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Bestimmte Patienten mit Lungenkrebs können von Brigatinib profitieren

Mittwoch, 5. August 2020

/psdesign1, stock.adobe.com

Köln – Der Tyrosinkinase-Inhibitor Brigatinib kann einen Vorteil für Patienten mit ana­plastischer-Lymphomkinase(ALK)-positivem, fortgeschrittenem, nicht kleinzelligem Lun­genkarzinom (NSCLC) bieten, die zuvor nicht mit einem ALK-Inhibitor behandelt wurden.

Das Ausmaß des Zusatznutzens gegenüber einer Behandlung mit dem Wirkstoff Crizotinib hängt aber wesentlich davon ab, ob die Patienten bereits Hirnmetastasen haben oder nicht. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Ge­sundheitswesen (IQWiG) in einer frühen Nutzenbewertung.

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Die IQWiG-Wissenschaftler werteten Daten einer Studie namens „ALTA-1L“ für ihre Bewer­tung aus. Sie vergleicht die Wirkstoffe Brigatinib mit Crizotinib. In die Studie wurden er­wachsene Patienten mit ALK-positivem, lokal fortgeschrittenem, rezidivie­rendem oder metastasiertem NSCLC eingeschlossen.

Die Tyrosinkinase ALK ist bei diesen Lungenkrebspatienten überaktiv und führt zu Wachs­tum und Vermehrung der Krebszellen. Eine systemische Vortherapie zur Behand­lung der fortgeschrittenen oder metastasierten Erkrankung war für den Studienein­schluss erlaubt – jedoch nicht eine Vortherapie mit einem Tyrosinkinase­inhibitor.

275 Patienten wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert entweder einer Behandlung mit Bri­gatinib (N = 137) oder mit Crizotinib (N = 138) zugeteilt. Primärer Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben. Patientenrelevante sekundäre Endpunkte waren Ge­samtüberleben, Endpunkte zur Symptomatik sowie gesundheitsbezogene Lebens­qualität und unerwünschte Ereignisse.

Für den Endpunkt Gesamtüberleben ergab sich für Patienten mit Hirnmetastasen zu Stu­dienbeginn ein Hinweis auf einen Zusatznutzen von Brigatinib im Vergleich zu Crizotinib. Für Patienten ohne Hirnmetastasen zu Studienbeginn zeigt sich dagegen kein Zusatz­nut­zen.

Für die Skalen globaler Gesundheitszustand und emotionale Funktion zeigte sich jeweils ein statistisch signifikanter Unterschied zum Vorteil von Brigatinib im Vergleich zu Cri­zotinib. „Daraus ergibt sich für diese beiden Endpunkte jeweils ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen von Brigatinib im Vergleich zu Crizotinib“, berichten die Wissen­schaftler.

Für den Endpunkt „Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse“ zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen. „Es liegt jedoch eine Eff­ekt­modifikation durch das Merkmal Alter vor. Daraus ergibt sich für Patienten < 65 Jahren ein Anhaltspunkt für einen geringeren Schaden von Brigatinib im Vergleich zu Crizotinib“, so die IQWiG-Wissenschaftler.

In ihrem Fazit bewerten die Wissenschaftler den Effekt von Brigatinib im Vergleich zu Cri­zotinib getrennt für die Patientengruppen mit Hirnmetastasen zu Studienbeginn und oh­ne Hirnmetastasen. „Insgesamt überwiegen die positiven Effekte und es ergibt sich daher für Patienten mit Hirnmetastasen zu Studienbeginn ein Hinweis auf einen geringen Zu­satz­nutzen von Brigatinib im Vergleich zu Crizotinib“, lautet das Abschlussurteil der Wissenschaftler.

Auch für Patienten ohne Hirnmetastasen zu Studienbeginn überwiegen laut den Wissen­schaftlern insgesamt die positiven Effekte, allerdings mit einer geringeren Aussagesicher­heit im Vergleich zu Patienten mit Hirnmetastasen zu Studienbeginn. Sie vergeben daher für diese Patientengruppe einen „Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen von Bri­gatinib im Vergleich zu Crizotinib“. © hil/aerzteblatt.de

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