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Medizin

Cannabisabhäng­igkeit: Cannabidiol kann Abstinenz erleichtern

Dienstag, 18. August 2020

/dpa

Bath/England – Eine Behandlung mit Cannabidiol, einem nicht psychoaktiven Bestandteil der Cannabis-Pflanze, kann Patienten mit einer Cannabis-Abhängigkeit den Verzicht auf die Droge erleichtern, wie die Ergebnisse einer Phase-2-Studie in Lancet Psychiatry (2020; DOI: 10.1016/S2215-0366(20)30290-X) zeigen.

Die Legalisierung von Cannabis hat zu einer Zunahme des problematischen THC-Konsums geführt, der zu Abhängigkeit führen kann. Zu den Kriterien der „cannabis use disorder“ gehört ein Konsum der Droge über mindestens 1 Jahr sowie verschiedene Suchtmerkmale wie ein beständiges Craving, Entzugssymptome, Toleranz, negative Auswirkungen auf Sozialleben und schulische und berufliche Leistungen.

Vielen wird die Substanzabhängigkeit erst bewusst, wenn sie bei dem Versuch, den Konsum einzuschränken, gescheitert sind. Lebensgefährliche Krisen wie bei der Opiat­sucht treten nicht auf, Psychiater warnen jedoch vor einem deutlich erhöhten Risiko von Psychosen.

Einen einfachen Weg aus der Cannabis-Abhängigkeit gibt es nicht. Die wenigen Therapiezentren setzen in der Regel auf eine Psychotherapie. Britische Psychiater haben jetzt erstmals in einer randomisierten Studie die Wirksamkeit einer Behandlung mit Cannabidiol untersucht.

Cannabidiol, auch bekannt als CBD, ist ein natürlicher Bestandteil der Cannabispflanze. Es erzeugt nach der oralen Einnahme ein Gefühl der Entspannung und Ruhe, es kommt aber nicht zu dem Hochgefühl („high“), das mit dem Konsum von Haschisch oder Marihuana verbunden ist und vor allem durch Tetrahydrocannabinol (THC) ausgelöst wird. Wegen der fehlenden Drogenwirkung wird CBD in vielen Ländern legal in Ölen, Kapseln, Cremes, Tee und anderen Produkten verkauft.

An der Studie nahmen 82 Personen teil, die sich auf Anzeigen in Printmedien und im Internet gemeldet hatten, weil sie ihren Cannabis-Konsum als problematisch einstuften. Bei allen wurde eine „cannabis use disorder“ von mindestens mäßigem Schweregrad diagnostiziert, was bedeutet, dass sie mindestens 4 von 11 DSM-5-Kriterien für eine Substanzabhängigkeit erfüllten. Alle hatten den Wunsch, innerhalb des nächsten Monats aufzuhören, und alle hatten dies zuvor mindestens einmal erfolglos versucht.

Den Teilnehmern wurde eine 4-wöchige Behandlung mit CBD angeboten, wobei das Los über die Dosis oder die Zuteilung zu einer Placebo-Gruppe entschied. Allen Teilnehmern wurden im Verlauf der 4-wöchigen Studie zusätzlich Beratungsgespräche angeboten, die ihnen helfen sollten, auf den Konsum von Cannabis zu verzichten.

Der primäre Endpunkt der Studie war der Verzicht auf den Cannabiskonsum, der durch wöchentliche Urinproben auf THC sowie durch eine Befragung ermittelt wurde.

Die ersten Patienten wurden auf Placebo oder täglich 200 mg, 400 mg oder 800 mg CBD randomisiert. Als sich herausstellte, dass die Dosis von 200 mg keine Wirkung erzielte, wurden nur die Tagesdosen von 400 mg und 800 mg CBD mit Placebo verglichen.

Beide Dosierungen erwiesen sich als wirksam. Wie Tom Freeman von der Universität Bath und Mitarbeiter berichten, verringerte sich der THC-Spiegel im Urin unter der Dosis von 400 mg um 94,21 ng/ml. Die Zahl der Tage ohne Cannabiskonsum nahm um 0,45 pro Woche zu. Unter der höheren Dosierung war die Wirkung etwas schwächer der THC-Spiegel im Urin verminderte sich um 72,02 ng/ml und die Zahl der Abstinenztage stieg nur um 0,27 pro Woche.

Warum die höhere Dosis eine schwächere Wirkung erzielte, ist unklar. Nicht auszu­schließen ist, dass dies an der insgesamt geringen Teilnehmerzahl lag, die noch keine endgültige Bewertung der Behandlung ermöglicht.

Ein Ziel der Studie, die Prüfung der Verträglichkeit, wurde jedoch erreicht. Die Forscher beobachteten keinen Unterschied in den Nebenwirkungen zwischen den beiden CBD-Dosierungen und der Placebogruppe. Insgesamt 77 der 82 Teilnehmer beendeten die Behandlung. Die übrigen brachen die Behandlung vermutlich nicht wegen der Neben­wirkungen ab, sondern weil sie das Interesse an der Studie verloren hatten. © rme/aerzteblatt.de

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