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Medizin

Vitamin D kann Depressionen bei Erwachsenen in großer Studie nicht verhindern

Donnerstag, 6. August 2020

/dpa

Boston – Obwohl mehrere Beobachtungsstudien auf ein erhöhtes Risiko von Depres­sionen bei Menschen mit Vitamin D-Mangel hingewiesen haben, blieb die Behandlung mit dem sogenannten Sonnenhormon in einer randomisierten klinischen Studie unwirksam, wie die jetzt im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; DOI: 10.1001/jama.2020.10224) publizierten Ergebnisse zeigen.

Wegen des niedrigeren Stands der Sonne und des häufigen Aufenthalts in geschlossenen Räumen leiden viele Menschen in höheren Breitengraden unter einem Vitamin D-Mangel. Das Vitamin ist zwar primär für die ausreichende Versorgung des Knochens mit Kalzium zuständig, wo es im Alter einer Osteoporose vorbeugen kann. Die Einahme von Vitamin D soll darüber hinaus jedoch noch weitere günstige Wirkungen haben.

In der Diskussion war beispielsweise ein Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Die US-National Institutes of Health hatten dazu eine größere randomisierte Studie (VITAL) mit 25.000 Erwachsenen durchgeführt – mit enttäuschendem Ergebnis.

In der im November 2018 veröffentlichten Studie kam heraus, dass die Einnahme von täglich 2.000 IE Vitamin D3 (Cholecalciferol) über 5,3 Jahre Erwachsene im Alter von über 50 Jahren weder vor Krebs noch Herz-Kreislauf-Erkrankungen geschützt hat. Das traf auch auf die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren zu, die ebenfalls in der Studie untersucht wurde.

Die Teilnehmer der VITAL-Studie waren zu Beginn der Studie nach psychischen Erkran­kungen befragt worden. Sie hatten außerdem den Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-8) ausgefüllt, der sich nach depressiven Störungen erkundigt.

Diese Befragungen wurden im Verlauf der Studie jährlich wiederholt. Olivia Okereke vom Massachusetts General Hospital in Boston und Mitarbeiter konnten deshalb ermitteln, wie häufig es unter der Einahme von Vitamin D oder Placebo zu depressiven Störungen gekommen ist. Die Analyse wurde auf die 18.353 Teilnehmer beschränkt, die zu Beginn der Studie keine Hinweise auf depressive Störungen hatten.

Die VITAL-DEP-Studie hatte 2 primäre Endpunkte. Zum einen war dies die Diagnose einer Depression oder eine klinisch relevante Verschlechterung im PHQ-8. Eines der beiden Ereignisse trat nach den jetzt vorgestellten Ergebnissen in der Vitamin D3-Gruppe bei 609 Patienten auf gegenüber 625 Ereignissen in der Placebogruppe.

Okereke ermittelt eine Inzidenz von 12,9 gegenüber 13,3 Ereignissen auf 1.000 Personen­jahre. Die Hazard Ratio von 0,97 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,87 bis 1,09 nicht signifikant. Auch im zweiten primären Endpunkt, der Veränderung des PHQ-8, gab es keine Unterschiede. Das Ergebnis des Tests veränderte sich in beiden Gruppen kaum.

Die Differenz zwischen beiden Gruppen von 0,01 Punkten bei möglichen Ergebnissen im Test von 0 bis 14 Punkten war minimal und mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 0,04 bis 0,05 nicht signifikant. Ebenso gab es keine Unterschiede in der Gesamt­zahl der Depressionen einschließlich der Neuerkrankungen und Rezidive.

Auch bei den Teilnehmern, die zu Beginn der Studie einen Vitamin D3-Mangel (unter 20 ng/ml) hatten, war kein Vorteil erkennbar. Die Teilnehmer, die Vitamin D3 einnahmen, erkrankten sogar tendenziell häufiger als die Teilnehmer der Placebo-Gruppe (Hazard Ratio 1,25; 0,84 bis 1,89).

