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Medizin

T-Zellen gegen saisonale Coronaviren erkennen auch SARS-CoV-2

Freitag, 31. Juli 2020

/psdesign1, stock.adobe.com

Berlin – T-Zellen können nach Kontakt zu saisonalen humanen Coronaviren auch Struk­tu­ren des SARS-CoV-2-Virus erkennen. Das legt eine Studie der Universitätsklinik Tübingen nahe, die Mitte Juni als Vorveröffentlichung erschienen ist (DOI: 10.21203/rs.3.rs-35331/v1).

Vorangegangene Arbeiten mit SARS-CoV-1 hätten gezeigt, dass eine antikörper­vermitt­el­te Immunität nur von kurzer Dauer sei, schreiben die Autoren. Der zellulären Immunant­wort käme daher wahrscheinlich auch bei SARS-CoV-2 eine große Bedeutung zu. Neuere Studien ließen zudem eine Kreuzreaktivität von T-Zellen vermuten.

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Die Wissenschaftler identifizierten nun erstmals 120 virale Peptidketten aus dem Genom von SARS-CoV-2, deren Präsentation an HLA-Rezeptoren eine T-Zell-Immunantwort aus­lösten, sogenannte Epitope.

Die Forscher verglichen dafür Blutproben von 180 Personen, die eine SARS-CoV-2-Infek­tion ohne stationäre Behandlung durchgemacht hatten, mit 185 Blutproben aus der Zeit vor der Pandemie.

Aus der Vielzahl der erkannten Epitope stellten sie 2 unterschiedliche Kompositionen zusammen. Die erste dieser Gruppen enthielt SARS-CoV-2-spezifische Epitope, die nur von T-Zellen erkannt wurden, die bereits Kontakt zu SARS-CoV-2 gehabt hatten.

Eine zweite Epitop-Komposition enthielt ausschließlich kreuzreaktive Peptidketten von SARS-CoV-2, die also auch von vorher nicht exponierten T-Zellen erkannt wurden. Einige davon zeigten Ähnlichkeiten mit Epitopen von 4 anderen humanen Coronaviren (HCoV-OC43, HCoV-229E, HCoV-NL63 und HCoV- HKU1).

Die Proben von Personen, die vorher an COVID-19 erkrankt waren, zeigten zu 100 % eine CD4- oder CD8-T-Zell-Antwort auf wenigstens eine der beiden Kompositionen.

Unter den nicht exponierten Proben zeigten 81 % eine T-Zell-Antwort auf die kreuz­reak­tive Epitopkomposition. Sie fiel geringer aus als bei den vorher exponierten Proben. Die SARS-CoV-2-spezifische Komposition löste hier keine Immunreaktion aus.

Die Forscher konnten darüber hinaus zeigen, dass die Intensität der T-Zell-Reaktion nicht mit der Schwere der COVID-19-Erkrankung korrelierte, wie es bei Antikörperreaktionen bekannt ist. Hingegen wurde beobachtet, dass die Diversität der Epitope, auf die die T-Zellen anspringen, einen Einfluss hat.

Je weniger SARS-CoV-2-Epitope also durch die T-Zellen erkannt wurden, desto schwerer war der COVID-19-Verlauf der Patienten, schlossen die Autoren.

Um diesen Zusammenhang genauer zu untersuchen und um festzustellen, ob die T-Zell-Reaktion mit den vielen weniger schweren Verläufen zusammenhängt, brauche es jedoch noch weitere Studien. © jff/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 1. August 2020, 21:38

Corona: Humorale und zelluläre Immunität

Mit AK-Tests werden für SARS-CoV-2-Infektionen/COVID-19-Erkrankungen typische IgM-, IgG- und selten IgA-Antikörper entsprechend validiert und auf Sensitivität und Spezifität untersucht im Patientenserum nachgewiesen. Zur Identifikation von immunspezifischen T-Zellen ist es jedoch noch ein weiter Weg. Für die Interpretation von humoraler u n d zellulärer Immunität sind medizinische, infektiologische und labortechnische Fachkenntnisse erforderlich.

