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Politik

Diskussion um Digitalisierung: Industrie fordert aktive Beteiligung

Freitag, 31. Juli 2020

/pixtumz88, stockadobecom

Berlin – Der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) kritisiert „das offensive Auftreten des KV-Systems gegenüber Gesetzgeber und Industrie“. Mit dem offenen Brief an Bundesge­sundheitsminister Jens Spahn (CDU) würden die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) die gezielte Konfrontation suchen.

„Es ist bedauerlich, dass die KBV gemeinsam mit allen 17 KVen in einem Rundumschlag fast alle für eine erfolgreiche Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems notwen­digen Akteure vor den Kopf stößt“, sagte heute Sebastian Zilch, Geschäftsführer des bvitg.

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Eigentlich müsse die Ärzteschaft zu den stärksten Verfechtern der Digitalisierung gehören und sich nicht derart dagegenstellen.

Mit den im Schreiben enthaltenen Forderungen lasse das KV-System einen „schwelenden Konflikt mit der Industrie weiter eskalieren“. Der formulierte Anspruch der KBV, rechtliche und wirtschaftliche Möglichkeiten zur Entwicklung eigener IT-Lösungen zu erhalten, werde von der Industrie vehement abgelehnt.

„Solch ein Ansinnen steht im Widerspruch zur Aufgabe des KV-Systems. Der Sicherstell­ung­­sauftrag beinhaltet nicht, eigene Software herzustellen“, so Zilch. Ein Produkt zu ent­wickeln, dieses zuzulassen und sogar die Regeln für die Zulassung festzulegen, eliminiere eine unabhängige Qualitätskontrolle.

In dem Schreiben hatten KBV und KVen unter anderem gefordert, dem KV-System die Möglichkeit zu geben, industrieunabhängig eigene Lösungen für den PVS/TI-Bereich zu entwickeln und den Mitgliedern der KVen zur Verfügung stellen zu können.

Der bvitg und seine Mitglieder stünden nach wie vor für einen konstruktiven Austausch zur Verfügung, betonte Zilch. „Wir wünschen und fordern diesen Dialog auf Augenhöhe, um auch zukünftig Ärzteschaft und Patienten die bestmöglichen Lösungen in einem freien Markt anbieten zu können.“ © aha/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Sonntag, 2. August 2020, 22:58

"Konstruktiver Dialog auf Augenhöhe"

Ja,mei, toller Gebrauch von gängigen Floskeln ... die was beweisen?
Meinungsaustausch allerorten verdeckt über Bande, keiner traut sich "Tacheles zu reden", das wird als destruktive Unart angesehen.
Wie lange will man das so fortsetzen?
Avatar #88767
fjmvw
am Freitag, 31. Juli 2020, 18:05

Mir kommen die Tränen in die Augen – die Industrie beklagt sich darüber,

dass „fast alle für eine erfolgreiche Digitalisierung des deutschen Gesundheitssystems notwendigen Akteure vor den Kopf“ gestoßen werden.

Kein Wort darüber, dass die Industrie die Ärzteschaft seit vielen Jahren vorsätzlich missbraucht, um ihre völlig unausgereiften, ungeeigneten und völlig überteuerten Produkte in die ambulante Versorgung zu drücken.

Wenn im Übrigen nicht einmal der Geschäftsführer des bvitg den Begriff Digitalisierung richtig verwendet, sollte sich jeder Arzt fragen, was die Industrie im Schilde führt. Denn die ambulante Gesundheitsversorgung ist hoch digitalisiert, zumindest da wo es Sinn macht. Allerdings sind die Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten nur in seltensten Fällen freiwillig vernetzt. Falls es jemanden interessiert, warum die Praxen auf der einen Seit weitestgehend digitalisiert und auf der anderen Seite so gut wie nicht vernetzt sind, die Antwort ist einfach:

Die Praxen haben von der Vernetzung keinen Mehrwert. Und wenn ein Produkt dem potenziellen Kunden keinen Mehrwert verschafft, dann scheitert das Produkt.

Also Herr Zilch, stellen Sie attraktive Produkte vor, die den Praxen einen entsprechenden Mehrwert verschaffen, dann wird das mit der Vernetzung von ganz alleine klappen. Sollten Sie das nicht zu bieten haben, und danach sieht es derzeit aus, dann wird es mit der Vernetzung der Ärzteschaft, zudem noch gegen deren Interessen, schwer werden.

------

Die Perspektive, dass die Ärzte die Industrie vor den Kopf stößt und nicht umgekehrt, hat was. Übersetzt für Klein-Erna: Ein potenzieller Kunde, der die Bäckerei wegen der unzureichenden Qualität der Backwaren bei gleichzeitig völlig überzogenen Preisen nicht aufsucht, trägt die Schuld daran, dass der Bäcker nicht so viel Geld verdient, wie er möchte.
;-)
LNS

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