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Politik

Deutschland setzt nicht mehr auf eigene Impfstoffbeschaffung

Mittwoch, 19. August 2020

/Alexey Novikov, stock.adobe.com

Brüssel/Berlin – Die EU-Mitgliedsstaaten haben sich verpflichtet, nicht mehr selbst mit potenziellen Impfstofflieferanten zu verhandeln. Die europäische Kommission schließt im Namen aller 27 Partnerländer Abkommen über den Einkauf von mehreren Millionen Impf­dosen mit verschiedenen Herstellern. In diesem gesamteuropäischen Konzept geht auch die Impfallianz aus Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden auf.

Das geht aus einem internen Papier der Kommission hervor. Demnach haben die vier be­teiligten Länder die EU beauftragt, ihren bereits mit dem britisch-schwedischen Pharmakonzern Astra­Zeneca geschlossenen Vertrag über 300 Millionen Impfdosen zu übernehmen und diesen für alle 27 Mitgliedstaaten weiter zu verhandeln. Mittlerweile hat die EU die Vereinbarung um eine Option auf weitere 100 Millionen Impfdosen erweitert.

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„Die Vertragsverhandlungen mit den Impfstoffherstellern sind von der EU-Kommission übernommen worden und dauern noch an“, bestätigte das Bundesgesundheits­ministeri­um (BMG) auf Anfrage. Zu etwaigen Inhalten könnten noch keine näheren Auskünfte er­teilt werden.

Impfkommission veröffentlicht erste Empfehlung zu Schutzimpfung

Impfstrategien, die festlegen, welche Schutzimpfungen die gesamte Bevölkerung oder bestimmte Risikogruppen zu welchem Zeitpunkt und in welchen Intervallen erhalten sollen, sollen jedoch in nationaler Verantwortung bleiben. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) hat dazu heute eine erste Stellungnahme vorge­legt.

Seit Mai war eine Arbeitsgruppe damit beschäftigt, Studien und andere empirische Daten zu sichten, nachdem das BMG die STIKO mit der Priorisierung der zu impfenden Gruppen beauftragt hatte.

Demnach sei damit zu rechnen, dass Anfang 2021 ein oder mehrere Impfstoffe zum Schutz vor COVID-19 in der EU zugelassen werden könnten. Es sei aber anzunehmen, dass nicht von Anfang an genügend Impfstoff zur Verfügung stehe, um der gesamten Bevölkerung eine Impfung anbieten zu können.

Ziel sei es, mithilfe einer Priorisierung auch unter diesen Umständen schwere Erkrankun­gen und Todesfälle bestmöglich zu vermeiden. So solle etwa das medizinische und pfle­ge­rische Versorgungssystem geschützt sowie der Schutzbedarf von Personen, die auf­grund ihrer Tätigkeit mit vielen Menschen in Kontakt kommen oder besonders exponiert sind, berücksichtigt werden.

Angesichts der limitierten Datenlage zu den Impfstoffen, müssten die ersten Empfehlun­gen zu einer Priorisierung auch auf Grundlage von Annahmen getroffen werden, heißt es in der Stellungnahme. Diese würden aber unter Berücksichtigung neuer wissenschaft­li­cher Erkenntnisse laufend aktualisiert.

Verteilungsschlüssel nach Bevölkerungszahl

Vor diesem Hintergrund ist die von der EU geplante Verteilung von Impfstoffen besonders interessant. Die Aufteilung des Zugangs zu Impfstoffdosen zwischen den Mitgliedstaaten würde nach einem Verteilungsschlüssel anhand der Bevölkerungszahl erfolgen, heißt es in einer Mitteilung der Kommission an den europäischen Rat und das Parlament.

Dazu, welche Mengen an Impfstoff sich die EU im Rahmen der Verhandlungen insgesamt sichern will, gibt es bisher keine offizielle Aussage. „Wir besprechen den jeweiligen Be­darf mit den Mitgliedstaaten und identifizieren auf dieser Basis ein Beschaff­ungsziel“, erklärte ein Kommissionssprecher auf Anfrage.

Bezahlen müssen die Nationalstaaten die ihnen durch die Abkommen zustehenden Impf­stoffmengen selbst. Die geschlossenen Vereinbarungen sind keine Kaufverträge, sondern es handelt sich dabei um Garantien auf das Recht, „innerhalb eines bestimmten Zeit­raums und zu einem bestimmten Preis eine bestimmte Anzahl von Impfstoffdosen kaufen zu können“, heißt es in der Kommissionsmitteilung.

