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Medizin

Cannabiskonsum in der Schwangerschaft könnte Autismusrisiko erhöhen

Donnerstag, 13. August 2020

/picture alliance, Paul Zinken

Ottawa – Die Inhaltsstoffe der Cannabisdroge, die über die Plazenta in den fetalen Kreis­lauf gelangen, könnten die vorgeburtliche Entwicklung stören. Zu den möglichen Folgen gehört nach einer Studie in Nature Medicine (2020; DOI: 10.1038/s41591-020-1002-5) eine spätere Autismus-Spektrum-Störung des Kindes.

Die Legalisierung von Cannabis in Ländern wie den USA und Kanada führt dazu, dass vermehrt auch schwangere Frauen zu der Droge greifen. Die Neigung könnte groß sein, da Cannabis eine antiemetische Wir­kung hat. Schwangere könnten die Droge deshalb zur Selbst­me­dikation bei der Emesis gravidarum einsetzen.

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Die Auswirkungen auf Embryonen und Feten sind kaum untersucht. Experimente waren wegen des Verbotes der Droge lange Zeit kaum möglich. Es steht allerdings fest, dass die Rezeptoren für die endogenen Cannabinoide vor der Geburt im Körper und insbesondere im Gehirn vorhanden sind. Den Endocannabinoiden wird deshalb eine Rolle in der frühen Entwicklungsphase zugeschrieben.

Es steht zu befürchten, dass der Konsum der Droge durch Schwangere dem werdenden Kind Schaden zufügt, wofür in den vergangenen Jahren Hinweise gefunden wurden. So konnten Daniel Corsi vom CHEO Research Institute in Ottawa und Mitarbeiter in einer früheren Studie zeigen, dass Schwangere, die Marihuana rauchen, häufiger eine Früh­ge­burt erleiden.

Jetzt haben die Forscher die Auswirkungen des Cannabiskonsums auf eine weitere Er­krankung untersucht, die in angelsächsischen Ländern häufig auftritt, wo auch vor der Legalisierung der Cannabiskonsum verbreitet war.

An einer Autismus-Spektrum-Störung leiden in den USA mittlerweile mehr als 1 % aller Kinder. Die Diagnose wird zwar erst im Vorschulalter gestellt. Die Ursachen könnten je­doch nach Einschätzung von Hirnforschern in die vorgeburtliche Phase zurückreichen.

Die kanadischen Forscher haben den Zusammenhang jetzt in einer Analyse der Gebur­ten­register von Ontario im Zeitraum von April 2007 bis März 2012 untersucht. Dort finden sich Angaben zum Cannabis-Konsum, der damals noch illegal war.

Nur wenige Frauen haben deshalb angegeben, dass sie die Droge während der Schwan­ger­schaft genommen hatten. Die meisten hatten noch andere verbotene Substanzen kon­sumiert, die ebenfalls der Entwicklung des Kindes schaden könnten. Corsi und Mitarbei­ter konnten allerdings 2.200 Frauen ermitteln, die nur Cannabis geraucht haben wollen.

Die Forscher glichen die Daten mit anderen Registern ab, die spätere Erkrankungen der Kinder erfassen. Für die Kinder, deren Mütter einen Cannabiskonsum angegeben hatten, ermittelten sie eine Inzidenz von Autismus-Spektrum-Störungen vom 4,00 pro 1.000 Personenjahre.

Von den nicht-pränatal mit Cannabis exponierten Kindern erkrankten dagegen nur 2,42 pro 1.000 Personenjahre. Corsi ermittelte eine adjustierte Hazard Ratio von 1,51, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,17 bis 1,96 signifikant war.

Die Kinder der Cannabis-konsumierenden Schwangeren erkrankten auch häufiger an anderen geistigen Behinderungen und Lernstörungen. Die Ergebnisse waren hier jedoch statistisch weniger robust, was an der geringeren Inzidenz dieser Störungen gelegen haben könnte.

Auch die Ergebnisse zum Cannabiskonsum sind laut Corsi mit Fragezeichen zu versehen. Der Forscher konnte nicht ermitteln, wie viel Cannabis die Frauen konsumierten, wie oft sie zur THC-Droge griffen und zu welcher Zeit während der Schwangerschaft es konsu­miert wurde. Die Studie ist deshalb weit davon entfernt, die schädliche Wirkung von Cannabis zu beweisen.

Es handelt sich jedoch um die bisher größte Untersuchung zu dieser Frage, und sie er­mittelt einen statistisch signifikanten Zusammenhang. Eine schädliche Wirkung ist wegen des Nachweises der Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn zudem biologisch plausibel.

Schwangere Frauen sollten es sich nach Ansicht von Corsi deshalb mehr als zweimal überlegen, ob sie zu der Droge greifen, auch wenn diese mittlerweile in den USA und Kanada legal erhältlich ist. © rme/aerzteblatt.de

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