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Politik

Überschüsse bei den Krankenkassen und Defizit beim Gesundheitsfonds

Mittwoch, 19. August 2020

/Comugnero Silvana, stock.adobe.com

Berlin – Die 105 Krankenkassen haben im ersten Halbjahr 2020 einen Einnahmenüber­schuss von rund 1,3 Milliarden Euro erzielt. Im ersten Quartal hatten sie noch ein Defizit von 1,3 Milliarden Euro ausgewiesen. Der Gesundheitsfonds verbuchte in den Monaten Januar bis Juni ein Defizit von 7,2 Milliarden Euro. Diese Zahlen legte heute das Bundes­gesundheitsministerium (BMG) vor.

„Weil Patienten in der ersten Jahreshälfte weniger zum Arzt und ins Krankenhaus gegan­gen sind, sind die Ausgaben der Krankenkassen vor allem in den Monaten April bis Juni gesunken. Aber das ist nur eine Momentaufnahme“, erläuterte Bundesgesundheitsminis­ter Jens Spahn (CDU). Welche Auswirkungen die Coronapandemie auf die Krankenkassen und den Gesundheitsfonds haben wird, werde man erst im Herbst einschätzen können.

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Dann werde man auch entscheiden, so das BMG, in welchem Umfang im Jahr 2021 zu­sätzliche Bundesmittel in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) und der sozialen Pflegeversicherung (SPV) bereitgestellt werden müssen.

Zunächst wolle man gemeinsam mit dem GKV-Spitzenverband und den Krankenkassen die aktuelle Entwicklung analysieren und die weiteren Perspektiven zur Einnahmen- und Ausgabenentwicklung der Krankenkassen und des Gesundheitsfonds für dieses und das kommende Jahr erörtern.

Im ersten Halbjahr standen den Einnahmen der Krankenkassen in Höhe von 129,9 Milliar­den Euro Ausgaben von rund 128,6 Milliarden Euro gegenüber. Damit sind die Einnahmen der Krankenkassen um 4,2 Prozent gestiegen. Die Finanzreserven der Krankenkassen sind bis Ende Juni auf rund 20,8 Milliarden Euro gestiegen.

Die Ausgaben für Leistungen und Verwaltungskosten verzeichneten bei einem Anstieg der Versichertenzahlen von 0,3 Prozent einen Zuwachs von 2,3 Prozent. Im 1. Quartal hatte der Ausgabenzuwachs noch bei 5,6 Prozent gelegen. Die Ausgaben der Kranken­kassen sind in den Monaten April bis Juni im Vergleich zum Vorjahresquartal also um 0,9 Prozent zurückgegangen.

Bis auf die Knappschaft Bahn See (KBS), die ein Defizit von rund 50 Millionen Euro erziel­te, verbuchten alle Kassenarten Überschüsse: die Ersatzkassen erzielten ein Plus von 908 Millionen Euro, die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) von 320 Millionen Euro, die Be­triebskrankenkassen (BKK) von 50 Millionen Euro, die Innungskrankenkassen (IKK) von 46 Millionen Euro und die landwirtschaftliche Kran­ken­ver­siche­rung (LKV) von 21 Millio­nen Euro.

Das BMG verweist diesbezüglich auf die Folgen der Coronapandemie. In einer Reihe von Leistungsbereichen sei es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu Ausgabenrückgängen bei den Krankenkassen gekommen.

So hat der Rückgang bei planbaren Leistungen bei den Krankenhausausgaben im 1. Halb­jahr zu einem Minus von 2,4 Prozent geführt. Bei Vorsorge- und Reha-Maßnahmen gab es einen Rückgang 15,2 Prozent, bei zahnärztlicher Behandlung von 3,6 Prozent, beim Zahn­ersatz von 9,0 Prozent und bei Heilmitteln von 1,8 Prozent.

Zu den vorläufigen Finanzergebnissen der GKV für das erste Halbjahr 2020 erklärte Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, das Ergebnis zeige, dass die Krankenkassen trotz der Coronapandemie insgesamt noch über stabile Finanzen verfü­gen.

Allerdings lasse sich aus diesen Zahlen keine Prognose für das Gesamtjahr ableiten. Bei­spielsweise sei der extreme Rückgang der Krankenhausausgaben während der Monate des Lockdowns ein Sondereffekt, der sich so wohl kaum wiederholen werde.

Man müsse davon ausgehen, so Pfeiffer, dass die Ausgaben für die medizinische Versorg­ung auch ohne Coronaeffekte weiter ansteigen werden, während die Einnahmesituation ab dem kommenden Jahr aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sehr schwie­rig wird.

Deshalb bedürfe es einer „großen gemeinsamen Anstrengung aller Akteure im Gesund­heitswesen und der Politik“, um die finanzielle Stabilität der GKV auch im kommenden Jahr zu sichern. © EB/aerzteblatt.de

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