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Politik

Spahn: Gesundheitswesen kann mit 1.000 Neuinfektionen am Tag umgehen

Freitag, 7. August 2020

/picture alliance, AP, Markus Schreiber

Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat nach dem jüngsten Anstieg der Neu­infektionen mit SARS-CoV-2 klargemacht, dass er derzeit keine kritische Schwelle über­schritten sieht.

„Im Moment sind wir in jedem Fall noch in einer Größenordnung, mit der das Gesund­heitswesen und der öffentliche Gesundheitsdienst umgehen kann“, sagte der CDU-Poli­tiker gestern dem ZDF-„Heute Journal“.

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„Wenn wir uns jetzt stabilisieren auf einem bestimmten Niveau, dann können wir damit umgehen. Wenn die Zahlen weiter steigen, dann kommt es auf uns alle an, im Alltag auf­einander zu achten und eben weitere Maßnahmen tatsächlich auch nicht nötig zu ma­chen.“

Zuletzt hatte das das Robert-Koch-Institut (RKI) erstmals seit drei Monaten mehr als 1.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert. Die Gesundheitsämter in Deutsch­land meldeten dem RKI demnach 1.147 neue Coronainfektionen innerhalb eines Tages, wie es am frühen heutigen Morgen hieß.

Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland hat damit den höchsten Wert seit Anfang Mai erreicht. Bereits gestern lagen die Neuinfektionen mit 1.045 Corona-Fällen erstmals wie­der über der Schwelle von 1.000. Spahn hatte daraufhin erneut an die Bürger appelliert, die Hygieneregeln einzuhalten.

Die Schwelle von 1.000 neuen Fällen war zuletzt am 7. Mai überschritten worden. Danach war die Zahl in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigen die Werte wieder. Der Höhe­punkt bei den neuen Ansteckungen wurde Anfang April mit mehr als 6.000 erreicht.

Auf die Frage, ab wann wieder eine Art Lockdown notwendig wäre, unterstrich Spahn die Linie, im Fall der Fälle vor allem auf regionale Maßnahmen zu setzen. Er betonte, es ge­be nicht „die eine Zahl, auf die alles reduziert werden kann“. „Es gibt den Steigerungs­fak­tor – also um wie viel dynamischer wird das Infektionsgeschehen? Es gibt die absolute Zahl der Infektionen. Mit um die 1.000 Neuinfektionen pro Tag kann das Gesundheitswe­sen umgehen.“

Rufe nach strengerem Durchgreifen

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil forderte ein strengeres Durchgreifen gegen Men­schen, die gegen die Maskenpflicht verstoßen. „Diejenigen die leichtfertig keinen Ab­stand halten und die Maskenpflicht ignorieren, gefährden damit auch, dass Kinder wieder in die Schule gehen und Arbeitsplätze gesichert werden können“, er dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

„Das ist rücksichtlos und unverantwortlich. Dagegen müssen wir schärfer vorgehen.“ Er erwarte zum Beispiel von der Deutschen Bahn, dass sie die Maskenpflicht in ihren Zügen konsequent durchsetzt. Mehrere Bundesländer hatten zuletzt angekündigt, ihre Gangart gegen Maskenverweigerer zu verschärfen.

Mit Blick auf die gestiegenen Zahlen warnte Klingbeil: „Wenn wir nicht aufpassen, sind die Erfolge der letzten Monate im Kampf gegen Corona gefährdet.“ Alle müssten sich wei­ter an Maskenpflicht und Abstandsregeln halten. „Es ist im Interesse aller, dass Deutsch­land nicht in eine zweite Welle rutscht.“

Wiegen in falscher Sicherheit

Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesund­heits­d­ienstes, Ute Teichert, sagte in der ZDF-Sendung „Dunja Hayali“, bisher habe Deutschland die Krise gut geschafft. „Ich glaube aber, dass wir uns in einer falschen Sicherheit im Moment wiegen, dass wir einfach die Zeit etwas aus den Augen verloren und verpasst haben.“

Sie fügte hinzu: „Alle haben geglaubt, es kommt erst im Herbst – jetzt haben wir August und die Zahlen gehen hoch.“ Die Linke-Vorsitzende Katja Kipping äußerte sich in der Sendung kritisch zur deutschen Coronapolitik: „Ich glaube, wir haben zu schnell gelo­ckert“, sagte sie.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck zeigte sich dagegen nicht beunruhigt von der Zahl von mehr als 1.000 Neuinfektionen an einem Tag. „Zurzeit haben wir keine wesentliche Zunahme von schweren Coronafällen auf den Intensivstationen zu verzeichnen, obwohl seit gut einer Woche die Infektionszahlen gestiegen sind“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Streeck plädierte dafür, „souveräner“ mit dem Virus umzugehen. „Wir dürfen nicht bei jedem Anstieg der Infektionszahlen in Panik geraten.“ Das Virus werde bleiben. „Das Ziel ist und war es, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, und dass jeder die bestmög­liche Versorgung bekommt. Das ist ein realistisches Ziel.“

Die Krankenhäuser in Bayern sehen sich für künftige Ausbrüche gut gerüstet. „Wir haben zwar vereinzelt noch Coronapatienten, aber die Situation ist absolut beherrschbar und kein Vergleich zum Frühjahr“, sagte der Chef der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG), Siegfried Hasenbein, im Interview des Münchner Merkur.

„Ich bin kein Virologe: Aber ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt eine zweite Welle kommt. Jedenfalls nicht, wenn man darunter Infektionszahlen wie im Februar und März versteht. Das ganze Krisenmanagement hat ja deutlich an Erfahrung zugelegt.“

Auch die Krankenhäuser seien besser vorbereitet. „Vieles ist besser als im Frühjahr. Und schon damals war unser Gesundheitssystem ja nicht überlastet.“ Er sei darum „vorsichtig optimistisch“ – allerdings auch besorgt, „weil die Sensibilität und das Verantwortungs­be­wusstsein mancher Bürger nachlässt. Wir waren im Frühjahr sehr diszipliniert. Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass wir vergleichsweise glimpflich davongekommen sind“. © dpa/aerzteblatt.de

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Hortensie
am Samstag, 8. August 2020, 11:52

... und wenn die Fallzahlen weiter steigen, wird einfach weniger getestet

Denn weniger testen, senkt die Fallzahlen.
Wir dürfen doch nicht davon ausgehen, dass wir täglich nur rd 1000 Neuinfektionen haben?! Solange wir nicht dort testen, wo man mit positiven Fällen rechnen kann (z. B. beim medizinischen Personal im weitesten Sinne), in Betrieben mit mehr als 5 Mitarbeitern, etc.), so werden wir nie erfahren, wieviele Neuinfektionen wir täglich haben.
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