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Kinderkliniken: Auch Intensivmediziner für neues Abrechnungssystem

Donnerstag, 6. August 2020

/Nutthavee, stock.adobe.com

Berlin – Die Stimmen für eine Reform der Abrechnung von stationären pädiatrischen Leistungen mehren sich: „Wir behandeln immer mehr Kinder, bekommen aber immer weniger Geld – das muss sich jetzt ändern“, forderte Florian Hoffmann, Präsidiums­mit­glied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) sowie Sprecher der DIVI-Sektion „Pädiatrische Intensiv- und Notfallmedizin“.

Laut der Fachgesellschaft stecken Deutschlands Kinderkliniken in einem Dilemma: Das aktuell gültige Abrechnungssystem nach Fallpauschalen funktioniere in der Pädiatrie nicht, weil die Behandlung von Kindern einen deutlich höheren personellen, technischen und zeitlichen Aufwand erfordere als jene von Erwachsenen.

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„Dieses breite Anforderungsspektrum zeigt sich auch darin, dass der Pädiatrie circa 400 bis 500 Fallpauschalen zugeordnet sind, der Erwachsenenmedizin durchschnittlich 200“, sagte Axel Hübler, ebenfalls Mitglied des DIVI-Präsidiums und ehemals langjähriger Sprecher der DIVI-Sektion „Neonatologische Intensiv- und Notfallmedizin“.

Besonders dramatisch ist laut der DIVI die Situation in der Kindernotfall- und Intensiv­medizin: Diese Spezialgebiete setzten qualifiziertes Personal in ausreichender Zahl sowie ein hohes Niveau der technischen Ausstattung voraus. Häufigkeit und Schweregrad der erkrankten Patienten seien aber nicht kalkulierbar.

„Damit ist die Kindernotfall- und Intensivmedizin im gegenwärtigen Vergütungssystem regelmäßig auf eine sogenannte Querfinanzierung durch andere Krankenhausbereiche angewiesen und muss darüber hinaus regelmäßig auf die personellen und technischen Ressourcen anderer Abteilungen zurückgreifen, also Mitarbeiter und Technik borgen“, erläuterte Hoffmann, der als Oberarzt auf der Interdisziplinären Kinderintensivstation am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München arbeitet.

„Der notwendige Versorgungsbedarf für kranke Kinder kann deshalb nicht mehr sicher und flächendeckend gewährleistet werden“, warnte er.

Die Fachgesellschaft hofft jetzt auf eine geplante Bundesratsinitiative für eine bessere Finanzierung von Kinder- und Jugendstationen in deutschen Krankenhäusern. „Seit Jahren haben Kinder- und Jugendkliniken insbesondere im ländlichen Raum finanzielle Schwie­rig­keiten“, sagte dazu die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), Ende Juli.

Die Fallpauschalen hätten sich in diesem Bereich nicht bewährt. Ein besseres Finanzie­rungs­system sei nötig, damit die klinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen sichergestellt werden könne, so Schwesig. © hil/aerzteblatt.de

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