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Politik

RKI bewertet Gefährdungslage für Risikogruppen als „sehr hoch“

Dienstag, 18. August 2020

/taa22, stock.adobe.com

Berlin – Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der Be­völkerung in Deutschland durch das Coronavirus SARS-CoV-2 aktuell als „hoch“ – und für Risikogruppen als „sehr hoch“ – ein. Das zeigt eine überarbeitete Risikobewertung des RKI, die das Institut heute online auf seiner Internetseite veröffentlicht hat.

Im Vergleich zur bisherigen Version (29.7.2020) gebe es Anpassungen der Beschreibung der Entwicklung der epidemiologischen Lage im Abschnitt „Risikobewertung“ sowie Ergän­zungen im Abschnitt „Übertragbarkeit und Krankheitsschwere“, heißt es.

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Das RKI schreibt in der Bewertung, dass es sich „weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation“ handelt. So nehme die Zahl der Fälle weltweit zu. In Deutschland sei die Anzahl der neu übermittelten Fälle seit etwa Mitte März bis Anfang Juli rückläufig gewesen, nehme seitdem aber stetig zu.

Der Anstieg habe sich „in den letzten Wochen deutlich beschleunigt“. Gleichzeitig nehme die Anzahl derjenigen Landkreise ab, die in den letzten sieben Tagen keine Fälle gemel­det hätten.

Dem RKI zufolge kommt es „bundesweit zu größeren und kleineren Ausbruchs­gesche­hen“. Diese stünden „insbesondere im Zusammenhang mit Feiern im Familien- und Freun­­­d­eskreis und bei Gruppenveranstaltungen“. Auch Reiserückkehrer, insbesondere in den jüngeren Altersgruppen, trügen zu dem Anstieg der Fallzahlen bei.

Das RKI macht noch einmal deutlich, dass SARS-CoV-2 grundsätzlich leicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Zu beachten sei unter anderem, dass die Aerosolausscheidung bei lautem Sprechen, Singen oder Lachen stark ansteige. So steige das Risiko einer Über­tragung ohne Mindestabstand von 1,5 Metern in Innenräumen deutlich.

Übertragungsrisiko auch im Freien

Aber auch im Freien bestehe ein „erhöhtes Übertragungsrisiko“, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern ohne Mund-Nasen-Bedeckung unterschritten werde – etwa wenn Grupp­en von Personen an einem Tisch säßen oder es größere Menschenansammlungen gäbe.

Die Belastung des Gesundheitssystems bewertet das RKI derzeit „in weiten Teilen“ des Landes als „noch gering“. Diese könne aber örtlich „sehr schnell zunehmen“ und dann ins­besondere das öffentliche Gesundheitswesen, aber auch die Einrichtungen für die ambu­lante und stationäre medizinische Versorgung stark belasten.

Zur Krankheitsschwere betont das RKI in der aktuellen Fassung der Risikobewertung, dass bei der überwiegenden Zahl der Fälle die Erkrankung mild verläuft und die Wahr­scheinlichkeit für schwere und auch tödliche Krankheitsverläufe mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zunimmt.

Allerdigs könne das individuelle Risiko anhand der epidemiologischen/statistischen Da­ten „nicht abgeleitet werden“. So könne es auch ohne bekannte Vorerkrankungen und bei jungen Menschen zu schweren bis hin zu lebensbedrohlichen Krankheitsverläufen komm­en. Langzeitfolgen, auch nach leichten Verläufen, seien „derzeit noch nicht abschätzbar“.

Für die weitere Entwicklung in der Pandemie ist es für das RKI von „entscheidender Be­deu­tung“, die Zahl der Erkrankten so gering wie möglich zu halten und Ausbrüche zu ver­hindern. Dadurch solle Zeit für die Entwicklung von antiviralen Medikamenten und Impf­stoffen gewonnen werden. Auch sollten so Belastungsspitzen im Gesundheitswesen ver­mieden werden, heißt es.

Am bisherigen Strategiekurs hält das Institut fest. So blieben weiter „intensive gesamtge­sell­schaftlicher Gegenmaßnahmen“ nötig, um die Folgen der COVID-19-Pandemie für Deutschland zu minimieren.

Dazu zählten weiterhin Hygienemaßnahmen, Abstandhalten, Einhalten von Husten- und Niesregeln, Tragen von Mund-Nasen-Bedeckung/Alltagsmaske in bestimmten Situationen (AHA-Regeln) sowie eine gute Belüftung beim Aufenthalt in geschlossenen Räumen.

