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Medizin

Studie: Kleine Kinder haben mehr SARS-CoV-2 im Abstrich als Erwachsene

Montag, 3. August 2020

/Kunstzeug, stock.adobe.com

Chicago – Kinder erkranken bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 selten an COVID-19. Bei einer Infektion könnte die Konzentration der Virus-RNA in den Abstrichen jedoch ebenso hoch sein wie bei Erwachsenen. Bei Kindern unter 5 Jahren wurden in einer aktuellen Studie in JAMA Pediatrics (2020; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2020.3651) sogar weitaus höhere Konzentrationen gemessen.

Der Anteil von Kindern an der Ausbreitung von SARS-CoV-2 wird wegen der geringen Erkrankungszahlen bisher als niedrig eingestuft. Die Schließung von Schulen und Kinder­gärten ist deshalb umstritten. Die Erfahrungen mit Influenza-Viren zeigen jedoch, dass Kleinkinder ein wichtiger Überträger von Atemwegserkrankungen sein können.

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Dennoch gibt es bisher kaum Untersuchungen zur möglichen Verbreitung von SARS-CoV-2 durch Kinder. Eine auch international beachtete Ausnahme ist eine Untersuchung der Berliner Charité, die in einer Studie an 3.303 SARS-CoV-2-Infizierten (aller Alters­gruppen) zu dem Ergebnis kam, dass Kinder im Vorschulalter (0 bis 6 Jahre) bei einer Infektion in den Abstrichen zu 29 % Virus-Konzentrationen aufwiesen, die nach Einschätzung des Teams um Christian Drosten von der Berliner Charité ausreichen könnten, um das Virus weiter zu verbreiten. In den Altersgruppen 0 bis 19 Jahre und über 20 Jahre lagen 37 % und 51 % der Getesteten über der „kritischen“ Grenze.

Die Studie, die bisher nur auf einer Preprint-Platform publiziert ist, wurde in Deutschland kontrovers diskutiert. Jetzt kommt ein US-Team zu vergleichbaren Ergebnissen.

Die Infektiologin Taylor Heald-Sargent vom Ann & Robert H. Lurie Children’s Hospital in Chicago und Mitarbeiter haben die Konzentration von SARS-CoV-2 in Nasopharyngeal­abstrichen untersucht, die zwischen dem 23. März und dem 27. April an verschiedenen Stellen der Stadt bei Menschen aller Altersgruppen durchgeführt wurden.

Die Viruskonzentration wurde anhand der Zyklen abgeschätzt, die bei der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) bis zum Nachweis nötig waren. Ein geringer CT-Wert („cycle threshold“) zeigt hier eine hohe Konzentration der Virusgene im Abstrich an. Die Infektiologen haben die Studie auf Personen begrenzt, die leichte oder mittelschwere Symptome hatten.

Ergebnis: bei den 46 Kleinkindern unter 5 Jahren lag der CT-Wert median bei 6,5. Er war damit niedriger als bei den 51 Kindern im Alter von 5 bis 17 Jahren (CT-Wert 11,1) und den 48 Erwachsenen im Alter von 18 bis 65 Jahren (CT-Wert 11,0).

Da der CT-Wert eine logarithmische Dimension hat (bei jedem Durchgang der PCR kommt es zu einer Verdopplung der Genkopien), deutet der leicht verminderte CT-Wert auf eine deutlich höhere Konzentration von Virus-RNA (und damit wohl auch der Viren hin). Heald-Sargent schätzt, dass das Epithel der Kinder mit 10 bis 100 Mal mehr Viren befallen ist als bei Erwachsenen.

Dies deutet auf eine erhöhte Infektiosität von symptomatischen Kindern hin. Belegen ließe sich dies nur durch epidemiologische Studien – oder durch die Erfahrungen, die nach der Wiedereröffnung von Kitas und anderen Einrichtungen für kleine Kinder gemacht werden.

Die Aussagekraft der Studie wird durch die geringe Teilnehmerzahl eingeschränkt. Sie beantwortet auch nicht die Frage, ob von Kleinkindern, die keine Symptome haben, eine Gefahr ausgeht. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #796686
Sebastian Fiebiger
am Donnerstag, 6. August 2020, 21:29

Symptomatische Kinder

Es erschreckt mich, wie verzerrt die Ergebnisse dieser Studie in den Publikumsmedien wiedergegeben werden.

Umso mehr freut es mich, dass ihr auf die Details hinweist.

Man hat symptomatische Kinder ausgewählt. Das (Symptomatik) ist bei Kindern aber die Ausnahme. Meiner einer solchen Auswahl hat die Studie keine Aussagekraft über die Infektiösität von Kindern in der Breite.
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