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Medizin

Herpes simplex: Gen-Editoren zerstören Virusgene in den Ganglien

Mittwoch, 9. September 2020

Herpes Simplex Virus /picture alliance, BSIP, CAVALLINI JAMES

Seattle – US-Forscher haben eine Gentherapie des Herpes simplex 1 entwickelt. Dabei werden die Gene der Viren, die sich im Erbgut der sensiblen Ganglien integriert haben, mit einem Gen-Editor gezielt zerschnitten.

Den Forschern ist es einer Studie in Nature Communications (2020; DOI: 10.1038/s41467-020-17936-5) zufolge gelungen, mehr als 90 % der Gene zu zerstören, was vermutlich ausreichen würde, um die Exazerbationen eine Herpes labialis beim Menschen zu verhindern.

Nach Schätzungen der Welt­gesund­heits­organi­sation infizieren sich 2/3 aller Menschen bis zum Alter von 50 Jahren mit dem Typ 1 des Herpes-simplex-Virus (HSV-1). Die Erkrankung ist derzeit nicht heilbar, weil das Virus seine Gene in das Erbgut der Zellen der Spinal­ganglien und der autonomen Ganglien integriert.

Dort kommt es auf bestimmte Reize hin zur Bildung neuer Viren, was einen Krankheitsschub auslöst, der sich beim HSV-1 durch Bläschen an den Lippen, dem Herpes labialis, äußert.

Medikamente können derzeit nur die Bildung der Viren nach einer Reaktivierung verhindern. Eine radikalere Behandlung strebt nach der Zerstörung der Gene in den Ganglien. Dies ist heute im Prinzip mit sogenannten Gen-Editoren möglich. Sie bestehen aus einer kurzen RNA-Sequenz, die an einer bestimmten Stelle des Erbguts bindet, und einem Enzym, das den DNA-Strang dort durchtrennt.

Ein Team um Keith Jerome vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle hat die Therapie an Mäusen untersucht, die zuvor gezielt mit HSV-1 infiziert wurden. In der latenten Phase, wenn sich die Virusgene bereits in den Ganglien eingenistet hatten, wurden die Tiere mit Gen-Editoren behandelt.

Damit die Gen-Scheren die Neurone in den Ganglien erreichen, wurden sie in verschiedene adeno-assoziierte Viren (AAV) verpackt. Die Forscher erprobten verschiedne AAV, die sie mit unterschiedlichen Gen-Editoren beluden.

Die besten Ergebnisse wurden nicht mit CRISPR/Cas9 erzielt, der vermutlich bekanntesten „Genschere“. Als geeigneter erwiesen sich Meganukleasen, die ihr Ziel leichter erreichen.

Bei einem Transport mit dem AAV „1–8-Rh10“ und der Verwendung von 2 Meganukleasen, die unterschiedliche HSV-1-Gene angriffen, wurde die Zahl der intakten HSV-1 um 92 % gesenkt. Dies könnte nach Einschätzung von Jerome ausreichen, um die Zahl der Viren bei einer Reaktivierung so weit zu senken, dass es nicht mehr zur Bildung von Bläschen kommt.

Die Forscher verfolgen derzeit eine ähnliche Strategie für Herpes simplex 2, das den in der Regel sehr viel unangenehmeren Herpes genitalis verursacht. Die Entwicklung der Behandlung befindet sich noch in einem frühen Stadium. Bis zum Beginn der ersten klinischen Studien werden noch mindestens 3 Jahre vergehen, schreiben die Forscher. © rme/aerzteblatt.de

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