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Rheumatologen sehen medizinische Versorgung gefährdet

Freitag, 21. August 2020

/narstudio, stock.adobe.com

Berlin – Der Mangel an Rheumatologen gefährdet mittlerweile die Versorgung in Deutschland. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) gestern hingewiesen. Grund ist zu wenig Nachwuchs.

„Um eine gute Versorgung zu gewährleisten, bräuchten wir mindestens 1.350 internisti­sche Rheumatologen“, sagte Vorstandsmitglied der DGRh Hanns-Martin Lorenz. Zurzeit liege deren Zahl mit 750 aber nur bei etwa der Hälfte.

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Eine Folge davon sei, dass rheumatologische Erkrankungen häufig zu spät erkannt und damit auch zu spät behandelt würden. Selbst eine rheumatoide Arthritis – mit 60.000 bis 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste und bekannteste Rheumaart – werde im Schnitt erst nach neun Monaten diagnostiziert.

Patienten mit selteneren Rheumaformen müssten noch deutlich länger, zum Teil mehrere Jahre, auf Diagnose und Therapie warten. „Für die Betroffenen kann das gravierende Fol­gen haben“, mahnte Lorenz.

Sie litten nicht nur unnötig lange unter den Symptomen ihrer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, die fast immer mit Schmerzen und Abgeschlagenheit einhergehe. Auch der weitere Krankheitsverlauf hänge wesentlich davon ab, wie rasch eine wirksame Therapie starte.

Laut DGRh ist es nötig, die Zahl der rheumatologischen Weiterbildungsstellen deutlich zu erhöhen. Das Problem sei aber, dass die Weiterbildung in Deutschland in der Klinik dieser nicht vergütet werde, sondern über die Patientenversorgung und damit über die Fallpau­schalen finanziert werde.

„Durch die Fallpauschalen zerfällt die Klinik in finanzkräftige und weniger finanzkräftige Abteilungen und damit in Abteilungen, denen mehr und anderen, denen weniger Weiter­bil­dungsstellen zugeteilt werden“, kritisierte Lorenz.

„Die Rheumatologie als eher ambulant ausgerichtete Fachdisziplin, die im Vergleich kei­ne großen Umsätze generiert, bleibt hier systematisch unterversorgt“, ergänzte der DGRh-Vorstandsvorsitzende Hendrik Schulze-Koops vom Klinikum der Universität München.

Die DGRh fordert daher eine Mindestzahl von Weiterbildungsstellen in der Rheuma­tolo­gie. „Die Schwerpunkte in den Krankenhäusern dürfen nicht nur nach finanziellen Ge­sichtspunkten gesetzt werden, sondern hauptsächlich nach dem Bedarf in der Bevölke­rung“, so Lorenz.

Kritik an der Finanzierung der Weiterbildung in der Klinik kommt auch aus anderen Fach­gebieten. „Die Weiterbildung wird als solche in Deutschland nicht bezahlt. Die Klinik muss die Finanzierung aus ihrem Budget stemmen“, sagte Marco Niedergethmann, Chef­arzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Alfried Krupp Krankenhaus Essen, dem Deutschen Ärzteblatt. Das mache es den Kliniken schwer, innovative Weiterbildungs­konzepte zum Beispiel mit Patientensimulatoren umzusetzen. © hil/aerzteblatt.de

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