Für diese Abnahmegarantien übernehme die EU einen Teil der Vorlaufkosten der Impf­stoffhersteller. Finanziert werden diese aus dem sogenannten Emergency Support Instru­ment (ESI), den die EU im Rahmen der Coronakrise bereitgestellt und mit derzeit 2,7 Milli­arden Euro ausgestattet hat.

Produktion in Europa ist Voraussetzung

Ein „erheblicher Teil“ dieser Summe soll für die Abnahmegarantien bereitstehen, heißt es in dem Papier weiter. Sobald sich ein Impfstoff als effektiv und sicher erweise, könnten die Mitgliedstaaten diesen dann auf Grundlage der Abkommen direkt beim Hersteller er­werben.

Neben dem Abkommen mit AstraZeneca wurde nach Angaben der EU auch mit dem fran­zö­sischen Pharmakonzern Sanofi, der gemeinsam mit dem britischen Unternehmen Gla­xoSmith an einem Impfstoff arbeitet, über die Abnahme von 300 Millionen Dosen ver­handelt sowie mit dem belgischen Unternehmen Janssen Pharmaceutica, das zum US-Pharmariesen Johnson und Johnson gehört, über die Abnahme von 200 Millionen Dosen mit der Option auf weitere 200 Millionen Dosen.

Voraussetzung für jegliche Verhandlungen sei eine ausreichende Produktionskapazität innerhalb Europas, so der Kommissionssprecher. Der Sitz des jeweiligen Unternehmens müsse dafür nicht in Europa sein. Darüber hinaus müssten sich die Hersteller dazu verpflichten, ihre Produkte auch außerhalb Europas anzubieten.

„Wir wollen eine Produktion in Europa, aber zum Nutzen für Europa und den Rest der Welt“, heißt es in dem internen Papier. Dafür habe man für die Auswahl potenzieller Partner globale Solidaritätskriterien entwickelt. © alir/aerzteblatt.de

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Avatar #759489
MITDENKER
am Sonntag, 23. August 2020, 11:31

Verschiedene Strategien und Sichtweisen

Hier eine überdenkenswerte andere fachliche Sichtweise:
https://www.srf.ch/news/schweiz/debatte-um-durchseuchung-wir-muessen-keine-panik-vor-diesem-virus-haben?ns_source=mobile
Avatar #745246
Andre B.
am Donnerstag, 20. August 2020, 15:09

Immer mit der Ruhe ...

@Hortensie
Es gibt viele weitere ähnliche Meinungen von unzähligen renomierten Wissenschaftlern, aber ich empfehle Ihnen und auch sonst jedem Interessierten einmal die Ausführungen von Prof. Dr. Beda M. Stadler zu studieren .(Stadler ist ein Schweizer Molekularbiologe sowie emeritierter Professor und ehemaliger Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern)

Auszüge:
"Dies ist keine Anklageschrift, aber eine schonungslose Bilanz. Ich könnte mich selber ohrfeigen, weil ich das Virus SARS-Cov-2 viel zu lange mit Panik im Nacken betrachtet habe. Ein wenig ärgere ich mich auch über viele meiner Immunologen-Kollegen, die bislang die Diskussion rund um Covid-19 den Virologen und Epidemiologen überlassen haben. Mir scheint, es wäre Zeit, einige der hauptsächlichen und komplett falschen Aussagen rund um dieses Virus in der Öffentlichkeit zu kritisieren."

Themenkomplexe:
1. "Es war falsch, zu behaupten, das Virus sei neu."
2. "Noch falscher war es, zu behaupten, es bestünde in der Bevölkerung keine Immunität gegen dieses Virus."
3. "Es war sozusagen die Krönung der Dummheit, zu behaupten, man könne die Krankheit Covid-19 symptomlos durchmachen oder andere gar ohne Symptome anstecken."

