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Medizin

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel: Vitamin D plus Kalzium senken Anfallsrate in Studie

Freitag, 28. August 2020

/Andrey Popov, stock.adobe.com

Seoul – Die tägliche Einnahme von Vitamin D und Kalziumkarbonat hat in einer randomisierten Studie die Zahl der Rezidive nach einer erfolgreichen Behandlung des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels gesenkt. Die Behandlung erzielte laut der Publikation in Neurology (2020; DOI: 10.1212/WNL.0000000000010343) bei Personen mit Vitamin D-Mangel die beste Wirkung.

Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPPV), an dem mit zunehmendem Alter bis zu 10 % der Bevölkerung leiden, wird durch Kristalle aus Kalziumkarbonat ausgelöst, die sich von den Sinneszellen des Gleichgewichtsorgans gelöst haben und in der Flüssigkeit des Vestibularapparats flottieren. Sie bilden dort manchmal Aggregate, die die Bogengänge verlegen können.

Dann kommt es bei bestimmten Lagerungen des Kopfes zu Schwindelattacken. Die meisten Patienten erholen sich spontan oder nach einem „Befreiungsmanöver“ (nach Epley oder Semont) beim Arzt oder auch in Eigentherapie. Bei vielen Patienten kommt es jedoch nach einiger Zeit zu einem Rezidiv.

Der Zusammenhang mit den „Kalkkörnern“ hat ein Team um Ji-Soo Kim von der Staatlichen Universität in Seoul auf die Idee gebracht, die Patienten mit Vitamin D und Kalziumkarbonat zu behandeln. Die Behandlung soll offenbar einen Abbau der Kristalle fördern.

Insgesamt 957 Patienten wurden nach einem erfolgreichen „Befreiungsmanöver“ auf zwei Gruppen randomisiert, einer Interventions- und einer Beobachtungsgruppe.

Bei den 445 Patienten der Interventionsgruppe wurde zu Beginn der Studie der Vitamin-D-Spiegel im Blut bestimmt. Dabei stellte sich heraus, dass 348 Teilnehmer einen Vitamin D-Spiegel von unter 20 ng/ml hatten, der allgemein als Mangel angesehen wird. Diese Teilnehmer wurden gebeten, ein Jahr lang ein täglich Nahrungsergänzungsmittel mit 400 IE Vitamin D und 500 mg Kalziumkarbonat einzunehmen. Die Teilnehmer ohne Vitamin D-Mangel erhielten kein Nahrungsergänzungsmittel.

Bei den 512 Personen in der Beobachtungsgruppe wurde der Vitamin-D-Spiegel nicht kontrolliert und sie erhielten auch keine Nahrungsergänzungsmittel.

Während der Behandlungsdauer von einem Jahr kam es in der Interventionsgruppe im Durchschnitt zu 0,83 BPPV-Rezidiven. In der Beobachtungsgruppe waren es dagegen im Durchschnitt 1,10 Attacken. Kim ermittelt eine relative Inzidenzrate von 0,76, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,66 bis 0,87 signifikant war. Die Behandlung hätte damit das Rezidivrisiko um 24 % gesenkt.

Bei den Teilnehmern, die mit einer Serumkonzentration von unter 10 ng/ml einen ausgeprägten Vitamin D-Mangel hatten, wurde die jährliche Rezidivrate um 45 % gesenkt. Bei den Teilnehmern mit einem Vitamin D-Spiegel von 10 bis 20 ng/ml kam es nur zu einem Rückgang um 14 %. In der Interventionsgruppe erlitten 38 % der Personen eine weitere BPPV-Episode, in der Beobachtungsgruppe waren es 47 %.

Die Studie war zwar randomisiert, aber nicht verblindet, da die Teilnehmer der Beobachtungsgruppe keine Tabletten erhielten. Nur die Auswerter der Ergebnisse wurden über die Zuordnung der Patienten im Unklaren gelassen.

Bei fehlender Verblindung der Patienten lässt sich ein Placebo-Effekt nicht ausschließen. Die Tatsache, dass sie eine Behandlung erhielten, könnte bei vielen Patienten dazu geführt haben, dass sie ihre Schwindelsymptome nicht mehr als therapierelevant einstuften. Dadurch könnte sich ein scheinbarer Nutzen ergeben haben. Andererseits ist die Behandlung kostengünstig und mit geringen Nebenwirkungen verbunden, und der niedrige Serumspiegel wäre ohnehin ein Argument für eine Substitution, meint Kim. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #714511
gehirnakrobatik
am Montag, 31. August 2020, 15:19

Therapiestudie einer Schwindelerkrankung ohne Verblindung?

Was soll der Unfug? Die Studie ist aufgrund der fehlenden Verblindung wertlos. Den Ausführungen des Kollegen Schaetzler kann man nur zustimmen.
Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 29. August 2020, 16:17

Diese Studie

bewegt sich auf dem wisenschaftlichen Niveau von tudien zur Wirksamkeit von Homöopathie, Akupunktur oder TCM: Aus Datenmüll wird trotz exakter Rechenmethoden "Wissenschaftsmüll".
Immer wieder fällt die Redaktion des DÄ auf solchen Unfug herein, der ungefiltert verbreitet wird.
Die "Vitamn-D-Lobby" hat offenbar gute Beziehungen ins DÄ...
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 29. August 2020, 12:17

Beobachtungsgruppe hatte mit Verumgruppe nichts mehr zu tun!

Wie sollen denn die Teilnehmer der Beobachtungsgruppe keinerlei Placebo-Tabletten erhalten haben, die Verum-Gruppe aber selbstverständlich doch, und angeblich wurden nur die Auswerter der Ergebnisse über die Zuordnung der Patienten im Unklaren gelassen? Dann ist doch diese Studie wegen zwar behaupteter, aber gar nicht erfolgter Randomisierung und fehlender Verblöd... äh Verblindung wissenschafts- und erkenntnistheoretisch völlig wertlos!

Wenn bei den 512 Personen in der Beobachtungsgruppe weder der Vitamin-D-Spiegel jemals durch Blutuntersuchungen kontrolliert, noch anderweitige Nahrungsergänzungsmittel gegeben wurden, ist mit dieser Gruppe ohne jegliche medizinische Zuwendung gar kein Vergleich mehr möglich.

Das erklärt natürlich auch, weshalb während der Behandlungsdauer von einem Jahr es in der Interventionsgruppe im Durchschnitt zu 0,83 BPPV-Rezidiven kam, während es in der Beobachtungsgruppe dagegen im Durchschnitt 1,10 Attacken waren. Kim et al. ermittelten in
"Prevention of Benign Paroxysmal Positional Vertigo [BPPV] with Vit D Supplementation: A Randomized Trial" von Seong-Hae Jeong, Ji-Soo Kim, Hyo-Jung Kim...Sooyeon Kim
First published August 5, 2020, DOI: https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000010343
eine relative Inzidenzrate von 0,76, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,66 bis 0,87 signifikant war. Die Behandlung hätte damit das Rezidivrisiko um 24 % gesenkt.

Das ist geradezu lächerlich und problemlos durch die intentionell vorausgeplante Unvergleichbarkeit beider Gruppen, einer mit und einer ohne jegliche Intervention, erklärt.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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