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Medizin

Grippeimpfstoff erzeugt nur kurzlebige Antikörper­produktion im Knochenmark

Dienstag, 8. September 2020

/dpa

Atlanta/Georgia – Die Influenza-spezifischen Plasmazellen im Knochenmark, die wesentlich für die Immunität nach einer Grippe-Erkrankung oder nach einer Impfung verantwortlich sind, hatten in einer klinischen Studie in Science (2020; DOI: 10.1126/science.aaz8432) nur eine Überlebenszeit von wenigen Monaten. Die Studie liefert eine überraschende neue Erklärung für die rasch nachlassende Schutzwirkung.

Die Notwendigkeit einer jährlichen Grippeimpfung wird auf die ständige genetische Veränderung des Influenzavirus zurückgeführt, die das Virus für die Antikörper nicht mehr greifbar machen. Es könnte jedoch noch einen anderen Grund geben. Die Antikörpertiter, die die Impfung oder eine Erkrankung erzeugt, sinken bei den Patienten häufig auf eine Konzentration, die auch dann keine Schutzwirkung erzielen würde, wenn die Antikörper die Viren neutralisieren könnten.

Dies zeigen die Untersuchungen, die Rafi Ahmed von der Emory Universität in Atlanta und Mitarbeiter an 53 gesunden Personen durchgeführt haben. Die Probanden hatten sich bereit erklärt, 3 Mal eine invasive Knochenmarkpunktion an sich durchführen zu lassen. Die erste fand unmittelbar vor einer Grippeimpfung statt, die zweite 28 Tage später und die dritte nach einem Jahr.

Wie erwartet kam es nach der Impfung zu einer Vermehrung der antikörperbildenden Plasmazellen. Diese waren in den ersten Wochen im Blut und nach 28 Tagen auch im Knochenmark vermehr nachweisbar. Ahmed vermutet, dass die Plasmazellen aus dem Blut ins Knochenmark wandern und sich dort ansiedeln. Tatsächlich stieg der Anteil der Plasmazellen, die Antikörper gegen die Grippeviren bilden, an allen Plasmazellen im Knochenmark von 0,8 % in der Zeit vor der Impfung auf 1,9 % nach 28 Tagen an.

Bei der dritten Untersuchung nach einem Jahr war der Anteil jedoch wieder auf den Ausgangswert vor der Impfung abgefallen. Dieser Rückgang war auch bei den meisten Antikörpern nachweisbar, die die Probanden in den Wochen nach der Impfung vor einer Infektion geschützt hätten. Nach einem Jahr war diese Schutzwirkung vermutlich nicht mehr vorhanden.

Die Ergebnisse haben Auswirkungen auf die Entwicklung eines universellen Impfstoffs. Er würde Antikörper gegen einen Teil des Influenzavirus bilden, der sich nicht verändert, weil dies die Integrität des Virus gefährden würde. Ein solcher Impfstoff wäre jedoch nutzlos, wenn es bereits nach wenigen Monaten zum Absterben der Plasmazellen käme.

Die Hoffnung beruht nun auf den etwa 0,8 % der Influenza-spezifischen Plasmazellen, die bereits vor der Impfung vorhanden waren und möglicherweise einen Bodensatz von langlebigen Plasmazellen bilden, die Menschen über Jahre hinaus vor der saisonalen Grippe schützen könnten.

Bisher ist jedoch nicht bekannt, was zur Bildung dieser langlebigen Plasmazellen geführt hat. Ahmed vermutet, dass sie auf besonders starke Anreize zurückzuführen sind. Seine Anregung wäre, die Impfstoffe mit einem Adjuvans zu versehen. © rme/aerzteblatt.de

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