NewsPolitikDKG: Normalbelegung im Krankenhaus wird weiterhin nicht möglich sein
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

DKG: Normalbelegung im Krankenhaus wird weiterhin nicht möglich sein

Freitag, 14. August 2020

/dpa

Berlin – Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, hat darauf hingewiesen, dass die Krankenhäuser die Auslastung, die sie vor der Coronapandemie hatten, auf absehbare Zeit nicht wieder erreichen werden.

„Die Pandemie und vor allem die krankenhausspezifischen Vorhaltungen und Lasten hö­ren in diesem Jahr und wahrscheinlich auch im nächsten Jahr nicht auf“, sagte er dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ).

Anzeige

„Die Normalbelegung von Krankenhäusern wird weiterhin nicht möglich sein. Mehrbett­zimmer können nicht entsprechend belegt werden. Die Krankenhäuser müssen Freihalte­quoten einhalten und so weiter. Erlösausfälle und Mehrkosten halten damit an.“

Baum forderte die Bundesregierung deshalb auf, zügig eine Anschlussfinanzierung für die Ende September auslaufenden Hilfsmaßnahmen für die Krankenhäuser zu finden.

Mit dem COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz hat die Bundesregierung eine finan­zielle Unterstützung für die Krankenhäuser auf den Weg gebracht, mit der die Erlösaus­fälle durch verschobene Operationen kompensiert werden sollten.

Krankenhäuser verlassen sich auf die Politik

„Neben der Weitergeltung von Ausgleichszahlungen oder der Einführung eines Pande­mie­zuschlages auf alle Fallpauschalen wäre ein Ganzjahresbudgetausgleich gegenüber den Werten des Vorjahrs eine Lösung zur besseren wirtschaftlichen Absicherung der Krankenhäuser“, schlug Baum vor.

„Die Krankenhäuser verlassen sich weiter auf das Versprechen der Politik, dass die coro­nabedingten Kosten ausgeglichen werden und die Krankenhäuser coronabedingt nicht in wirtschaftliche Nöte geraten.“

Auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Klinikverbunds Hessen, Achim Neyer, geht von veränderten Bedingungen für die Krankenhäuser aus. „Wir werden auf absehba­re Zeit nicht annähernd so viele Patienten behandeln können wie vor der Krise“, erklärte er. Notwendige Sicherheits- und Hygienemaßnahmen für Patienten und Personal schränk­ten die Behandlungskapazität weiterhin ein.

„Deshalb brauchen die Krankenhäuser jetzt ein langfristiges Finanzierungskonzept“, so Neyer. Auch wenn die Krise als Ausnahmesituation dabei nicht der Maßstab sei, könnten und müssten die Erfahrungen daraus für die Zukunft genutzt werden.

Fehlanreize durch den Ordnungsrahmen

Auch der Präsident des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), Josef Düllings, hält die aktuelle Krisenfinanzierung als Blaupause für eine Reform der Kranken­hausvergütung für ungeeignet. „Das DRG-System ist grundsätzlich leistungsgerecht und steuert die Ressourcen dorthin, wo sie medizinisch gebraucht werden“, sagte er dem . Fehlanreize entständen durch den Ordnungsrahmen.

„Die Krankenhäuser haben ein Fixkostenproblem“, betonte Düllings. Der größte Brocken sei dabei die fehlende Investitionsfinanzierung durch die Bundesländer mit rund vier Pro­zent vom Umsatz, gefolgt von Rückzahlungen, die die Krankenhäuser an die Kranken­kassen leisten müssten, nachdem der Medizinische Dienst zum Beispiel eine Fehlbele­gung konstatiert habe.

Krankenhausfinanzierung in der Coronapandemie: Es bleiben Unsicherheiten

Ein Rettungsschirm sollte den Krankenhäusern wirtschaftlich den Rücken freihalten. Nun wird nachgerechnet: War die Hilfe ausreichend? Die Antwort variiert von Haus zu Haus. Eine weitere Frage wird derweil zunehmend lauter gestellt: Wie geht es nach dem Ende des Rettungsschirms weiter? März 2020: Die Krankenhäuser verschieben auf Wunsch der Bundesregierung planbare Operationen, um Kapazitäten für [...]

