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Medizin

Feinstaub erhöht Asthmarisiko bei Kindern

Freitag, 11. September 2020

/bubutu, stock.adobe.com

Aarhus – Eine erhöhte Feinstaubkonzentration der Luft am Wohnort gehörte in einer landesweiten Fall-Kontroll-Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2020; DOI: 10.1136/bmj.m2791) neben einer positiven Familienanamnese, dem Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft sowie einer sozioökonomischen Benachteiligung zu den wichtigsten Risikofaktoren für ein Asthma bronchiale oder andere obstruktive Atemwegserkran­kungen („wheezing“) von Kindern.

Asthmaerkrankungen treten oft familiär gehäuft auf. Bei vielen Patienten leidet auch der Vater und/oder die Mutter an Asthma oder anderen allergischen Erkrankungen. Diese genetische Prädisposition kann jedoch die starke Zunahme der Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten nicht erklären. Neben einer vermehrten Aufmerksamkeit und einer verbesserten Diagnostik könnten deshalb auch Umweltfaktoren oder soziale Ursachen eine Rolle spielen.

Ein Team um Torben Sigsgaard von der Universität in Aarhus hat hierzu die dänischen Krankheitsregister analysiert, in der die Einwohner mit derselben Identifikationsnummer verzeichnet sind, was registerübergreifende Analysen ermöglicht. Die Forscher ermit­telten zunächst 122.842 Kinder im Alter von bis zu 15 Jahren, die wenigstens 2 Mal in ihrem Leben Asthmamedikamente verordnet bekommen hatten. Jedem Kind wurde 25 Kontrollen ohne Asthma gegenübergestellt.

Informationen über Asthmaerkrankungen der Eltern entnahmen die Forscher einem nationalen Patientenregister. In einem nationalen Geburtsregister war erfasst worden, ob die Mutter während der Schwangerschaft geraucht hatte. Die Luftqualität in Dänemark wird seit Jahren erfasst. Informationen zur Bildung und zum Einkommen sind in Dänemark für Epidemiologen ebenfalls frei zugänglich.

Die Analyse ergab, dass eine positive Familienanamnese mit Abstand der wichtigste Risikofaktor für eine Asthmaerkrankung des Kindes ist. Wenn beide Elternteile an Asthma erkrankt sind, ist das Risiko für das Kind mehr als 2-fach erhöht. Sigsgaard ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio von 2,29, die mit einem engen 95-%-Konfidenzintervall von 2,22 bis 2,35 keinen Zweifel am Einfluss der Gene lässt.

Doch die Gene erklären nicht alles. Zu den Umweltfaktoren im weitesten Sinne gehört das Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft, die den Feten mit zahlreichen Schadstoffen des Tabakrauchs exponiert. Diese Kinder hatten ein um 20 % erhöhtes Erkrankungsrisiko. Die adjustierte Hazard Ratio von 1,20 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,18 bis 1,22 ebenfalls eindeutig.

Zu den sozioökonomischen Faktoren zählen ein geringes Haushaltseinkommen und Bildungsmangel. Sigsgaard kann zeigen, dass das Erkrankungsrisiko des Kindes mit zunehmendem Einkommen der Eltern sinkt.

In der höchsten Einkommensgruppe erkrankten die Kinder zu 15 % seltener (Hazard Ratio 0,85; 0,81 bis 0,89). Bei der Bildung war es ähnlich. Die Hazard Ratio für das höchste Bildungsniveau der Eltern betrug 0,72 (0,69 bis 0,75).

Bildung und Einkommen schützen für sich genommen natürlich nicht vor einer Asthmaerkrankung. Sie stehen jedoch für eine gesunde Lebensweise mit körperlicher Aktivität, gesunder Ernährung, den Verzicht auf Tabakrauchen und einen übermäßigen Alkohol und für eine bessere Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen, auch wenn letztere in Dänemark allen Einwohnern gleichermaßen angeboten werden.

In den Analysen zur Luftqualität wurden zunächst mehrere Faktoren gefunden, die mit einem erhöhten Risiko auf Asthma oder „wheezing“ assoziiert waren. Sigsgaard ermittelt eine Hazard Ratio von 1,05 (1,03 bis 1,07) für jeden Anstieg der Feinstaubkonzentration (PM2,5) um 5 µg/m3 und von 1,04 (1,03 bis 1,04) für einen entsprechenden Anstieg der PM10-Konzentration. Ein Anstieg der Stickoxide war ebenfalls mit einem erhöhten Asthmarisiko verbunden (Hazard Ratio 1,04; 1,03 bis 1,04).

Nach einer Berücksichtigung von Geschlecht, Alter und Kalenderjahr (Modell 1) sowie zusätzlich dem elterlichen Asthma (Modell 2) und Einkommen und Bildung der Eltern (Modell 3) blieb nur noch der Feinstaub PM2,5 als unabhängiger Risikofaktor erhalten. Dies entspricht den derzeitigen pathogenetischen Vorstellungen, nach denen der bis in die tiefen Atemwege eindringende Feinstaub die Atemwege reizt und immunologische Reaktionen hervorruft, die dann beim Kind zum Asthma führen.

Wie immer bei epidemiologischen Studien lassen sich die Lebensumstände nicht vollständig erfassen. In der aktuellen Studie fehlten Informationen zur Ernährung und körperlichen Aktivität, zum Raumklima und zur Exposition mit Allergenen sowie peri­natale und kindliche Faktoren wie Kaiserschnitt, Stillen, Infektionen, die das Erkran­kungs­risiko ebenfalls beeinflussen könnten. © rme/aerzteblatt.de

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