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Medizin

SARS-CoV-2: Kinder können auch bei hoher Viruslast asymptomatisch bleiben

Donnerstag, 20. August 2020

/famveldman, stock.adobe.com

Boston – Eine Untersuchung von pädiatrischen Patienten, die wegen eines Verdachts auf SARS-CoV-2 in einer größeren US-Klinik untersucht wurden, kommt im Journal of Pediatrics (2020; DOI: 10.1016/j.jpeds.2020.08.037) zu dem Ergebnis, dass nur jedes zweite infizierte Kind unter Fieber litt. Auch bei asymptomatischen Kindern wurden teilweise hohe Viruskonzentrationen in den Nasen- und Rachenabstrichen gefunden.

Auch in den USA wird derzeit intensiv darüber diskutiert, ob die Wiedereröffnung der Schulen im Herbst sicher ist. Viele Schulen planen ein Fieberscreening und Tests bei symptomatischen Schülern. Pädiater am Massachusetts General Hospital in Boston bezweifeln, dass diese Maßnahmen ausreichen.

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Die Bedenken gründen sich auf die Auswertung einer Untersuchung von 122 Kindern und Jugendlichen im Alter bis zu 22 Jahren, die sich wegen des Verdachts einer SARS-CoV-2-Infektion in der Klinik vorgestellt hatten. Insgesamt 11 Kinder waren ohne Symptome. Sie waren untersucht worden, weil eine Kontaktperson, in der Regel die Eltern, an COVID-19 erkrankt war.

Von den 11 Kindern waren 3 (27 %) mit COVID-19 infiziert. Die Viruslast war bei ihnen nicht geringer als bei den symptomatischen Patienten. Nach den Angaben von Lael Yonker und Mitarbeitern war die Viruskonzentration bei den asymptomatischen Patienten und den Patienten mit milden Symptomen zu Beginn der Erkrankung sogar höher als in einer Vergleichsgruppe von erwachsenen Patienten, die wegen eines schweren Verlaufs der Erkrankung hospitalisiert wurden. Yonker schließt daraus, dass asymptomatische Kinder andere Kinder in der Schule infizieren könnten.

Ob dies in der Wirklichkeit geschieht und wie hoch das Risiko wäre, kann die Studie nicht klären, da es sich um keine repräsentative Auswahl handelt. Die Studie lässt vermuten, dass sich COVID-19 von den Symptomen her nicht von anderen Atemwegserkrankungen unterscheidet, was für die Situation im Herbst, wenn andere Atemwegserkrankungen zunehmen, wichtig werden könnte.

Die mit SARS-CoV-2 infizierten Kinder litten zu 51 % gegenüber 47 % der negativ getesteten Kinder unter Fieber. Eine Kontrolle der Temperatur wäre demnach nicht in der Lage, alle Erkrankungen zu erkennen. Auch Husten (47 versus 39 %), eine behinderte Nasenatmung (35 versus 22 %), Rhinorrhoe (29 versus 22 %) und Kopfschmerzen (27 versus 24 %) liefern keine sicheren Hinweise für die Unterscheidung einer milden COVID-19 von anderen Atemwegsinfektionen. Geruchsstörungen waren mit 24 % versus 2 % ein deutliches Zeichen für SARS-CoV-2, für ein Screening waren sie aber zu selten.

Keines der Kinder hatte die üblichen Risikofaktoren für eine schwere COVID-19 wie Herzerkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes. Immerhin jedes vierte Kind (27 versus 10 %) war jedoch adipös.

Die meisten Kinder werden die Infektion ohne Folgen überleben, es sei denn, sie gehören zu den wenigen Kindern, die an einem MIS-C („Multisystem Inflammatory Syndrome in Children“) erkranken. Diese Kinder leiden unter hohem Fieber (eines der wesentlichen Kriterien für MIS-C), sind in der Regel aber nicht mehr ansteckend. Das MIS-C ist vermutlich Folge einer pathologischen Immunreaktion, zu der es nach der Bildung der Antikörper kommt, die die Viren in der Regel beseitigen.

Die Forscher haben auch die Konzentration der ACE2-Rezeptoren auf den Zellen der Schleimhaut untersucht. Die ACE2-Expression nahm mit dem Alter der Kinder zu. Dies weist darauf hin, dass jüngere Kinder vermutlich ein niedrigeres Infektionsrisiko haben. Wenn sie sich aber mit SARS-CoV-2 infiziert hatten, war die Viruskonzentration in der Studie nicht niedriger als bei älteren Kindern mit einer höheren ACE2-Expression.

Die Forscher raten dringend dazu, sich nach der Öffnung der Schulen nicht allein auf ein Temperatur- oder Symptom-Monitoring zu verlassen. Andere Maßnahmen zur Infektions­kontrolle, wie soziale Distanzierung, Mund-Nase-Schutz, das häufige Waschen der Hände und die Kombination aus Fern- und persönlichem Lernen sollten nach Möglichkeit beibehalten werden. Sinnvoll wären nach Ansicht der Forscher auch routinemäßige Abstrichuntersuchungen der Kinder. © rme/aerzteblatt.de

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