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Politik

Vor Schulbeginn flammt die Diskussion um Maskenpflicht erneut auf

Montag, 10. August 2020

/picture alliance, KEYSTONE, ANTHONY ANEX

Berlin – Mit Schutzmaßnahmen in der Coronakrise ist heute in weiteren Bundes­län­dern das neue Schuljahr gestartet. Debattiert wird weiter über die Maskenpflicht. Diese ist bislang nur in Nordrhein-Westfalen (NRW) an weiterführenden und berufsbildenden Schulen auch im Unterricht geplant.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) verteidigte heute erneut seine Pläne für die Maskenpflicht im Unterricht. „Es ist nicht erträglich, wenn Kinder weiter nicht in der Schule sind“, sagte er. Daher seien Vorsichtsmaßnahmen vor allem zu Schulbeginn er­forderlich, weil es dann viele Reise­rück­kehrer gebe. Die Maskenpflicht sei zudem zu­nächst befristet bis Ende August.

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Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hält eine Masken­pflicht in Klassenzimmern für unabdingbar, wenn der Unterricht in üblicher Weise von­stattengehen soll. „Wer vollen Unterrichtsbetrieb will, kommt an der Maskenpflicht nicht vorbei“, sagte Meidinger der Passauer Neuen Presse.

Er bezeichnete es als „aberwitzig“, dass in Supermärkten, Zügen, Bussen, Gaststätten und bei Veranstaltungen Masken und Abstandsregelungen vorgeschrieben seien und an Schu­len auf beides verzichtet werde.

„Was derzeit in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, also da, wo der Schulbetrieb gestartet ist, an Hygieneschutzmaßnahmen vor Ort umgesetzt wird, reicht mit Sicherheit nicht aus, um den Wegfall der Abstandsregel in Klassenzimmern zu kompensieren“, sagte er der Zeitung. Nordrhein-Westfalen gehe mit seiner beschränkten Maskenpflicht auch im Klassenzimmer den richtigen Weg.

Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) mahnte in der Frankfurter Allgemeinen Sonn­tags­zeitung" in der Schule Mund- und Nasenbedeckungen zu tragen, wenn die Abstands­regeln nicht eingehalten werden können.

In Lernsituationen schwierig

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres hat den Verzicht auf eine Maskenpflicht im Unterricht verteidigt. Gerade in Lernsituationen sei das schwierig, sagte die SPD-Politi­ke­rin. Das gelte vor allem für die kleineren Kinder, wenn deren Mimik nicht zu sehen sei. Klar sei aber, dass es wichtig sei, die Infektionszahlen im Blick zu behalten und den Hy­gieneplan gegebenenfalls anzupassen, sagte sie.

In Berlins Schulen gilt der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht mehr. Stattdessen be­schloss der Senat eine Maskenpflicht für Schulgebäude, die Lehrer und Schüler einzu­hal­ten haben. Sie kommt auf Fluren, in Aufenthalts- und Begegnungsräumen zum Tragen, nicht jedoch im Unterricht oder auf dem Schulhof.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sprach von der Wiederauf­nah­me des Regelbetriebs unter Coronbaedingungen. Das Ministerium empfiehlt Schülern und Lehrern dringend, in den ersten zwei Wochen eine Mund-Nasen-Bedeckung in der Schule zu tragen – auch während des Unterrichts.

Die Jahrgangsstufen 1 bis 6 sind davon ausgenommen. Eine Maskenpflicht in der Schule, wie sie andere Länder haben, lehnt Prien als zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht verhält­nismäßig und nicht verfassungskonform ab.

In Brandenburg gilt in Fluren, Treppenhäusern und Mensen eine Maskenpflicht für Schü­ler und Lehrer, aber nicht in Klassenräumen und auf Schulhöfen. Weil das Kabinett erst morgen über die Coronaverordnung berät, ist der Mund-Nasen-Schutz in Schulen zu­nächst freiwillig.

Im Hygieneplan ist ein Mindestabstand von 1,50 Metern für Lehrer untereinander festge­schrieben, nicht aber für Schüler. Sie sollen aber so im Klassenraum sitzen, dass enge Kontakte während des Unterrichts minimiert werden.

Nicht im Unterricht, aber wenn es eng wird

Die Vorsitzende des Marburger Bundes (MB), Susanne Johna, nannte das Tragen von Masken während des Unterrichts eine „überflüssige Behinderung“. Wenn alle auf ihren Plätzen säßen und Abstand sichergestellt sei, mache das Tragen von Masken während der Un­terrichtsstunden überhaupt keinen Sinn und wäre eine überflüssige Behinderung.

Sinnvoll sei die Maske dann, wenn es eng werde – „etwa beim Verlassen der Klasse, vor dem Schulkiosk oder auf dem Pausenhof, wenn mehrere Klassen gleichzeitig Pause ha­ben“. Johna hält die Rückkehr zum Regelbetrieb an den Schulen für geboten.

„Der Schul­betrieb ist eine Großveranstaltung, die wir uns leisten müssen.“ Die allermeis­ten Schulen hätten gute Hygienekonzepte entwickelt, sodass die Rückkehr zum Unter­richt jetzt vertret­bar und richtig sei.

Der Bundeselternrat kritisierte dagegen die mangelnde Vorbereitung. Die Coronafälle in Mecklenburg-Vorpommern „zeigen uns leider, dass die Schulen zu schnell und unvorsich­tig geöffnet wurden“, sagte der Vorsitzende Stephan Wassmuth der Welt.

