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Medizin

Vitamine und Steroide können Organe bei Sepsis nicht schützen

Donnerstag, 27. August 2020

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Boston – Die Kombination von Vitamin C und B1 mit einem Kortikosteroid, die Sepsis­patienten vor dem drohenden Organversagen schützten soll, hat sich in einer randomisierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2020; DOI: 10.1001/jama.2020.11946) als unwirksam erwiesen.

Bei einer Sepsis kommt es trotz einer gezielten Bekämpfung der Bakterien mit Antibiotika häufig zu einem multiplen Organversagen, das für die hohe Sterblichkeit der Patienten verantwortlich ist. Viele Patienten haben einen Vitaminmangel, dessen Ausgleich erstrebenswert erscheint.

Die antioxidative Wirkung von Vitamin C (Ascorbinsäure) könnte außerdem dazu beitragen, die Permeabilität der Endothelien zu vermindern. Vitamin B1 (Thiamin) wird eine Schutzwirkung auf die Mitochondrien nachgesagt.

Nachdem eine Klinik in Chest (2017; DOI: 10.1016/j.chest.2016.11.036) über gute Erfahrungen mit der Kombination der beiden Vitamine mit Hydrocortison berichtet hatte, wurde die Behandlung in einer größeren randomisierten Studie untersucht.

An der ACTS-Studie („Ascorbic Acid, Corticosteroids, and Thiamine in Sepsis“) nahmen an 6 US-Zentren 205 Patienten teil, bei denen es aufgrund einer (vermuteten oder bestätigten) bakteriellen Infektion zu einem Schockzustand (mit Notwendigkeit einer Vasopressor-Gabe) gekommen war.

Zusätzlich zur Standardtherapie des septischen Schocks wurden die Patienten auf eine Behandlung mit einer Kombination aus Ascorbinsäure (1.500 mg), Hydrocortison (50 mg) und Thiamin (100 mg) oder Placebo randomisiert, die über 4 Tage alle 6 Stunden wiederholt wurde.

Primärer Endpunkt war die Veränderung im SOFA-Score („Sequential Organ Failure Assessment“), der die Organfunktion der Patienten mit insgesamt 0 bis 24 Punkten beurteilt, wobei 0 Punkte das beste Ergebnis ist.

Wie das Team um Michael Donnino vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston berichtet, blieb die erhoffte günstige Wirkung auf die Organfunktion aus. In den ersten 72 Stunden starben in der Interventionsgruppe 10 Patienten (9,9 %) gegenüber 9 Patienten (9,1 %) in der Placebogruppe.

Der SOFA-Score verbesserte sich bei den übrigen Patienten während dieser Zeit in der Interventionsgruppe von 9,1 auf 4,4 Punkte gegenüber einer Verbesserung von 9,2 auf 5,1 Punkte in der Placebogruppe. Die adjustierte mittlere Differenz von 0,8 Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von -0,2 bis 1,7 Punkten nicht signifikant und sie hatte keinen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Erkrankung.

Die Inzidenz eines Nierenversagen war in der Interventionsgruppe mit 31,7 % sogar tendenziell höher als in der Placebogruppe mit 27,3 % (adjustierte Risikodifferenz 0,03; -0,1 bis 0,2), ebenso die 30-Tage-Sterblichkeit mit 34,7 % gegenüber 29,3 % in der Placebogruppe (Hazard Ratio 1,34; 0,80 bis 2,26).

Die häufigsten schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse waren Hyperglykämie (12 versus 7 Patienten), Hypernatriämie (11 versus 7 Patienten) und eine im Krankenhaus neu erworbene Infektion (13 versus 12 Patienten).

Die Ergebnisse unterstützen deshalb nach Einschätzung der Autoren nicht den Einsatz der beiden Vitamine in Kombination mit Hydrocortison. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #664280
joma1014
am Freitag, 28. August 2020, 16:11

Zu niedrig dosiert

Bei einer Sepsis ist die Hydrocortisonproduktion um das 10 bis 30-fache erhöht, liegt also zwischen 100 und 300 mg pro Tag. Was ändert da eine Infusion von 50 mg/Tag ? Minimum wäre unter Kontrolle der Vitalparameter die Infusion von 100 mg/Tag, evtl. etwas höher. Vitamin C ist ebenfalls zu niedrig dosiert, 4 bis 6 g/Tag wären eher angemessen. Also, vergesst die Studie.
Avatar #840349
astaroth
am Donnerstag, 27. August 2020, 22:17

Hr. Wolfbeißer hat Recht

Diese Studie war vermutlich nicht umsonst, aber vergebens.
Warum hat man nur 1,5 gr. Vitamin C genommen? 10-20 gr. wären interessant gewesen.
Das ist so als wenn man ein Großfeuer löschen möchte, einen Feuerwehrmann zu Fuß schickt mit einer Sprühflasche halb voll mit Wasser. Der macht dann 2 Sprühstöße und sagt anschließend: "Wasser ist untauglich zum Feuer löschen."
Aber wie Hr. Wolfbeißer schon geschrieben hat: 2 Vitamine? Einmal B1 und einmal C, was hat man erwartet?
Die Biochemie im Körper ist viel komplexer und es braucht ein wenig mehr.
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Donnerstag, 27. August 2020, 19:56

Der Mensch findet

mit bloß 2 Mikronährstoffen nicht das Auslangen. Es ist von insgesamt 91 Nährstoffen die Rede, die für den Menschen essentiell sind. 60 von diesen Mineral- bzw. Spurenstoffe. Angesichts des Umstandes, dass Studien gemacht werden, bei welchen die Wirkung von nur zwei Mikronährstoffen überprüft wird, ist man zu vermuten geneigt, dass es Ziel solcher Studien ist, zu belegen, dass von Mikronährstoffen keine Wirkung zu erwarten ist. — https://de.wikipedia.org/wiki/Minimumgesetz , https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32340216/
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Donnerstag, 27. August 2020, 19:44

2 Vitamine

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