Das weite 95-%-Konfidenzintervall erklärt sich aus der Tatsache, dass nur relativ wenige Teilnehmer (11,6 % der Gesamtgruppe) einen Vitamin D-Mangel hatten. Da die Teil­nehmer nicht von Ärzten untersucht worden waren, ist es auch möglich, dass nicht alle Erkrankungen erkannt wurden (was aber für beide Gruppen der Studie gilt).

Es ist unwahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren eine ähnlich große Studie an Menschen mit nachgewiesenem Vitamin D-Mangel wiederholt wird.

Das Null-Ergebnis der Studie deckt sich zudem mit den Erfahrungen aus 12 von 13 früheren Studien, in denen Vitamin D3-Supplemente ebenfalls keinen Einfluss auf Depressionen oder mentale Störungen hatten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #767305
Pelemele
am Mittwoch, 26. August 2020, 20:08

2000 i. E.

Natürlich ist das die Dosis. Sicher bleiben, dass auf keinen Fall positive Ergebnisse erzielt werden. Ginge viel Geld verloren, wenn man herausbekommen würde, dass ca. 10000 i. E. Menschen erst gesund macht respektive der Spiegel im Blut bei +/- 80 ist. Wieviel Patienten gäbe es dann wohl weniger? Und wieviel weniger Geld würde verdient? Das sind die Gründe für die im Artikel beschriebenen Ergebnisse.
Avatar #687320
Nicolai Worm
am Freitag, 7. August 2020, 12:15

Nach Gewebespiegeln auswerten!

Die Teilnehmer der VITAL-Studie hatten bereits vor Studienbeginn bzw. vor der VitD-Intervention im Durchschnitt einen 25OHD-Spiegel von knapp 30 ng/ml! Wenn Probanden bereits ausreichend versorgt sind, kann man auch keine Effekte der VitD-Gabe erwarten. Da würde es Sinn machen nach individuellen Gewebespiegeln auszuwerten und nicht nach Verum vs Placebo. Warum wird in der Berichterstattung über dieses gravierende methodische Manko nicht berichtet?
Avatar #790904
Christian Leppla-Zei
am Freitag, 7. August 2020, 09:51

Dosierung zu nierdrig

Schließe mich Asanga klar an. 2000IE/d decken laut Dr. von Helden und anderen Fachleuten gerade mal den täglichen Bedarf von 30kg KG. Um zügig auf ein gutes Level zu kommen, sind 20.000IE/Tag über 1-3 Wochen(gewichtsabhängig!) von Nöten - schnell und effektiv.

Hier ein Link zu einer Studie, die bei 10.000IE/Tag nach 3 Monaten zu einer sehr guten Genregulation/Modulation führte (1500 Gene). Bei geringeren Dosierungen/niedrigeren Blutleveln wurden auch deutlich weniger Gene reguliert(300-500)...

https://www.nature.com/articles/s41598-019-53864-1

The current clinical trial was designed to evaluate the responsiveness of different doses of vitamin D supplementation (600 IU/d, 4,000 IU/d and 10,000 IU/d) on serum calcium, PTH and broad gene expression in white blood cells. Our previous study supported the theory that higher doses of vitamin D could have important biologic functions at least on the immune cells8. The hypothesis that was tested was that as serum concentration of 25(OH)D increased as a result of vitamin D supplementation that there would be a significant decline in PTH levels.

Avatar #800380
Asanga
am Donnerstag, 6. August 2020, 18:56

Dosierung

Die Gabe von 2000 IE Vitamin D ist viel zu niedrig, um einen zu geringen Vitamin D Spiegel zu erhöhen. Kein Wunder, dass sich kein Effekt nachweisen ließ. Dass Vitamin D essenziell ist, zeigt auch, dass der Körper bei einem Sonnenbad bis zu 20.000 IE Vitamin D täglich bilden kann. Allein dass der Körper dazu in der Lage ist, zeigt, dass er hohe Dosen braucht und verträgt. Studien wie die genannten sind somit m.E. wertlos.
LNS

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