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Politik

Eigenanteile für Pflegebedürftige im Heim steigen weiter

Freitag, 31. Juli 2020

/Anke Thomass, stockadobecom

Berlin – Für Pflegebedürftige wird die Betreuung im Heim immer teurer. Im bundes­wei­ten Schnitt stiegen die selbst zu zahlenden Anteile jetzt über die Marke von 2.000 Euro im Monat, wie aus Daten des Verbands der Ersatzkassen (vdek) mit Stand 1. Juli hervor­geht.

Demnach sind nun durchschnittlich 2.015 Euro fällig und damit nochmals 124 Euro mehr als Mitte 2019. Es gibt aber weiterhin regionale Unterschiede. Im Vergleich der Bundes­länder am teuersten bleiben Heimplätze in Nordrhein-Westfalen (NRW) mit nun durch­schnittlich 2.405 Euro. Dagegen ist die Belastung in Sachsen-Anhalt mit 1.436 Euro am niedrigsten.

Krankenkassen und Patientenschützer dringen auf eine Finanzreform. Ulrike Elsner, Vor­standsvorsitzende des vdek, forderte, das Problem in einer Pflegereform anzugehen. Eine kurzfristig umsetzbare Lösungsmöglichkeit wäre, die Leistungsbeträge der Pflegeversi­cherung einmalig anzuheben, sagte sie.

Das könnte etwa Mehrkosten durch höhere Tariflöhne in Heimen ausgleichen. Zudem müssten die Länder endlich die Investitionskosten übernehmen. Da sich auch die Finanz­situation der Pflegeversicherung zunehmend verschärfe, brauche man außerdem einen dauerhaften Steuerzuschuss.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte angekündigt, die Debatte über eine grundlegende Pflegereform im Herbst neu zu starten. Bis dahin soll auch klar sein, wie sich die Coronapandemie auf die Sozialkassen auswirkt.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz mahnte Tempo an. „Pflege macht arm. Das ist seit Jahren bekannt“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. „Viele der 818.000 Heimbewohner gehen finanziell schon lange auf dem Zahnfleisch.“ Berechtigte Lohnsteigerungen in der Altenpflege könnten von Pflegebedürftigen nicht mehr getragen werden. Spahns Zögern sei deshalb unerklärlich.

Der Grünen-Sprecherin für Alten- und Pfelepolitik Kordula Schulz-Asche zufolge werde die Pflegeversicherung dem Anspruch gesellschaftlicher Solidarität der Versichertengemein­schaft immer weniger gerecht.

In Zeiten des demografischen Wandels stelle die Reform der Pflegeversicherung mit einer soliden, gerechten Finanzierung notwendiger Pflege eine gewaltige Herausforderung dar, die ein breites politisches und gesellschaftliches Zusammenwirken braucht. Deshalb sei es nur schwer nachvollziehbar, warum Gesundheitsminister Spahn noch immer keinen Vorschlag vorgelegt habe. © dpa/aha/aerzteblatt.de

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