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Politik

COVID-19: Entscheidung über Triage bleibt vorerst Ärzten überlassen

Freitag, 14. August 2020

/dpa

Karlsruhe – Es ist für viele in der Coronapandemie ein Horrorszenario, wenn Ärzte bei Behandlungsengpässen Patienten aufgeben müssen. Staatliche Vorgaben für die Ent­scheidung zwischen Leben und Tod wird es vorerst aber nicht geben.

Einen Eilantrag mehrerer Kläger mit Behinderungen und Vorerkrankungen wies das Bundesverfassungsgericht (BVErfG) ab, wie heute in Karlsruhe mitgeteilt wurde. Sie wollten damit die verbindliche Regelung der Triage erzwingen. Ihre Verfassungsbe­schwerde ist aber weiter anhängig (Az. 1 BvR 1541/20).

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Sollten sich sehr viele Menschen gleichzeitig anstecken, droht die Gefahr, dass es nicht für alle Schwerkranken Platz auf der Intensivstation gibt. Zum Beispiel könnten Beat­mungsgeräte knapp werden. Ärzte müssten dann entscheiden, wen sie retten und wen nicht. In Italien und Spanien hat es solche Szenen schon gegeben.

Deutschland ist bisher verschont geblieben. Für den Fall, dass es doch einmal so weit kommen sollte, haben mehrere medizinische Fachgesellschaften gemeinsam Empfeh­lungen erarbeitet. Entscheidendes Kriterium soll danach sein, welcher Patient die größe­ren Überlebenschancen hat. Eine Einstufung nach Alter, Vorerkrankungen oder Behinde­rungen soll es ausdrücklich nicht geben dürfen.

Die neun Kläger befürchten, im Ernstfall trotzdem auf der Strecke zu bleiben. Statistisch gesehen hätten sie die schlechteren Aussichten zu überleben. Mit ihrer Verfassungsklage wollen sie erreichen, dass der Gesetzgeber die Entscheidungskriterien vorgibt. Regelun­gen für die Zwischenzeit sollten von einem Gremium kommen, in dem auch behinderte Menschen vertreten sind. Dessen Einsetzung wollten die Kläger mit dem Eilantrag er­zwin­gen.

Die Richter lassen sich aber nicht treiben. Die Verfassungsbeschwerde werfe schwierige Fragen auf, die nicht auf die Schnelle beantwortet werden könnten, teilte das Gericht mit. Große Eile sei auch nicht geboten: Die Verbreitung der Krankheit und die Auslastung der Intensivstationen lasse es im Moment nicht wahrscheinlich erscheinen, dass eine Triage-Situation eintrete. Der Beschluss stammt von Mitte Juli - seither ist die Zahl der Infizier­ten wieder gestiegen.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat sich gegen staatliche Vorgaben ausge­sprochen. „Gesetzgeberischer Handlungsbedarf zu diesen medizinethischen Fragen be­steht nicht“, antwortete sein Ministerium im April den Grünen im Bundestag und verwies auf die Leitlinie der Fachgesellschaften und eine Empfehlung des Deutschen Ethikrats.

Allerdings unterstützen auch die Autoren der Leitlinie die Forderung der Kläger nach ei­ner gesetzlichen Grundlage. Die Rechtsunsicherheit sei für die Ärzteschaft eine unzumut­bare Belastung, heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung der Deutschen In­terdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Der Kläger-Anwalt Oliver Tolmein erklärte, das Gericht habe „deutlich gemacht, dass es die weitreichende Bedeutung dieser Fragen sieht“. Der Gesetzgeber dürfe sich „nicht ein­fach wegducken und darauf setzen, dass die betroffenen Menschen mit Behinderungen und die Entscheidungszwängen unterliegenden medizinischen Behandlungsteams diese Konflikte untereinander austragen“. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #828991
Schwester M.
am Samstag, 15. August 2020, 17:07

An Practicus (es sind neue Antibiotika kurz vor der Zulassung!)