Themen wie Impfen, Großveranstaltungen, Fußballspiele oder auch Teststrategien sind in der überarbeiteten Risikobewertung nicht enthalten. Diese Aspekte fanden sich zuletzt in einer fälschlich vom RKI veröffentlichten Fassung eines „Positions­pa­piers“. Das Papier hatte das Institut noch am selben Tag wieder zurückgezogen. Wann die korrekte Fassung veröffentlicht wird, ist unklar.

RKI prüft korrigierte Corona-Studie zum Ansteckungszeitraum

Das RKI kündigte heute laut einer Sprecherin auch an, eine korrigierte Coronastudie aus China zum zeitlichen Verlauf der Ansteckungsgefahr „gründlich überprüfen“ zu wollen. Dabei geht es unter anderem darum, ab wann ein Mensch das Virus weitergeben kann.

Dieser Wert spielt bei der Kontaktverfolgung eine Rolle: Wie weit zurück sollten die Kon­takte eines nachweislich Infizierten überprüft werden, wer muss eventuell in Quarantäne?

Das RKI schreibt auf seiner Seite, dass vermutlich ein beträchtlicher Anteil der Anste­ckun­gen auf Kontakte zu Infizierten in den ein bis zwei Tagen vor deren Symptombeginn zurückgehe. Dabei beruft sich das RKI auch auf die nun korrigierte Untersuchung.

Ein Team um Gabriel Leung von der Universität Hongkong hatte bereits im April in Nature Medicine über den zeitlichen Verlauf der Ansteckungsgefahr berichtet. Nun haben diese Forscher ihre Angaben in einigen Punkten korrigiert.

Unter anderem schreiben sie nun: „Unsere Analyse legt nahe, dass die Freisetzung von Viren fünf bis sechs Tage vor dem Auftreten erster Symptome beginnen könnte.“ Zuvor war in dieser Passage von „zwei bis drei Tagen“ die Rede gewesen.

Auf seiner Seite schreibt das RKI, dass als Kontaktperson gilt, wer „ab dem zweiten Tag vor Auftreten der ersten Symptome“ mit einem Infizierten zu tun hatte. Dieser Angabe lägen „verschiedene Studien und eigene Erfahrungen“ zugrunde, teilte die RKI-Sprecherin weiter mit. Man habe bislang „mit den zwei Tagen vor Symptombeginn gute Erfahrungen gemacht“. © may/dpa/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #830245
Hortensie
am Donnerstag, 20. August 2020, 20:43

Um andere anzustecken, genügt eine asymptomatische Infektion

Wenn es um das Gefährdungsrisiko der Menschen aus den Risikogruppen geht, kommt es nur darauf an, dass einer der vielen, auch asymptomatisch Infizierten diese Menschen ansteckt.
Je mehr Infizierte es gibt, auch solche ohne Symptome, umso mehr steigt das Risiko für andere.
Avatar #825141
plink
am Mittwoch, 19. August 2020, 14:12

...dieses RKI braucht niemand!

Den Kommentaren von Hr. Steeb und Hr. Pommer kann ich nur zustimmen. Allein die vornehme Zurückhaltung dieser Behörde gegenüber kann ich nicht verstehen. Das RKI liefert mit seinen Daten und der völlig abwegigen Bewertung dieser Daten die Grundlage für die wirtschaftliche Zerstörung dieses Landes; man bürdet Kindern und Erwachsenen das Tragen völlig nutzloser - allenfalls gesundheitsschädlicher Masken - auf, die auch nicht andeutungsweise die Verbreitung von Viren über Aerosole verhindern können. Per 19.7.2020 sind lt. Statistischem Bundesamt 526.764 Menschen in Deutschland verstorben - in den Jahren 2016 - 2019 waren es im Mittel und nach Korrektur auf die Einwohnerzahl 2019 (83.170.000) per 19.7. 529.920! Verglichen mit dem Zeitraum 1.1.2018 - 19.7.2018 verstarben im Pandemiejahr 2020 per 19.7.2020 22.688 Menschen weniger!!
Und niemand möge behaupten, eben dies sei Folge des klugen staatlichen Handelns. Das RKI selbst belegt, dass bereits vor der Schließung von Schulen und Kindergärten der R-Wert < 1 war - und dies bei Betrachtung des Krankheitsbeginns und nicht des Infektionsbeginns, der unter Berücksichtigung des Meldeverzugs etwa 7 -10 Tage vorher anzusetzen ist! Jeder halbwegs interessierte Laie weiß inzwischen um den Sinn von Massen-PCR-Tests bei niedriger Infektionsprävalenz - der positive prädiktive Wert der PCR-Tests der 32. KW liegt bei Annahme einer Spezifität von 0,99 (also besser als von INSTAND ermittelt), einer Sensitivität von 1,0, bei 627.171 durchgeführten Tests und 6.909 positiven Testergebnissen bei 0,10 - d.h. aus Sicht desjenigen, der positiv getestet wurde besteht eine 90%ige Wahrscheinlichkeit, dass er NICHT infiziert ist!
Das RKI bewegt sich zweifelsohne in einem völlig logikfreien Raum.
Avatar #736261
Dr. Peter Pommer
am Mittwoch, 19. August 2020, 12:37

Endlich ein klares und nachvollziehbares Statement des Kollegen Steeb!

