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Medizin

SARS-CoV-2: Mit feuchter Wärme lassen sich N95-Masken kostengünstig desinfizieren

Montag, 3. August 2020

/picture alliance, Zoonar, JIRI HERA

Toronto – Eine thermische Desinfektion, die an den meisten Kliniken kostengünstig durchgeführt werden kann, hat in einer kleinen experimentellen Studie im Canadian Medical Association Journal (2020; DOI: 10.1503/cmaj.201203) N95-Masken dekontaminiert, ohne strukturelle Schäden zu hinterlassen.

N95-Masken, die anders als eine chirurgische Gesichtsmaske den Träger vor einer Infektion schützen können, sind nur für die einmalige Anwendung zugelassen. Streng genommen müssten sie bei jedem neuen Patientenkontakt gewechselt werden, was derzeit nur selten möglich ist.

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Üblicherweise werden die Atemschutzmasken während einer gesamten Schicht getragen und bei einem Mangel auch wieder verwendet. Eine Aufbereitung der Masken scheitert daran, dass die Mikrofasern aus Polypropylen hitzeempfindlich sind. Eine Verformung, die bei über 130°C auftritt, kann jedoch zum Verlust der Schutzwirkung führen.

Als Notlösung hat die US-Arzneimittelbehörde FDA im April 2020 eine Gassterilisierung mit Wasserstoffperoxid zugelassen, die allerdings nur in speziellen Geräten möglich ist. Kanadische Forscher schlagen als Alternative eine thermische Desinfektion vor, bei der die Masken über 60 Minuten auf 70°C erhitzt werden.

Ein Team um Gregory Borschel vom Institute of Biomaterials and Biomedical Engineering an der Kinderklinik „SickKids“ in Toronto hat die thermische Desinfektion an 4 in Nord­amerika kommerziell erhältlichen N95-Masken (8110, 9105, 8210 und 1860 von 3M) erprobt.

Die Masken wurden in einem Warmhalteschrank für 1 Stunde bei 70°C gelagert, wobei die Luftfeuchtigkeit auf 0 %, 25 %, 40 % und 50 % eingestellt wurde. In einer fünften Versuchsreihe wurden die Masken mit 90°C und 70 % Luftfeuchtigkeit desinfiziert.

Das Coronavirus SARS-CoV-2, mit dem die Masken zuvor in einem Hochsicherheitslabor kontaminiert wurden, konnte in allen Versuchen, also auch bei 0 % Luftfeuchtigkeit, abgetötet werden. Eine Infektion von Vera-E6-Zellen gelang in keinem Fall.

Für eine Abtötung von E. coli musste dagegen die Luftfeuchtigkeit auf 50 % erhöht werden. Erst ab diesem Wert konnten nach der Desinfektion keine Bakterien mehr kultiviert werden.

Die strukturelle Integrität und Qualität der Masken hat laut Borschel auch nach 10-maliger Desinfektion nicht gelitten. Der Durchmesser der einzelnen Fasern hatte sich kaum verändert. Auch die Funktion der Atemschutzmasken war nicht beeinträchtigt. Alle Masken bestanden Tests mit einem Dichtsitzsprüfgerät. Die Filtrationswirkung war erhalten geblieben und der Atemwiderstand war nach den vorgestellten Daten nicht erhöht.

Die thermische Desinfektion von N95-Masken ist nach Einschätzung von Borschel eine kostengünstige und effektive Methode für Kliniken, die über keine Geräte zur Gassterili­sierung verfügen.

Die wichtigste Einschränkung ist die geringe Zahl von Versuchen. Bei den Tests mit dem Dichtsitzsprüfgerät hätten 155 statt 4 Masken pro Gruppe geprüft werden müssen, um eine Non-Inferiorität sicher nachweisen zu können. © rme/aerzteblatt.de

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