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Medizin

Kompressionstherapie senkt Rezidivrisiko bei Phlegmone

Dienstag, 8. September 2020

/tibanna79, stockadobecom

Canberra – Kompressionsverbände oder -strümpfe haben in einer klinischen Studie Patienten, die aufgrund von chronischen Ödemen am Bein bereits mehrmals an einer Phlegmone (Zellulitis) erkrankt waren, vor weiteren Rezidiven geschützt, wie die im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa1917197) publizierten Ergebnisse zeigen.

Chronische Ödeme am Bein erhöhen die Anfälligkeit auf bakterielle Infektionen, die sich im subkutanen Gewebe rasch ausbreiten. Diese Zellulitis kann zu schweren Komplika­tionen führen, in den meisten Fällen kommt es aber unter einer Antibiotikabehandlung zur Abheilung.

Da die Ursache nicht beseitigt wird, kommt es bei vielen Patienten regelmäßig zu Rezidiven. Sie belasten die Patienten so sehr, dass nicht selten eine Antibiotika­prophylaxe begonnen wird. Diese kann jedoch nicht grenzenlos durchgeführt werden, und nach dem Absetzen der Antibiotika kommt es bei vielen Patienten rasch zu einem Rezidiv.

Physiotherapeuten vom Calvary Public Hospital in Bruce, einem Vorort von Canberra, haben in einer randomisierten Studie untersucht, ob eine Kompressionstherapie in der Lage ist, die Patienten vor Rezidiven zu schützen. Dahinter stand die Idee, dass die Drainage des Ödems die Integrität der Haut schützt und dadurch die Eintrittspforten für die Bakterien beseitigt. Außerdem könnte die Immunreaktion verbessert werden, wenn kein Lymphstau die Abwehrzellen in ihrer Aktivität behindert.

Ursprünglich sollten an der Studie 162 Patienten teilnehmen. Die Studie wurde allerdings bereits nach einer Zwischenauswertung im September 2018 vorzeitig beendet. Zu diesem Zeitpunkt waren 84 adipöse Patienten (medianer BMI 40) im medianen Alter von 66 Jahren auf eine Kompressionstherapie plus eine Schulung zur Vermeidung von Rezidiven oder auf eine alleinige Schulung randomisiert worden. Die Studie war nicht verblindet, da eine Schein-Kompressionstherapie nicht realistisch erschien (schließlich bleibt die Kompression für die Patienten nicht unbemerkt).

Die Kompressionstherapie wurde zunächst mit Binden und später mit Kompressions­strümpfen durchgeführt mit dem üblichen Druckgradienten vom Sprunggelenk aufwärts, der den Abtransport der Lymphflüssigkeit fördern soll.

Wie Elizabeth Webb vom Calvary Public Hospital und Mitarbeiter berichten, waren zum Zeitpunkt des Abbruchs 23 Zellulitis-Episoden aufgetreten, davon 6 (15 %) in der Kompressionsgruppe und 17 (40 %) in der Kontrollgruppe. Webb ermittelte eine Hazard Ratio von 0,23, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,09 bis 0,59 signifikant war.

Insgesamt 3 Patienten (7 %) aus der Kompressionsgruppe und 6 (14 %) aus der Kontrollgruppe mussten wegen einer Zellulitis im Krankenhaus behandelt werden (Hazard Ratio 0,38; 0,09 bis 1,59).

Die Kompressionstherapie blieb laut Webb ohne Komplikationen. Unterschiede in der Lebensqualität zwischen den beiden Gruppen waren nicht nachweisbar. Die Kompres­sions­therapie könnte deshalb eine effektive und für die Patienten auch akzeptable Behandlung zur Prävention von Zellulitis-Rezidiven sein.

Zu den günstigen Begleiteffekten gehört ein deutlicher Rückgang der Ödeme, der in der Studie 181 ml entsprach, während es in der Kontrollgruppe zu einer Zunahme um 60 ml kam. © rme/aerzteblatt.de

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