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Politik

Barmer weist auf Informationslücken bei Polypharmazie­patienten hin

Donnerstag, 13. August 2020

Polypharmazie, Arzneimittel, Quelle: /Robert Kneschke, stock.adobe.com

Berlin – Den Krankenhäusern liegen wichtige Informationen zur Medikation von insbe­sondere Polypharmaziepatienten oft nicht vor. Aber auch nach Entlassung aus der Klinik werden Patienten und weiterbehandelnde Ärzte oft nicht ausreichend über Therapieän­de­rungen informiert. Das sind zentrale Erkenntnisse aus dem heute vorgestellten Arznei­mittelreport der Barmer.

„Bei der Aufnahme ins Krankenkaus darf es keine Informationsdefizite zu Vorerkrankun­gen und bisher eingenommenen Arzneimitteln geben. Denn das kann die Patientinnen und Patienten schädigen und sogar lebensgefährlich sein“, betonte Christoph Straub, Vor­standsvorsitzender der Barmer.

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Dabei seien entsprechende Informationslücken zwar häufig, zugleich aber auch vermeid­bar – bislang sei es aber nicht gelungen, die Versorgung über die Sektorengrenzen hin­weg besser zu organisieren.

Fast jeder zweite der stationär behandelten Versicherten in Deutschland wird laut Arznei­mittelreport vor der Krankenhausaufnahme als Polypharmaziepatient bereits mit fünf oder mehr Arzneimitteln behandelt.

Zugleich verfügen aber laut Barmerumfrage nur 29 Prozent der Polypharmaziepatienten über 65 Jahren bei der Klinikaufnahme über einen bundeseinheitlichen Medikationsplan, der Informationsverluste zwischen Ärzten eigentlich verhindern soll.

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Den wichtigen Informationsaustausch zur Medikation erschwere zusätzlich, so Straub, dass 62 Prozent der Patienten vor der Krankenhausaufnahme bei mindestens drei Ärzten in ambulanter Behandlung waren.

Den Reportergebnissen zufolge stockt auch die Weitergabe von behandlungsrelevanten Daten aus dem stationären in den ambulanten Sektor. Indizien dafür liefert eine Umfrage für den Arzneimittelreport unter 150 Hausärzten. Demnach waren 40 Prozent der Befrag­ten mit den Informationen durch das Krankenhaus unzufrieden oder sehr unzufrieden.

Um künftig Informationsdefizite zu vermeiden, habe die Barmer mit zahlreichen Partnern das Innovationsfondsprojekt TOP („Transsektorale Optimierung der Patientensicherheit“) ins Leben gerufen – das Projekt soll im Oktober starten.

Mittels dieses Ansatzen sollen den behandelnden Ärzten aus Krankenkassendaten alle behandlungsrelevanten Informationen zur Verfügung gestellt werden, sofern der Patient sein Einverständnis gibt. Dazu gehören Vorerkrankungen und eine Liste aller verordneten Arzneimittel.

Zudem sollen in den Krankenhäusern Medikationspläne der Patienten vervollständigt oder erstellt sowie die Therapie erklärt werden. „Das Projekt hat das Potenzial, die Risi­ken sektorenübergreifender Behandlung in der Routineversorgung zu minimieren“, sagte Straub.

Der Autor des Arzneimittelreports, Daniel Grandt vom Klinikum Saarbrücken, bezeichnete TOP als „wegweisend“. Umfassende Informationen von der Klinik zum weiterbehandeln­den Arzt seien unerlässlich. Dies gelte umso mehr, wenn stationär behandelte Patienten zu­nehmend älter sowie mehrfach erkrankt sind und polypharmazeutisch behandelt werden.

Der Barmer Arzneimittelreport 2020 enthält neben den Analysen zum Schwerpunktthema Sektorenübergreifende Arzneimitteltherapie auch zahlreiche Daten zur Arzneimittelthera­pie Barmer-Versicherter – etwa zu Ausgabenentwicklung und Verordnungshäufigkeit. © aha/aerzteblatt.de

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