Diese komme aber nur zustande, weil die Krankenhäuser Patienten nicht in den ambulan­ten Bereich entlassen könnten, weil es dort keine Anschlussversorgung gebe. Solche un­gerechtfertigten Rückzahlungen machten drei Prozent vom Umsatz aus.

Hinzu kämen eine Unterfinanzierung der Tarifsteigerungen im Landesbasisfallwert von jährlich mindestens einem Prozent des Umsatzes, die Unterfinanzierung der ambulanten Notfallversorgung mit etwa einem Prozent und die zu geringe Fixkostendeckung über die Fallpauschalen für die Grundversorger mit ebenfalls mindestens einem Prozent vom Um­satz.

„An diesen Stellen brauchen wir Lösungen, die die Situation entschärfen, zum Beispiel die Zuständigkeit und kostendeckende Vergütung der Krankenhäuser für die ambulante Notfallversorgung sowie zum Beispiel Kurzzeitpflege im Krankenhaus, die teilweise ja auch bereits umgesetzt wird“, so Düllings. Der Problemkern der Krankenhausversorgung in Deutschland sei allerdings die fehlende Fantasie der Länder in der Investitionsfinan­zierung. © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #830245
Hortensie
am Sonntag, 16. August 2020, 11:45

Wenn das med. Personal nicht laufend auf Corona getestet wird, bleiben natürlich viele Patienten aus!

Ich bin selbst Risikopatientin und halte mich an die Anweisung, dass man alles tun sollte, sich nicht zu infizieren.
Ich hätte Grund (u. a. Tumorverdacht) für viele med. Untersuchungen bei Ärzten und in Krankenhäusern, bin dazu noch privat versichert, so dass ich kein verlustbringender Patient wäre.
Doch was mich daran hindert, zu Ärzten und in Krankenhäuser zu gehen, ist vor allem die Tatsache, dass das gesamte med. Personal nicht auf Corona engmaschig getestet wird!
Würde man 2 Mal pro Woche das Personal testen, so würde sich die Sicherheit für Risikopatienten wie mich enorm erhöhen.
Hinzu kommt, dass man auch immer wieder liest, dass durch med. Peronal Ansteckungen erfolgen. Logisch, denn diese haben am ehesten Kontakt zu evtl. Infizierten.
So aber bleiben die Patienten in den Kliniken natürlich aus. Beschwerden darf dann aber keiner. Denn man könnte dies ja ändern...

LNS

Nachrichten zum Thema

25. September 2020
Berlin – In Deutschland werden nach Angaben des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums (BMG) zurzeit gut 1,2 Milliarden Schutzmasken gelagert. Das geht aus der Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der
Deutschland sitzt auf 1,2 Milliarden Schutzmasken
25. September 2020
Berlin – Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich an diesem Sonntagnachmittag mit den CDU-Ministern ihres Kabinetts treffen, um die aktuelle politische Lage zu besprechen. Im Mittelpunkt dürften die
Corona: Merkel trifft sich am Sonntag mit CDU-Kabinettsmitgliedern
25. September 2020
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn hat den Bürgern angesichts steigender SARS-CoV-2-Fälle von Auslandsreisen in den Herbst- und Winterferien abgeraten. „Man kann ja auch Urlaub im Inland
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn rät von Auslandsreisen in Herbst- und Winterferien ab
25. September 2020
Berlin – Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, für die Risikobewertung in der SARS-CoV-2-Pandemie nicht nur die Zahl der Neuinfektionen zu
Laschet fordert neue Kriterien für Risikobewertung in Coronapandemie
25. September 2020
Berlin – Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert einen neuen PCR-basierten Corona-Schnelltest, den Bosch entwickelt hat und bei dem das Ergebnis in 39 Minuten vorliegt. An einer
Forschungsministerium fördert Entwicklung von Corona-PCR-Schnelltest mit verkürzter Testzeit
25. September 2020
Köln – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat rechtliche Schritte gegen einen Mann eingeleitet, der ihn Ende August homophob beleidigt haben soll. Das meldete die Bild gestern mit Verweis auf
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn stellt Strafantrag wegen Beleidigung
25. September 2020
New York und Paris – Mehr als 10 % aller Patienten, die nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 eine schwere COVID-19 entwickeln, haben laut einer Studie in Science (2020; DOI: 10.1126/science.abd4585)
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER