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Politik

Gesundheitstech­nologien müssen leicht zugänglich und bedienbar sein

Mittwoch, 12. August 2020

/WavebreakmediaMicro, stockadobecom

Berlin – Die Gestaltung und Einführung digitaler Gesundheitstechnologien sollte auch den verschiedenen Bedarfen und Anforderungen älterer Menschen gerecht werden. Das mahnt der „Achten Altersbericht“ für die Bundes­regie­rung an. E-Health-Anwendungen sollten leicht zugänglich und bedienbar sein, die Datenüber­tra­gung sollte sicher, ver­trau­enswürdig und verlässlich sein, heißt es darin.

Der Report befasst sich in diesem Jahr mit der Entwicklung und Anwendung digitaler Technolo­gien sowie mit deren Auswirkungen vor allem in den Lebensbereichen Wohnen, Mobilität, soziale Inte­gration, Gesundheit, Pflege und auch mit dem Leben im Quartier. Über ihn beriet heute das Bundeska­bi­nett, an­schlie­ßend wurde er in Berlin vorge­stellt.

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Im Bereich der gesundheitlichen Versorgung älterer Menschen ergäben sich durch die Digitalisierung vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, heißt es in einer Zusammenfass­ung des Berichts. Insgesamt könnten digitale Anwendungen im Gesundheitssystem die konventionelle Patientenversorgung sinnvoll ergänzen und verbessern, Versorgungslü­cken kompensieren und zu einer Einsparung von Gesundheitskosten beitragen.

Gesundheitsbezogene Informationen würden mit dem Einsatz digitaler Gesundheitstech­nologien für Patienten besser verfügbar und könnten einfacher übermittelt werden. Da­durch entstehe mehr Transparenz. Außerdem könne der Kontakt zum medizinischen Fach­personal vereinfacht werden.

Zudem würden digitale Gesundheitstechnologien dazu beitragen, dass Patienten an der Diagnostik, Behandlung und Symptomkontrolle stärker beteiligt werden. Eine stärkere Patientenorientierung sei damit verbunden, dass ärztliche Kompetenzen teilweise an die Patienten abgegeben würden, so der Bericht.

Die Experten betonen zugleich, dass Nutzen und Akzeptanz stark davon abhängen, ob die älteren Nutzer die digitalen Technologien kompetent bedienen könnten und in welchem Maße bei ihnen grundlegende Gesundheitskompetenzen vorhanden seien.

„Empirische Studien zeigen, dass ältere Menschen digitale Gesundheitsangebote weniger nutzen, wenn sie die eigene Kompetenz im Umgang mit digitalen Technologien als ge­ring einschätzen“, schreiben die Autoren. Auch der erwartete Nutzen von digitalen An­wen­­dungen sowie der erwartete Aufwand bei der Nutzung seien wichtige Einflussfak­to­ren für die Akzeptanz.

Ungleiche Verteilung

Darüber hinaus heißt es in dem Bericht, dass der Zugang zu und die Nutzung von digita­len Angeboten innerhalb der Gruppe der älteren Menschen je nach Bildungsstand und Einkommen ungleich verteilt sind – „deutlich un­gleicher als zwischen jüngeren Men­schen“. Die Sachverständigen­kom­mission fordere von der Bundesre­gierung, dem Thema Alter in ihrer Digitalstrategie „weit mehr Gewicht als bisher beizu­messen“.

Konkret wird ein Internetzugang für alle Wohnformen älterer Menschen empfohlen, ob zu Hause oder im Pflegeheim. Zudem sollten Bund, Länder und Kommunen kostenfreies In­ter­net im öffentlichen Raum bereitstellen und alte Menschen, die von Grundsicherung oder wenig Einkommen leben, sollten Internet und die Anschaffung digitaler Technik staatlich gefördert bekommen.

Es gehe nicht nur darum, dass ältere Menschen das Internet nutzten, sagte der Kommissi­onsvorsitzende Andreas Kruse, sondern darum, Selbstbestimmung und Teilhabe zu för­dern und dass Menschen in höherem Lebensalter ein gutes Leben führen könnten.

„Die Digitalisierung birgt gerade auch für ältere Menschen ein riesiges Potenzial, das wir noch viel stärker ausschöpfen müssen“, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) heute in Berlin. Es gehe dabei nicht nur um das Skypen mit den Enkelkindern oder Einkaufen übers Internet, betonte die Ministerin.

Entscheidend sei, „dass wir die digitalen Angebote stärker an den Bedürfnissen ausrich­ten und die älteren Menschen dabei unterstützen, mit der Entwicklung Schritt zu halten“. Man dürfe es nicht zulassen, dass Senioren abgehängt werden und ihnen der Zugang zu digitalen Angeboten und damit auch zur Teilhabe versperrt sei.

Der frühere SPD-Chef Franz Müntefering verlangte mehr Anstrengungen, um die Digita­lisie­rung auch älteren Menschen zugänglich zu machen. „Sie müssen die Chance haben, voll dabei zu sein, wenn sie können, wenn sie wollen“, sagte der einstige Bundesarbeits­minister, der inzwischen Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorga­nisationen (BAGSO) ist.

Auch in der Pflege gelte es, alle Beteiligten mitzunehmen, mahnte heute Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik. Nur so könne man die Potenziale nutzen, die die Digitalisierung in vieler Hinsicht biete. „Für erfolgreiche Anwendung braucht es eine strukturierte Qualifizierung des professionellen Pflegepersonals.“ Dabei sei es wichtig, darauf zu achten, dass die Beziehung von Mensch zu Mensch, die guter Pflege zugrunde liegt auch mit der Digitalisierung erhalten bleibt und gestärkt wird.

Die Kommission hatte den Bericht bereits im Januar übergeben, die Bundesregierung be­schloss heute ihre Stellungnahme dazu. Darin verweist sie darauf, dass bereits vielfältige Maßnahmen eingeleitet worden seien, um gute Teilhabemöglichkeiten gerade auch für ältere Menschen zu schaffen. © may/dpa/afp/aerzteblatt.de

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