Weiterer sehr nett formulierter Auszug:

"Eine Studie von John P. A. Ioannidis an der Stanford University, gemäß der Einstein Stiftung in Berlin einer der zehn meistzitierten Wissenschaftler auf der Welt, zeigte zudem auf, dass die Immunität gegen SARS-Cov-2, gemessen mit Antikörpern, wesentlich höher ist als bislang angenommen. Ioannidis ist sicher kein Verschwörungstheoretiker, der bloß gegen den Strom schwimmt, er wird jetzt trotzdem kritisiert, weil keine wirklich präzisen Antikörperteste verwendet worden seien. Die Kritiker geben damit zu, dass auch sie keine solchen Tests haben. Im Übrigen ist John P. A. Ioannidis ein derartiges wissenschaftliches Schwergewicht, dass alle deutschen Virologen zusammengenommen dagegen ein Leichtgewicht sind."

"Zurück auf dem Weg zur Normalität, würde es uns Bürgern jetzt guttun, wenn sich einige Panikmacher entschuldigen würden. Etwa Ärzte, die eine Triage der über 80-jährigen Covid-19-Patienten forderten, damit diese nicht mehr beatmet werden. Auch Medien, die mehrmals Panik-Videos aus italienischen Spitälern gezeigt haben, um damit etwas zu illustrieren, das so nie existiert hat. Alle Politiker, die TESTEN, TESTEN, TESTEN forderten, ohne überhaupt zu wissen, was der Test misst. Oder der Bund für eine App, die nie funktionieren wird und mich auch dann warnen wird, wenn jemand in meiner Nähe positiv, aber nicht ansteckend ist."

Vollständiger Artikel: https://www.achgut.com/artikel/corona_aufarbeitung_warum_alle_falsch_lagen
Avatar #830245
Hortensie
am Donnerstag, 20. August 2020, 13:32

@PointVital: Minderheiten-Meinungen wird es immer geben

Wenn diese Ärzte bei den Infizierten fragen, ob diese nun wirklich krank sind, also ob sie Symptome haben, ist das schon die falsche Frage.
Die richtige Frage ist: Waren die positiv Getesteten in einer Phase nach der Ansteckung für andere Menschen ansteckend?
Es geht nicht darum, ob DIESE Infizierten nun so schwre krank sind, dass sie ärztliche Hilfe benötigen. Es geht um die von ihnen ausgehenden Risiken für andere.
Wenn sie nämlich Menschen aus der Risikogruppe anstecken, dann ist damit zu rechnen, dass diese Risikopatienten schwer krank werden können.
Natürlich versuchen die Risikopatienten ihr Risiko zu minimieren, indem sie z. B. Arztpraxen, Krankenhäuser und viele andere Infektiongefahren meiden. Aber diese Meiden ist nicht immer möglich. Wenn ein Mensch akut krank wird, wird er womöglich doch zum Arzt gehen (oder auch nicht ...).
Dass im Sommer die Corona-Infektion viel weniger symptomatisch verläuft als im Winter, wurde schon oft gesagt. Von daher wäre es falsch, dass man nur auf die Symptome und nicht auf die Ansteckungsgefahr abhebt.

Impfstoff:
Natürlich ist es immer denkbar, dass ein Impfstoff Risiken hat. Aber dazu wird er auch getestet. Ein Restrisiko gibt es sicher bei allen Impfstoffen.
Nur sollte man sich überlegen, was ist gefährlicher:
Unterlassen der Impfung gegen Corona mit den möglichen Folgen, die eine Infektion verusachen kann (bis hin zum Tod oder zu schwersten Organschäden).
oder
Impfung mit dem Restrisiko einer späteren Nachwirkung aus der Impfung.
Ich würde mich für das Impfen entscheiden, weil ich Hoch-Risikopatient bin.
Jedenfalls halte ich diese Ärztegruppe für weniger seriös als die Schulmediziner.
Diese Empfehlung, dass man Vitamine etc. einnehmen sollte, ist zwar nicht falsch für Menschen mit einem Vitaminmangel.
Denn ein Vitaminmangel sollte man nicht haben, weil der auch zu Beschwerden führt. Das lasse ich immer gelten.
Aber dass die Einnahme von Vitaminen und Mineralien eine Infektion verhindert, ist m. E. wenig wahrscheinlich.
Avatar #731133
PointVital
am Donnerstag, 20. August 2020, 08:52

Sehr interessant

Zum Thema Impfstoff gegen Corona am Schluß ein Appell:
https://www.youtube.com/watch?v=rYAL44xkwWY&feature=youtu.be
LNS

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