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Politik

Kassen, Ärzte und Zahnärzte wollen PKV stärker in die Pflicht nehmen

Dienstag, 4. August 2020

/Koray, stock.adobe.com

Hamburg – Die private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) muss sich stärker an den Lasten der Coronapandemie beteiligen. Dafür haben sich Krankenkassen, Vertragsärzte und -zahn­ärzte in Hamburg heute ausgesprochen. Insbesondere kritisieren sie, dass den weitaus größten Teil der Gesundheitskosten bislang allein die gesetzlich Versicherten und ihre Arbeitgeber stemmen müssten.

„In der Krise stehen alle Akteure im Gesundheitswesen zusammen und beweisen, dass wir ein sehr leistungsfähiges und solidarisches Gesundheitswesen haben, auf das wir stolz sein können“, sagt die Leiterin der vdek-Landesvertretung, Kathrin Herbst, stellver­tretend für die Krankenkassen in Hamburg.

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Alle strengten sich an und stellten damit die notwendige Versorgung in Zeiten der Pande­mie sicher. Die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung habe sich in dieser Situation als „Anker der Stabilität erwiesen und schultert Ausgleichzahlungen und Kosten für zusätzliche Auf­wände“, so Herbst.

Umso bedauerlicher sei es, dass die privaten Krankenversicherer ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bisher nur teilweise gerecht würden. Als Beispiel führt sie die Schutzaus­rüstung an, an deren Finanzierung sich die PKV nur sehr unzureichend beteiligt.

Die Krankenkassen hätten es ermöglicht, dass Ärzte auch für PKV-Versicherte auf die von der GKV finanzierte Schutzausrüstung zurückgreifen konnten. Die GKV sei in Vorleistung gegangen und habe gesellschaftliche Verantwortung gezeigt. „Dass die PKV diese Kosten den gesetzlich Versicherten nicht erstatten will, ist laut Krankenkassen nicht tolerierbar.“

Kritik kommt auch von der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg. „Die erfolgreiche Eindämmung des SARS-CoV-2-Virus in Deutschland und in Hamburg ist wesentlich auf die ambulante ärztliche Versorgung zurückzuführen, die verhindert hat, dass Infizierte in das Krankenhaus gingen und dort für ‚Hotspots‘ sorgten“, sagte KVH-Chef Walter Plass­mann.

Um diese dezentrale Versorgung zu gewährleisten, habe in großer Schnelligkeit und häufig improvisiert gehandelt werden müssen. Das sei auch Privatversicherten zugute gekommen. Man habe „kein Verständnis“ dafür, dass die PKV ihren Anteil an den aufge­laufenen Kosten nicht tragen, sondern auf die Ärzte abwälzen wolle.

Die ablehnende Haltung der PKV, sich finanziell an dem Schutzschirm für Zahnärzte oder an der Ausstattung der Schwerpunktpraxen für COVID-19-Erkrankte mit Schutzausrüstung zu beteiligen, sei mehr als enttäuschend, sagte Eric Banthien, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hamburg. „Wir erwarten hier mehr Engagement.“

Kritik an der PKV hatte es schon zuvor gegeben. So hatte die Vertre­ter­ver­sammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) die PKV am 12. Juni aufgefordert, sich stärker als bisher an den co­ronabedingten Mehrkosten der Praxen zu beteiligen.

Die PKV hatte zuletzt auf ihre Leistungen hingewiesen. Insgesamt trügen die PKV-Unter­nehmen und die Beihilfe eine Milliarde Euro zur me­­dizi­nischen Bewältigung der Corona­pandemie bei. © may/EB/aerzteblatt.de

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