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Medizin

Sechs Prozent der Engländer haben Antikörper gegen SARS-CoV-2

Donnerstag, 13. August 2020

/Siarhei, stock.adobe.com

London – In England haben sich mehr als 100.000 Bürger mithilfe eines Lateral-Flow-Tests zuhause selbst auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 getestet. Die im Fachblatt Thorax publizierte repräsentative Studie zeigt, dass knapp sechs Prozent, und damit rein rech­ne­risch 3,4 Millionen Engländer, bis Ende Juni eine Infektion mit dem Coronavirus durchge­macht haben (DOI: 10.1136/thoraxjnl-2020-215732).

Die Ergebnisse sollen helfen, die Pandemie zielgerichteter zu bekämpfen. Einer der Stu­dienleiter am Imperial College London, Graham Cooke vom National Institute for Health Research, warnte aber vor voreiligen Schlüssen: „Es gibt bei diesem neuen Virus noch viele Unbekannte, einschließlich der Frage, inwieweit Antikörper einen Schutz vor künfti­gen Infektionen bieten.“

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Der Anteil der positiv auf Antikörper Getesteten unterscheidet sich der Studie zufolge so­wohl geografisch als auch zwischen bestimmten Bevölkerungsgruppen stark. Auffallend hoch ist die Rate in London, wo 13 Prozent der Menschen positiv auf Antikörper getestet wurden. Am niedrigsten ist sie mit 3 Prozent im Südwesten des britischen Landesteils.

Trends waren auch beim Alter zu beobachten: Junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren wurden mehr als doppelt so häufig positiv getestet (8 Prozent) wie Menschen im Rentenalter zwischen 65 und 74 Jahren (3 Prozent).

Höhere Raten bei Minderheiten und in Gesundheitsberufen

Eine überdurchschnittlich hohe Infektionsrate fand sich aber auch unter Schwarzen (17 Prozent), Asiaten (12 Prozent) und Angehörigen anderer ethnischer Minderheiten (12 Pro­zent). Sie wiesen mit einer zwei- bis dreimal so hohen Wahrscheinlichkeit Antikörper ge­gen SARS-CoV-2 auf als weiße Studienteilnehmer (5 Prozent).

Die ethnische Zugehörigkeit war den Wissenschaftlern zufolge selbst dann noch ein Fak­tor, wenn Besonderheiten wie die Konzentration in bestimmten Berufen und eine von der weißen Bevölkerung abweichende Altersstruktur berücksichtigt wurden. Die Autoren spe­kulieren deshalb, dass hier noch andere Faktoren zum Tragen kommen müssen, etwa die Wahl des Transportmittels oder bestimmte Verhaltensweisen.

Als ebenfalls überdurchschnittlich stark betroffen erwies sich das Personal im Gesund­heitswesen. Bei Mitarbeitern in Pflegeheimen mit Patientenkontakt lag die Positivrate bei 16 Prozent, in medizinischen Einrichtungen bei 12 Prozent.

Bei fast allen Studienteilnehmern mit einer per Abstrich bestätigten SARS-CoV-2-Infek­ti­on fanden sich Antikörper (96 Prozent). Personen, bei denen die Infektion schwere Symp­tome ausgelöst hatte, wiesen doppelt so häufig Antikörper auf wie diejenigen, die trotz Diagnose oder Verdacht auf COVID-19 keine Symptome gezeigt hatten (29 versus 14 Prozent).

Und auch mit dem ökonomischen Status und der Haushaltsgröße fand sich ein Zusamm­en­hang: In ärmeren Gegenden und in Haushalten mit mehr als sieben Bewohnern war die Positivrate höher als in wohlhabenderen Gegenden und kleineren Haushalten.

Der Fall-Verstorbenen-Anteil liegt den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge bei 0,9 Prozent. Er ist damit vergleichbar mit Ländern wie zum Beispiel Spanien.

Teilgenommen haben an der Studie etwa 100.000 zufällig ausgewählte Menschen, die zwischen dem 20. Juni und 13. Juli zuhause einen Lateral-Flow-Test mit einem Bluttrop­fen aus der Fingerkuppe durchführten und die Ergebnisse anschließend auf einer Web­seite hochluden.

Zuverlässigkeit des Lateral-Flow-Tests als ausreichend eingestuft

In Deutschland setzt man bei Seroprävalenzstudien bislang auf die Blutentnahme durch medizinisches Fachpersonal und die anschließende ELISA-Testung im Labor. Lateral-Flow-Tests zur Heimanwendung gelten als weniger zuverlässig.

Der in England verwendete Antikörperselbsttest wurde nach den Kriterien Zuverlässigkeit und Einfachheit der Anwendung in einer eigens durchgeführten Studie aus insgesamt elf zur Verfügung stehenden Tests ausgewählt. Er verfügt demnach über eine hohe Spezifität von 98,6 Prozent und eine moderate Sensitivität von 84,4 Prozent. Den Autoren der Stu­die zufolge ist er damit „geeignet für Untersuchungen zur Seroprävalenz“.

Die Antikörpertests zur Heimanwendung lieferten „den bislang klarsten Einblick in die Verbreitung des Virus im Land und welche Bevölkerungsgruppen am gefährdetsten sind“, so Cooke.

„Wir haben gezeigt, dass es möglich ist, eine groß angelegte Studie mit Heimtests durch­zuführen, und dass es sich dabei um eine effiziente Methode handelt, um unser Verständ­nis zu verbessern“, ergänzte Helen Ward, Leiterin der Studie zur Prävalenz in der Bevölke­rung, ebenfalls vom Imperial College London.

Da derzeit noch nicht geklärt ist, ob und wie lange Antikörper vor einer erneuten Infekti­on schützen, wurden die Studienteilnehmer aufgefordert, sich auch weiterhin an die von der Regierung vorgegebenen Schutzmaßnahmen zu halten, unabhängig von ihrem Test­ergebnis. Die Studie soll im Herbst wiederholt werden, dann mit 200.000 Teilnehmern. © nec/aerzteblatt.de

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