Negative oder positive Testergebnisse

Wenn kein positives Ergebnis erscheint, hat der Patient entweder keine Antikörper, also keinen Kontakt mit SARS-CoV-2 gehabt. Er könnte aber ebenso hochinfektiös sein, weil er in der Frühphase der Erkrankung noch keine Antikörper gebildet hat und aufweisen wird. Dies ließe sich nur durch den spezifisch-aktuellen Erregernachweis mittels PCR erkennen/ausschließen, der nach durchschnittlich 10 Tagen auch wieder negativ werden kann.

Fällt der Test dagegen positiv aus, ist der Patient entweder noch hochinfektiös (PCR-Nachweis?), weil er sich in der Spätphase der akuten Erkrankung befindet. Oder er hat die COVID-19-Erkrankung schon durchgemacht, ist vermutlich immun bzw. hat kreuzreagierende Antikörper gegen andere Coronaviren.

Als da sind:
- SARS-CoV[-1] (severe acute respiratory syndrome coronavirus)
- MERS-CoV (Middle East respiratory syndrome coronavirus) und das derzeit besonders bekannte und aktuelle
- SARS-CoV-2 (severe acute respiratory syndrome coronavirus 2).

In einer in Amsterdam durchgeführten Studie wurde das Vorhandensein von einer eher harmlosen HCoV-NL63 Variante bei etwa 4,7 % der häufigsten Atemwegserkrankungen geschätzt. L. van der Hoek et al. "Human coronavirus NL63, a new respiratory virus" - In: FEMS Microbiology Reviews. 30, Nr. 5, September 2006, S. 760–773. doi:10.1111/j.1574-6976.2006.00032.x

HCoV-NL63 ist eines von 4 nur leichte Infektionen hervorrufenden, insgesamt sieben bekannten Vertretern der Coronaviridae, die den Menschen infizieren, darunter HCoV-229E, HCoV-OC43 und HCoV-HKU1.

Alle derzeit übereilt auf den Markt gebrachten Antikörper-Tests haben einen wesentlichen Makel: Sie sind für seriöse Evaluationen viel zu kurz in Gebrauch, um mögliche Fehl- und Kreuzreaktionen, Interaktionen bzw. Misinterpretationen mit den harmlosen Coronavirus-Varianten auszuschließen. Von daher ist ein relativer Schutz gegen SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen möglich, wenn früher schon Atemwegserkrankungen mit HCoV-NL63, HCoV-229E, HCoV-OC43 und HCoV-HKU1 durchgemacht wurden. Detail-Studien stehen dazu noch aus.

"SARS-CoV-2-reactive T cells in healthy donors and patients with COVID-19
von Julian Braun et al.
https://www.nature.com/articles/s41586-020-2598-9
und die hier im Deutschen Ärzteblatt vorgestellte Publikation sind dazu ein möglicher Anfang.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

PS. @ 1schwerdtfeger: Ihr "weil mit Angst und Panik gearbeitet wird,- und nicht durch Information und Aufklärung", diesen Unsinn glauben Sie ausgerechnet im Zusammenhang mit "Tröpfcheninfektion" und "Händewaschen" doch selbst nicht!
Avatar #553467
1schwerdtfeger
am Samstag, 1. August 2020, 01:10

Hände waschen

Corona ist eine Infektion, die zum weit überwiegenden Teil als Tröpfchen - Infektion übertragen wird. Warum steht dann Hände waschen als Nummer eins bei den Maßnahmen, die von den Menschen ergriffen werden?
Antwort : weil mit Angst und Panik gearbeitet wird,- und nicht durch Information und Aufklärung.
In Paniksituationen neigt der Mensch immer zu alt bekannten und bewährten Maßnahmen,- und Hände waschen kennt man, Abstand halten und Maske tragen ist jedoch neu.
LNS

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