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Ausland

Russland plant erste Impfungen gegen SARS-CoV-2 im Herbst

Montag, 3. August 2020

/picture alliance, Oxford University, AP

Nischni Nowgorod – Im Kampf gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 will Russland im Herbst mit Impfungen beginnen. Dies sei für Oktober geplant, sagte Ge­sund­heits­mi­nis­ter Michail Muraschko der Staatsagentur Tass zufolge vorgestern in Nischni Nowgorod. Zu­nächst sollten Ärzte und Lehrer geimpft werden, dann schrittweise der Rest der Bevölke­rung.

Die klinischen Tests des in Russland entwickelten Impfstoffes seien mittlerweile abge­schlossen, sagte Muraschko. Allerdings hatte der Ge­sund­heits­mi­nis­ter am 23. Juli der Agentur Interfax zufolge erst den Start einer Phase-3-Studie mit 800 Teilnehmern ange­kündigt.

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Der Impfstoff wurde vom staatlichen Gamalaja-Institut für Epidemiologie und Mikro­biolo­gie in Moskau entwickelt. Die Zulassung sei in Vorbereitung, sagte der Minister. Ein Da­tum nannte er nicht. Zuletzt war der 10. August als Termin im Gespräch. Russland wäre damit das erste Land, das einen Impfstoff zulässt.

Weltweit suchen mehr als 170 Projekte nach Coronaimpfstoffen – und mehrere Forscher­teams haben vielversprechende Zwischenergebnisse veröffentlicht. Allerdings rechnen Experten generell mit einem marktfähigen Impfstoff erst im kommenden Jahr. Laut einer Liste der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) sind derzeit fünf Impfstoffkandidaten in einer Phase-3-Studie – russische Präparate zählen nicht dazu.

Bislang keine wissenschaftlichen Daten veröffentlicht

Russland hat bislang auch keine wissenschaftlichen Daten zu seinem Impfstoff für eine unabhängige Bewertung veröffentlicht. Kremlchef Wladimir Putin hatte schon früh Druck bei der Entwicklung gemacht. Nach Angaben von Muraschko wird derzeit ein zweiter Impfstoff gegen das Virus SARS-CoV-2 klinisch getestet. Weitere sollen folgen.

Das Gamalaja-Institut hatte bereits im Mai mitgeteilt, einen Impfstoff entwickelt zu ha­ben. Nach eigener Darstellung liefen die Tests erfolgreich. Die Impfung habe eine Immu­nität gegen die Krankheit COVID-19 erzeugt – ohne negative Nebenwirkungen, hieß es. Das Präparat wurde demnach an 50 Soldaten getestet, die sich freiwillig gemeldet hätt­en. Die Wissenschaftler hatten es zuvor auch teils an sich selbst erprobt.

Das Tempo, mit dem Russland einen Coronaimpfstoff entwickelt haben will, wirft die Fra­ge auf, wie sicher und wirksam das Präparat ist. Nach früheren Angaben des Gesundheits­ministers soll die Produktion schon während der Phase-3-Studie beginnen. Außerdem wür­den dann bereits freiwillige Impfungen für besonders gefährdete Berufsgruppen an­ge­boten.

Muraschko betonte gestern im Staatsfernsehen, die Impfung werde kostenlos und frei­willig sein. „Wir sehen aber, dass das Interesse der Bevölkerung daran sehr hoch ist.“ Der­zeit lägen 3.100 Patienten wegen COVID-19 auf Intensivstationen.

Bislang sind die Russen angehalten, sich mit Masken und Abstand zu schützen. Nach An­gaben des Wissenschaftsministeriums gilt an den Universitäten im Wintersemester eine Maskenpflicht. Ausgenommen seien nur diejenigen, die mit einem Antikörpertest nach­wei­sen könnten, dass sie bereits eine Infektion hatten.

Russland hat nach offizieller Statistik landesweit mehr als 850.000 Coronainfektionen ver­zeichnet. Täglich kommen mehr als 5.000 neue Infektionen hinzu. Bis gestern starben nach offiziellen Angaben mehr als 14.100 Menschen mit dem Virus, mehr als 646.000 galten als genesen. Die meisten Infektionen gibt es in Moskau.

In der Hauptstadt öffneten vorgestern nach monatelanger Schließung wieder Kinos, Theater und Konzertsäle – allerdings muss jeder zweite Platz frei bleiben. Seit Mitte März hatte es keine Vorstellungen mehr gegeben. Auch einige internationale Flüge wurden wieder aufgenommen. Offen war zunächst, wann es wieder Direktflüge nach Deutschland gibt. © dpa/aerzteblatt.de

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