Elektrofahrzeugen wird hoch subventioniert. Trotzdem ist der Marktanteil an eFahrzeugen überschaubar. Warum? Weil die Käufer für sich unterm Strich vielfach keine Vorteile von eFahrzeugen sehen.

Die Lösung liegt bei der eMobilität wie auch bei der Vernetzung im Gesundheitswesen darin, den Nutzern Vorteile gegenüber anderen Lösungen zu bieten. Gibt es diese Vorteile, aus Sicht der Nutzer, nicht, wird sich die eMobilität schwer tun und der Widerstand gegen die TI eher zu- als abnehmen.
Avatar #769326
tommineuss
am Samstag, 1. August 2020, 07:35

eAU

Wer allen Ernstes immer noch der irrigen Meinung ist, dass das Blockieren der Digitalisierung wo es nur eben geht, ein Zukunftsmodell für den Arztberuf (oder andere Berufszweige) sei, ist für uns alle zu untragbarem Ballast geworden.

Dieses Blockadeursdenken hat dazu geführt, dass fast kein Gehör mehr in der Politik für berechtigte Interessen vorhanden ist. Dumm gelaufen! Personelles Aufräumen ist angesagt. Und vorallem zukünftig aktives Mitgestalten!

Don Quixote und seine Windmühlen lassen grüßen
Avatar #88767
fjmvw
am Donnerstag, 30. Juli 2020, 21:18

Cleverer Schachzug von Spahn – fallen die Ärzte darauf rein?

Es war für Spahn ein Geschenk des Himmels. dass die Ärzteschaft längere Übergangsfristen für die eAU forderte. Denn die Technik war sowieso noch nicht vollständig einsatzbereit und man hätte den Starttermin sowieso verschieben müssen. Also hat Spahn die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und die Verschiebung als „Entgegenkommen“ an die Ärzteschaft bzw. deren Funktionäre verkauft.

Abgesehen von den Fristen ändert sich für die Ärzteschaft nichts, gar nichts. Die eAU wird kommen, genau wie die IT-Sicherheitsrichtlinie. Wer anderes aus dieser Meldung herausliest, sollte sich wegen Wahrnehmungsstörungen dringend in ärztliche Behandlung begeben.

Ob es Ärzte(funktionäre) geben wird, die diese Fristverlängerung als „ihren“ Erfolg verkaufen werden? Dann hätten sie die Sachlage völlig verkannt. Erstens haben sich nicht die Ärzte durchgesetzt sondern sie wurden von Spahn geschickt ausmanövriert. Zweitens ändert sich an dem Vorhaben von Spahn, die Ärzte in die Vernetzung zu zwingen, nichts. Übrig bleibt noch der dritte Punkt: Weil man diese Verschiebung als Erfolg des ärztlichen Widerstands verkaufen wird, werden die meisten Ärzte glauben, dass sie ab jetzt von der Politik ernst genommen werden würden. Hat ja beim letzten Mal auch geklappt.
Weit gefehlt.

Wenn die Ärzte jetzt in ihrem Bestreben nachlassen, die eAU und auch die ePA zu verhindern, hat Spahn mit einem billigen Bauernopfer, einer Terminverschiebung um 9 Monate, auf ganzer Linie gewonnen. Baumgärtner fällt auf einen solchen Trick bestimmt nicht rein. Aber der Rest? Werden die K(B)V-Vorstände diesen „Erfolg“ zum Anlass nehmen, die Ärzteschaft wieder zu beruhigen? So wie es Köhler vor über 10 Jahren machte, als er erst den Protest von 20.000 Ärzten in Berlin in die Hinterzimmer verlegte und ohne Zuschauer dann abwürgte?

Spannende Zeiten.
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