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Medizin

Stillen nach einer Narkose in der Regel sicher für den Säugling

Donnerstag, 20. August 2020

/Romanova Anna, stock.adobe.com

Bristol – Frauen, die sich während der Stillzeit einer Operation unterziehen müssen, könnten ihr Kind nach dem Aufwachen aus der Narkose ohne Pause weiter stillen. Zu diesem Ergebnis kommen britische Anästhesisten in einem Beitrag zu Anaesthesia (2020; DOI: 10.1111/anae.15179). Er wurde anlässlich der Weltstillwoche publiziert, die jedes Jahr in der ersten Augustwoche stattfindet.

Muttermilch gilt als die beste Nahrung für Säuglinge. Die Welt­gesund­heits­organi­sation rät allen Müttern, ihre Kinder in den ersten 6 Monaten komplett und danach bis zum 2. Lebensjahr teilweise zu stillen. Der Stillerfolg hängt davon ab, ob es der Mutter gelingt, durch frühzeitiges Anlegen des Kindes nach der Geburt die Milchproduktion anzuregen. Danach sollten Stillpausen nach Möglichkeit vermieden werden, da die Wiederaufnahme häufig misslingt.

Zu den Ereignissen, die die Kontinuität des Stillens stören, gehören Operationen und andere Ursachen für eine Anästhesie. Die dabei eingesetzten Medikamente stehen im Ruf, über die Muttermilch in den Körper des Säuglings zu gelangen und diesem Schaden zuzufügen. In einer häufigen Strategie wird die Muttermilch in den ersten Tagen nach der Anästhesie abgepumpt und verworfen.

Dieses „pumping and dumping“ ist laut einem Team um Mike Kinsella vom St Michael’s Hospital, Bristol, in der Regel nicht erforderlich. Denn die meisten in der Anästhesie eingesetzten Mittel würde nur in geringen Mengen in die Muttermilch gelangen oder sie würden vom Darm des Säuglings nicht resorbiert.

Unbedenklich sind laut Kinsella die intravenösen Anästhetika (einschließlich Propofol und Ketamin) wie auch die Narkosegase (von Sevofluran über Lachgas bis Halothan). Bei Sedativa sei dagegen Vorsicht geboten.

Nach der Einnahme von Diazepam gelangt der aktive Metabolit Desmethyldiazepam, der eine lange Halbwertszeit hat, in signifikanter Menge in die Muttermilch. Midazolam ist aus Sicht des britischen Anästhesiologen dagegen unbedenklich.

Einschränkungen gibt es bei Opioiden. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat 2017 vor dem Einsatz von Tramadol bei stillenden Frauen gewarnt. Kinsella hält den Einsatz für vertretbar, wenn der gestillte Säugling danach auf Zeichen einer vermehrten Schläfrig­keit hin untersucht wird.

Vorsicht geboten ist auch bei dem wirkstarken Hydromorphin. Die Ärzte verweisen auf einen Fallbericht, in dem ein 6 Monate alter gestillter Säugling eine Atemdepression entwickelte und mit Naloxon behandelt werden musste (Pediatric Emergency Care, 2019; DOI: 10.1097/PEC.0000000000001009).

Eine Kontraindikation besteht bei Codein, das im Körper in Morphin verwandelt wird. Wenn der Säugling zu den ultraschnellen Metabolisierern gehört, kann es zu toxischen Nebenwirkungen kommen. Die FDA und die europäische Arzneimittel-Agentur EMA betrachten Codein in der Stillzeit deshalb als kontraindiziert.

Vermieden werden sollte auch Acetylsalicylsäure (ASS) in therapeutischen Dosierungen, da es in höherer Konzentration in der Muttermilch enthalten ist mit dem Risiko eines Reye-Syndroms beim Säugling. Paracetamol gilt in der Schmerzbehandlung von stillenden Müttern als die sichere Alternative. © rme/aerzteblatt.de

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