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Politik

Spahn nennt Anstieg der Neuinfektionen besorgniserregend

Mittwoch, 12. August 2020

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) /picture alliance, Bernd von Jutrczenka

Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) sieht den Anstieg der Neuinfektio­nen mit SARS-CoV-2 als Alarmzeichen. „Das ist ohne Zweifel besorgniserregend“, sagte er heute im Deutschlandfunk.

Man könne sehen, dass es durch Reiserückkehr, Partys und Familienfeiern an ganz vielen Stellen im Land kleinere und größere Ausbrüche gebe. „Und das kann natürlich – wenn wir jetzt nicht alle miteinander aufpassen – eine Dynamik entfalten“, erklärte der Minis­ter. Es gelte, „sehr, sehr wachsam“ zu sein, weil es nicht mehr nur lokale Ausbrüche seien.

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Das Gesundheitssystem könne die derzeitigen Infektionszahlen gut bewältigen, sagte Spahn. „Aber es ist besorgniserregend, wenn die Entwicklung bleibt.“ Denn: „Mit jeder Infektion wird es für die Gesundheitsämter schwieriger.“

Der Minister appellierte erneut an die Bürger, die Hygieneregeln einzuhalten, Masken zu tragen, Abstand zu halten und bei Veranstaltungen den Rahmen zu wahren. „Da wo dann auch Alkohol im Spiel ist, wo es tatsächlich aus der feierlichen Veranstaltung zur Party wird, da geht es dann eben auch sehr, sehr schnell.“

Zu den Aussichten für große Veranstaltungen äußerte er sich skeptisch: „Ob es jetzt die Fußballspiele sind, ob es andere Großveranstaltungen sind, das ist etwas, wo ich weiter­hin sehr zurückhaltend bin, weil das natürlich gerade die Ereignisse sind, die auch eine Symbolwirkung für die kleinen haben.“

Die weltweit erste Zulassung eines Impfstoffs in Russland bewertete Spahn skeptisch. „Es geht nicht darum, irgendwie Erster zu sein, sondern es geht darum, einen wirksamen, er­probten und damit auch sicheren Impfstoff zu haben“, sagte er. Für das Vertrauen der Be­völkerung in einen Impfstoff sei es sehr wichtig, die nötigen Studien sehr genau zu ma­chen. Nach allem, was bisher bekannt geworden sei, sei der russische Impfstoff nicht hin­reichend erprobt. „Das kann dann schon auch gefährlich sein, zu früh zu beginnen.“

Das Ge­sund­heits­mi­nis­teriumin Nordrhein-Westfalen (NRW) vermeldete heute, dass etwa jede vierte Coronaneuinfektion auf Reiserückkehrer zurückzuführen ist. Dabei gehe es so­wohl um die Rückkehr von Reisen im Inland als auch aus dem Ausland, teilte das Landes­gesundheitsministerium mit.

Die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland hat unterdessen den höchsten Wert seit Anfang Mai erreicht. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) 1.226 neue Infektionen mit SARS-CoV-2 innerhalb eines Tages gemeldet. Höher lag der Wert zuletzt am 9. Mai mit 1.251 regis­­trierten Neuinfektionen.

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6.000 gelegen. Die Zahl war nach den immer noch über 1.000 liegenden Werten im Mai in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigt sie wieder.

Seit Beginn der Krise haben sich mindestens 218.519 Menschen in Deutschland nach­weis­lich mit dem Virus infiziert, wie das RKI heute morgen im Internet meldete (Daten­stand 12.8., 0.00 Uhr). Seit dem Vortag wurden sechs neue Todesfälle gemeldet. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Coronainfektion liegt nach RKI-Angaben nun bei 9.207. Bis Sonntagmorgen hatten 198.800 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 11.8., 0.00 Uhr, in Deutschland bei 0,97 (Vortag: 1,09). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwa einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infekti­ons­geschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen länge­ren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert mit Datenstand 11.8., 0.00 Uhr, bei 1,04 (Vortag: 1,05). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Die R-Werte liegen nach RKI-Angaben seit Mitte Juli 2020 wieder bei 1 beziehungsweise leicht darüber. „Dies hängt mit einer größeren Anzahl kleiner Ausbrüche, aber auch mit den bundesweiten Fallzahlen zusammen, die seit den Lockerungen der Maßnahmen sowie durch zunehmende Fälle unter Einreisenden in den letzten Wochen stetig gestie­gen sind“, hieß es. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #830245
Hortensie
am Donnerstag, 13. August 2020, 13:39

Erst bei Reiserückkehr positiv oder nicht doch schon bei Reiseantritt?

Woher, wenn man dies nicht testet, weiß man denn, ob ein bei Reiserückkehr positiv Getesteter nicht bereits bei Reiseantritt positiv war?
Man weiß doch, dass es derzeit viele asymptomatische Fälle gibt. In Deutschland werden die aber nicht getestet - es sei denn, sie verreisen und können sich dann als Reiserückkehrer testen lassen.

Avatar #720328
Jan Sulik
am Donnerstag, 13. August 2020, 06:38

Zahlen ohne Kontext ...

... sagen nichts aus. Warum werden nach wie vor nur absolute Zahlen kommuniziert? Warum wird nicht auf die stark gestiegenen Testzahlen hingewiesen? Warum nicht auf den prozentual geringen Anteil positiver Ergebnisse eines nach wie vor nicht validierten und für diagnostische Zwecke (eigentlich) nicht vorgesehenen Testverfahrens?
https://multipolar-magazin.de/artikel/faktencheck-fallzahlen
https://www.youtube.com/watch?v=nv4nQoNT244
Nach einem knappen halben Jahr "Pandemie" sollten wir doch alle dazugelernt haben.
LNS
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