So ein Schwachsinn kann nur verbreitet werden wenn Ärzte keine Ahnung sowie keinerlei Interesse an Basiswissen sowie Standarts der Phase 1 nach dem Tierversuch u. der Phase 2 haben! Was aber die wichtigsten Phasen und Datenerhebungen bis zur Zulassung eines sicheren u. wirksamen Medikaments sind! Ab der Phase 3 u. 4 wo Ärzte in den Praxen sowie Unikliniken erst an Studien Durchführung und nur mit der Durchführung der fertigen Studie beauftragt u. soweit in DE möglich durch Monitoring diese zu kontrollieren! Keiner dieser Ärzte wäre in der Lage Prüfplan / Erhebungsunterlagen sowie alle vorgeschriebenen Anforderungen bis zur Durchführung u. Zulassung einer Studie in Praxis oder an einer Uniklinik da Ihnen dazu die Nötige Kompetenz sowie schlicht jegliches Fachwissen fehlt! Die Kosten für die Zulassung??? Höhe? Webseite epiKurier aus dem Jahr 2006 "Von der Forschung bis zur Marktreife" Med. gegen Epilepsie Entwicklungskosten von 800 Millionen US- Dollar in 4 Teilen wird alles genau erklärt! Wenn dieses Wissen fehlt wie wollt Ihr über Impfstoffentwicklung mitreden? Amerika hat nur ein Unternehmen was eine Zulassung für Impfstoffentwicklung u. Herstellung hat! Das ist sehr viel anspruchsvoller als ein Medikament auf den Markt zu bringen. Jedes Jahr ein neu entwickelter Impfstoff gegen Grippe.... (sehr spannend). Sie sollten Sich mal einen eigenen Eindruck von unseren Tierärzten machen, leihen Sie sich mal einen alten Hund! Und los.... Würde auch gerne als erstes bei Herrn Spahn anfangen oder mit unserer Kanzlerin in Berlin den ganzen Tag U Bahn fahren während Sie nur Ihren Baumwoll-Lappen hat u. mit einem Blutdruckgerät automatisch messen! Mir ist auch klar das Blutdruck sowie Pulsfrequenz im Bereich kurz vor Schlaganfall entsprechen. Nenne mir Fachleute die Wieler beraten könnten... Rate Ihnen mal mit einer FFP2 Maske unsere Intensivstationen zu besuchen um sich vor Ort eine eigene Meinung über die Zustände zu machen, muß erst eine Krankenschwester die auf den Intensivstationen unter Menschen unwürdigen Bedinungen in 12 Stunden Schichten arbeiten vor Erschöpfung zusammen brechen und verenden! Es wäre zu schön wenn jemand mal die Quelle seiner Information angeben könnte!
Avatar #110206
kairoprax
am Samstag, 15. August 2020, 10:25

NONSENS - und das DÄB beteiligt sich auch noch daran!"

a) TRIAGE ist ein Begriff aus der Kriegsgeschichte, aber er bezeichnet kein gesetzlich vorgegebenes oder oder gar methodisch vorgegebenes Verfahren zur PRIORISIERUNG medizinischer Hilfe.
b) während der gesamten Corona-Zeit gab es in Deutschland wohl keinen einzigen tag, an dem es an Intensivbetten gemangelt hat - weit gefehlt, wir hatten sogar Intensivbetten für Patienten aus anderen Ländern angeboten.
c) daß die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) überhaupt den Begriff der TRIAGE ins Spiel gebracht hat, ist hahnebüchener Quatsch. Er verursacht nichts weiter als Ängste bei sogenannten Risikopatienten,.
d) aus (c) folgert, daß es sich nicht um Logik handelt, sondern um Panik. Umso erfreulicher ist, daß wenigstens die verfassungsrichter einen kühlen Kopf und den Durchblick behalten haben.
e) Das Bundesverfassungsreicht hat schon etliche Gesetze und Paragrafen, wie den § 218 und den § 175 StGB, wegen deren fragwürdiger Verfassungsübereinstimmung kassiert. Hier aber wäre ein gesetz nicht kassiert worden, soindern im Gegenteil, es sollte ein Gesetz verabschiedet werden zum besonderen Schutz von Menschen, die in eine Risikokategorie fallen.
Genau das allerdings wäre der Zwang zu einer Triage gewesen!
Nicht mehr die medizinische Indikation für eine Behandlung, sondern die Existenz einer Bescheinigung über eine Behinderung oder Erkrankung sollen entscheiden über die Reihenfolge medizinischer Behandlungen?
f) es ist vollkommen ausreichend und beruhigend, daß es den §323c StGB gibt, der die Unterlassung von medizinischer Hilfeleistung unter Strafe stellt.
Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 14. August 2020, 23:19

Wer da Sprecher ist

spielt doch keine Rolle! Dass Ge­sund­heits­mi­nis­ter (mit einer Ausnahme!) keinerlei Ahnung von Medizin haben, halte ich für bedenklicher.
Der Direktor des RKI verkündet doch nur, was seine Fachleute gemeinsam erarbeiten. Und ein Tierarzt hat eine vergleichbare Grundausbildung in Physiologie, Pharmakologie, Hygiene und Epidemiologie wie ein Humanmediziner.
Übrigens: Antibiotica werden zu 95% zu Dumpingpreisen in China hergestellt - die Pharmaindustrie hat da nichts mehr davon, höchstens die Großhändler. Neue Humanantibiotica weden durch die Bedingungen einer Zulassung so teuer, dass sich die Produktion nur bei Preisen lohnt, die niemand zu zahlen bereit ist.
Avatar #828991
Schwester M.
am Freitag, 14. August 2020, 21:23

Liebe Ärzte wacht auf!!! RKI wird von einem Tierarzt geleitet!!!