Es sei „ärgerlich, dass die Kultusminister das so lässig angegangen sind und die Sommer­ferien nicht dafür genutzt haben, einen verlässlichen Unterricht auch in Coronazeiten ver­nünftig vorzubereiten“. Der Bundeselternrat habe „seit Wochen“ dafür plädiert, Klassen zu teilen, um im Falle eines Ausbruchs nur wenige Schüler in Quarantäne schicken zu müssen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erwartet ein Schuljahr „mit viel Im­provisation“, wie die Vorsitzende Marlis Tepe der Wirtschaftswoche sagte. Auch sie kriti­sierte, die Landesregierungen hätten die Ferienzeit zu wenig für die konzeptionelle Ar­beit genutzt.

Viele Lehrkräfte und Schulen seien auch weiterhin nicht auf digitalen Unterricht vorberei­tet. Zwar dürften die meisten Lehrerinnen und Lehrer das Werkzeug Videokonferenzen be­­herrschen, „weil sie sich selber fortgebildet und ausprobiert haben“, sagte Tepe der Wirtschaftswoche. „Aber wirklich gut vorbereitet sind viele Schulen weiterhin nicht.“

Die bayerische Staatsregierung will erst kurz vor dem Ende der Sommerferien über eine mögliche Maskenpflicht auch im Schulunterricht entscheiden. Als Termin nannte Minis­ter­präsident Markus Söder (CSU) heute die Kabinettssitzung am 1. September – die Schule startet eine Woche später, am 8. September.

Dann wolle er unter anderem mit Lehrervertretern sprechen, sagte er nach einer Video­konferenz des Kabinetts in Nürnberg. Wichtig seien die ersten zwei Wochen als Startpha­se mit klaren Regeln. Jede Schule müsse wissen, wie bei einem Infektionsfall zu handeln sei. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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Sporsena
am Dienstag, 11. August 2020, 12:30

Paradigmenwechsel im Hinblick auf die Pandemiemaßnahmen

Erst langsam setzt sich, in Vorausblick auf die kommende Grippesaison, die Erkenntnis durch, dass wir eines aus der Coronakrise lernen können. Wie sorglos und verantwortungslos wir mit der durch Influenzaviren verursachten schwerwiegenden, häufig tödlichen Krankheitsverläufen umgegangen sind, so als seien Influenzatote ein hinzunehmendes Schicksal. Dabei waren auch dort vor allem die Älteren und Risikogruppen Opfer dieser Grippewellen.
Aufgeschreckt durch die gegenwärtige Pandemie werden nun Handlungsempfehlungen gefordert, die beidem Rechnung tragen sollen: den Influenzaviren und den Coronaviren, die stets zusammen auftreten, nur nicht unbedingt in dieser Aggressivität, wie wir sie derzeit erleben.
Kritisch muss allerdings gefragt werden, wie wir heute wirtschaftlich und gesellschaftlich dastehen würden, wenn wir, wie in dieser Saison, mit derartig massiven Eingriffen in die Gesellschaft geantwortet hätten?
Die Antwort ist leicht, es wäre nicht machbar gewesen.
Einen absoluten Schutz des Lebens kann es nicht geben und wird es nicht geben, mit Impfung und auch ohne Impfung nicht. Dazu gehören Viren viel zu sehr in unsere gelebte Realität und Todesfälle dadurch leider auch. Zumal auch das Argument, das Immunsystem benötige Kontakt mit Erregern, um ausreichend vorbereitet zu sein, sich nicht von der Hand weisen lässt. Wer versucht, sich dauerhaft vor Viren zu verstecken, wird scheitern. Wer sich unbekümmert verhält allerdings auch. Ich präferiere einen modifizierten schwedischen Ansatz. Schutz dort, wo er unumgänglich ist, aber dann so, dass er auch wirksam und sinnvoll ist, ansonsten ganz normal und ohne diesen Behördenaktivismus.
Selbstschutz, wo er gebraucht wird. HNO Ärzte schützen sich selbst durch geeignete Masken, die wirklich keine Viruspartikel durchlassen. Risikogruppen können das auch tun, und es gibt für mich keinen Grund, weshalb Krankenkassen die präventiven Kosten dafür nicht übernehmen sollten. Seniorenheime, Krankenhäuser, Arztpraxen sind Orte, an denen eine erhöhte Gefährdung für alle Beteiligten vorhanden ist. Der Rest der Bevölkerung, der ohnehin auch durch Coronaviren nicht vital gefährdet ist, soll die Möglichkeit haben, sich vor und mit den Erregern aktiv zu immunisieren, um den eigenen Immunschutz dauerhaft aufrecht zu erhalten.
Dann muss man eben durch den Infekt durch, wie wir das die Jahre vorher auch bewältigt haben. Die Massentestung, ist jedenfalls für meine Begriffe die falsche Strategie und die derzeitige Isolierung der Menschen untereinander ebenfalls. Dazu gehören auch und gerade Schüler, die nach bisherigen Erfahrungen wenig bis gar nicht durch den Coronainfekt beeinträchtigt sind. Schon dort konterkariert das tatsächliche Verhalten von Kindern außerhalb der Schule die geforderten Maßnahmen in der Schule, die praxisfern und widersinnig sind, so sehr sie auf den ersten Blick auch plausibel erscheinen mögen. Die Maskenpflicht gehört in den Schulen grundsätzlich abgeschafft und der "Nachweis" einer Infektion und damit gefährlichen Verlaufes kann durch einen PCR Test nicht geleistet werden, was jedem der sich mit der Materie beschäftigt einleuchten sollte.
LNS

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