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Ärzteschaft

Fachgesellschaften für Intensivierung der Schlaganfalls­forschung

Freitag, 31. Juli 2020

/psdesign1, stock.adobe.com

Berlin – Die Forschung zur Frührehabilitation nach einem Schlaganfall muss intensiviert werden. Dafür haben sich Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) ausgesprochen. Sie hoben die große Bedeutung der Früh­rehabilitation nach einem Schlaganfall hervor.

Hintergrund sind zwei randomisierte, placebokontrollierte Studien zu Fluoxetin, die laut DGN und DSG nach einem Schlaganfall nicht zur Verbesserung funk­tioneller Fähigkeiten beigetragen hatten, aber zu Nebenwirkungen.

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Der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Fluoxetin wird eigentlich zur Behand­lung von Depressionen eingesetzt. 2011 hatte eine randomisierte französische Studie an mehr als 100 Patienten mit schwerer halbseitiger Lähmung gezeigt, dass die Substanz womöglich die motorische Erholung von Schlaganfallpatienten verbessern könne.

Die Forscher hatten ihre Vermutung durch Studien untermauert, wonach Fluoxetin nach einer Durchblutungsstörung des Gehirns unter anderem die Entzündungsreaktion be­grenzen kann und zudem die Entstehung neuer Nervenzellen anrege. Sie schlossen da­raus, dass Fluoxetin die Reparatur neurologischer Schäden im Gehirn fördern könnte.

Diese Hypothese haben nun zwei Studien aus Schweden („The Efficacy oF Fluoxetine—a randomisEd Controlled Trial in Stroke”/EFFECTS) sowie Australien, Neuseeland und Viet­nam (Assessment oF FluoxetINe In sTroke recovery”/AFFINITY) entkräftet.

Beide konnten mittels modifizierter Rankin-Skala (mRS) bei den Schlaganfallpatienten keine nennenswerten funktionellen Verbesserungen feststellen, beobachteten unter der Studiensubstanz aber mehr Stürze, Knochenbrüche, epileptische Anfälle und Hypo­natriä­mien.

„Die Ergebnisse beider Studien sind sehr konsistent. Beide zeigten keine Wirkung, aber ein ähnliches Nebenwirkungsprofil“, resümiert DGN-Pressesprecher Hans-Christoph Die­ner. So hätten die Studien eine 2,5 bis 3-fach höhere Frakturrate ermittelt.

In der schwedischen Studie war zudem die Hyponatriämie um den Faktor 10 erhöht, in der ozeanischen die Inzidenz von epileptischen Anfällen um den Faktor 5. „Unterm Strich schadet die Gabe von Fluoxetin bei Schlaganfallpatienten also mehr als sie nützt“, so Diener.

Angesichts dieser „enttäuschenden Ergebnisse“ forderten die Fachgesellschaften, die For­schung im Bereich der Schlaganfallrehabilitation zu erweitern und zu vertiefen. Schließ­lich zähle die Verbesserung der Regeneration nach einem Schlaganfall aktuell zu den wichtigsten therapeutischen Zielen in der Schlaganfallbehandlung.

„Nur durch mehr Forschung können erfolgversprechende Konzepte wie medikamentöse Therapien, Stimulationsverfahren oder Verfahren der virtuellen Realität den Durchbruch schaffen“, unterstrich Wolf-Rüdiger Schäbitz, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. © hil/sb/aerzteblatt.de

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