Dem Kollegen Steeb herzlichen Glückwunsch zu dieser klaren und nachvollziehbaren Statement. Genau so ist die reale Situation! Würden wir das Ganze mit der Influenza durchexerzieren, müssten wir - nach Lesart der Regierung - noch viel härtere Einschränkungen durchsetzen! Denn die Mortalität ist ähnlich, die Durchseuchung (glücklicherweise) höher und die Impfung so gut wie wirkungslos. Zitat eines habilitierten Hygienikers: " Es ist die problematischte Impfung, die wir haben und wir sind selbst unglücklich über die wechslende und zweifelhafte Wirkung". Einge große Studie ergab, dass die Zahl der AU-Tage bei Geimpften und Ungeimpften gleichauf lag - ein besseres Mass kann ich mir nicht denken...
Avatar #833365
HartmutSteeb
am Dienstag, 18. August 2020, 21:14

Selbstverständlichkeiten und fehlende Daten

Wenn das RKI wieder einmal feststellt, dass "die Wahr­scheinlichkeit für schwere und auch tödliche Krankheitsverläufe mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zunimmt", ist das ja wirklich eine "bemerkenswerte" Ansage. Ich behaupte, dass das für grundsätzlich alle Erkrankungen und übrigens auch andere Verletzungen gilt. Diese Gruppe von Menschen sind grundsätzlich stärker gefährdet als andere. Dafür braucht man keine wissenschaftlichen Kenntnisse sondern nur Verstand und Lebenserfahrung. Das muss also so sein.
Im Gegenzug fehlen weiterhin die wirklich wichtigen Daten: "Infizierte" im Verhältnis zu den "Getesteten" (hier werden bisher nicht die Personen gezählt sondern die Tests, also Mehrfachtests bei mehrfach positiv auch eingeschlossen), wirklich Kranke (ärztliche Behandlung). Denn die Zahl der "Infizierten" sagt gar nichts wesentliches aus, weil wir keinerlei Vergleich haben. In Grippezeiten sind vielleicht 50% aller Menschen infiziert, bei den meisten gewinnt aber das Immunsystem den Kampf gegen die Krankheit. Diese einfache Erkenntnis würde helfen, endlich aus dem Panikmodus zu den wesentlichen Dingen zu kommen und würde damit die weltweiten Kollateralschäden begrenzen. Hier könnte übrigens auch das Ärzteblatt wirklich Hilfestellung durch klare Informationen leisten.
Avatar #833365
HartmutSteeb
am Dienstag, 18. August 2020, 21:13

Selbstverständlichkeiten und fehlende Daten

Wenn das RKI wieder einmal feststellt, dass "die Wahr­scheinlichkeit für schwere und auch tödliche Krankheitsverläufe mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zunimmt", ist das ja wirklich eine "bemerkenswerte" Ansage. Ich behaupte, dass das für grundsätzlich alle Erkrankungen und übrigens auch andere Verletzungen gilt. Diese Gruppe von Menschen sind grundsätzlich stärker gefährdet als andere. Dafür braucht man keine wissenschaftlichen Kenntnisse sondern nur Verstand und Lebenserfahrung. Das muss also so sein.
Im Gegenzug fehlen weiterhin die wirklich wichtigen Daten: "Infizierte" im Verhältnis zu den "Getesteten" (hier werden bisher nicht die Personen gezählt sondern die Tests, also Mehrfachtests bei mehrfach positiv auch eingeschlossen), wirklich Kranke (ärztliche Behandlung). Denn die Zahl der "Infizierten" sagt gar nichts wesentliches aus, weil wir keinerlei Vergleich haben. In Grippezeiten sind vielleicht 50% aller Menschen infiziert, bei den meisten gewinnt aber das Immunsystem den Kampf gegen die Krankheit. Diese einfache Erkenntnis würde helfen, endlich aus dem Panikmodus zu den wesentlichen Dingen zu kommen und würde damit die weltweiten Kollateralschäden begrenzen. Hier könnte übrigens auch das Ärzteblatt wirklich Hilfestellung durch klare Informationen leisten.
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