Lebenslauf von Wieler lesen! Alles über Antibiotika vom RKI lesen! Kein Antibiotika ist für Tiere zugelassen und für den Missbrauch und den Folgen durch die Tiermast ( Antibiotika werden dort nicht in Packungen die beim Menschen eine Behandlungseinheit beinhalten, sondern in KG berechnet! Während Ärzte ohne Grenzen keine Antibiotjka zu Verfügung stehen und Sie die sinnlos Verstorbenen nur zählen können tun Politiker alles um die Neuentwicklungen von Antibiotika die kurz vor der Zulassung weiter für die Fleischindustrie zu Verfügung zu stellen u. unsere Gesundheit durch multiresistente Keime zu gefährden die 30000 Toten nur in DE egal!!! Wo kein Kläger da kein Richter!!! Ich persönlich bin allen Pharmaunternehmen dankbar das solange keine Antibiotika entwickelt wurden. Muß leider seit Jahren den Schwachsinn der über die Presse verbreitet wird ertragen: Z.B. die Pharmaindustrie wäre nicht interessiert an der Entwicklung von Antibiotika da Sie keine keine fetten Gewinne mit diesen machen können??? Schweinemast Zahlen von 800 KG Antibiotika (wenn das nicht wenn man die Mengen der Antibiotika u. weiteren Medikamente in dem Bereich mal für ein Jahr hochrechnet u. die Gewinne für die Pharmaindustie (also leichter kann niemand reich werden!) u. alle die für die Verbreitung von Lügen über die Pharmaindustie verantantwortlich sind müssen zur Verantwortung gezogen werden!! Und jeder der mich jetzt mit Dreck bewerfen will kann dies gerne tun!! Allerdings sollte er dann auch über das Wissen und praktische Erfahrungen in dem Bereich der frühen Phase 1 nach dem Tierversuch mit zu meiner Zeit 1/10tel der Dosis vom Tierversuch mit Studien die dann mit einem Probanten über 24 Stunden bei einer Eimalgabe der Prüfsubstanz unter Beobachtung von einer klinischen Forschungsassistentin und einer erfahrenen Ärztin ( damals unsere Oberärztin Selda Bondy über Ihr nur unserer Prof. Dr. Breul , Arzneimittelforschung Berlin ) Aufgabe dieses Instituts die Durchführung von Studien der Phasen 1 sowie 2 für die Pharmaindustrie (Humanpharmakologie) nach dem Tierversuch! Wir haben für z.B. Knoll, Sandoz, Roche, Bayer, Takeda u.s.w. gearbeitet spez. Gebiete Psychopharmaka sowie Herz- Kreislaufmedikamente. Allein unsere EEG Abteilung hat auf einem so hohen wissenschaftlichen Standard gearbeit wo die Prof. an unseren Universitäten zu deren Leid bewusst war das Sie nicht in der Lage sind sich auch nur eine dieser Mitarbeiterin leisten zu können geschweige die sonstige Ausstatung... Damals in den 90 Jahren war wohl den wenigsten bewust das wir alle nach den FDA-Standarts arbeiten ( die höchsten Standarts Weltweit) nicht ein wenig sondern diese zu 100% erfühlt) Habe als Basis nur die 3 Jährige Ausbildung zur Krankenschwester allerdings am St. Joseph-Krankenhaus in Berlin-Tempelhof genossen und nach 2 Jahren Berufserfahrung in die Arzneimittelforschung gewechselt (mit einer Zusage von Schering in der Tasche sobald dort eine Stelle frei wird) Ein Danke an Dr. Andreas Lorenz der mich damals auf das Thema Humanpharmakologie/Arzneimittelforschung hingewiesen hat! Habe noch weitere Erfahrungen in der Pharmaindustrie sammeln können deren Anspruch sich nach denen der FDA gerichtet hat, und Ämter sowie deutsche Behörden haben sich schon damals eher durch fehlendes Fachwissen ausgezeichnet... Was zum Glück die meisten Pharmaunternehmen ausgleichen! Deren Ärzte verfügen nicht nur über ein Abschluss in Medizin sondern zusätzlich in Chemie oder Tiermedizin sind fähig im Team zu arbeiten und erhalten alle nötigen Fortbildungen sowie Fachwissen zur Verfügung und müssen trotz allem nur 8 Stunden am Tag arbeiten! Bitte handelt!!!
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