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Medizin

Bisphosphonate: Risiko von atypischen Femurfrakturen geht nach dem Absetzen rasch zurück

Donnerstag, 10. September 2020

/praisaeng, stock.adobe.com

San Francisco – Die Behandlung mit Bisphosphonaten verhindert weitaus mehr osteoporotische Frakturen, als dass sie die Anwenderinnen durch atypische Femur­frakturen gefährdet.

Zu dieser positiven Nutzen-Risiko-Einschätzung kommt eine Analyse von Kranken­versichertendaten im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa1916525). Es gibt allerdings Bevölkerungsgruppen mit einem erhöhten Risiko.

Bisphosphonate haben sich nach ihrer Einführung in den 1990er Jahren schnell zum Mittel der Wahl zur Behandlung der Osteoporose entwickelt. Der klinische Nutzen ist durch zahlreiche klinische Studien belegt. In den letzten Jahren wurde jedoch immer deutlicher, dass die Mittel, die Knochenbrüche verhindern sollen, sie an anderer Stelle auch auslösen können.

Die ersten Berichte von ungewöhnlichen Knochenbrüchen im Femurschaft liegen mittlerweile 15 Jahre zurück. In den letzten Jahren wurde auch in den Medien häufiger darüber berichtet, was viele Anwenderinnen verunsichert hat.

Im Versorgungsalltag sind die atypischen Femurfrakturen relativ selten. Von den 196.129 Frauen im Alter von über 50 Jahren, die bei dem Versicherer Kaiser Permanente in Südkalifornien eingeschrieben sind, wurde die Diagnose in einem 10-Jahres-Zeitraum nur 277 Mal gestellt. Dies entspricht einer Inzidenz von 1,74 auf 10.000 Personenjahre.

Das Risiko ist jedoch nicht gleich verteilt. Nach den Berechnungen von Dennis Black von der Universität von San Francisco und Mitarbeitern steigt das Risiko mit der Dauer der Behandlung auf bis zu 13,10 auf 10.000 Personenjahre nach 8 Jahren Behandlung an.

Frauen asiatischer Herkunft erkranken ebenfalls deutlich häufiger (5,95 auf 10.000 Personenjahre) als Frauen europäischer Herkunft (1,09 auf 10.000 Personenjahre) oder Afroamerikanerinnen (0,20 auf 10.000 Personenjahre). Weitere Risikofaktoren (mit einem allerdings geringeren Einfluss) waren eine geringe Körpergröße und ein höheres Körpergewicht.

Black versucht eine Nutzen-Risiko-Abwägung, indem er die atypischen Femurfrakturen mit den durch die Behandlung vermiedenen Hüftfrakturen in Verbindung setzt. Grundlage sind die Ergebnisse der „Study of Osteoporotic Fractures“, einer Kohorten­studie zur Häufigkeit von osteoporotischen Frakturen aus der Zeit vor der Einführung der Bisphosphonate.

Die Berechnungen ergeben, dass nach 3 Jahren Behandlung bei Frauen europäischer Herkunft auf 10.000 Frauen 149 Hüftfrakturen verhindert werden und 2 atypische Femurfrakturen durch Bisphosphonate ausgelöst werden. Bei den Asiatinnen war das Nutzen-Risiko-Verhältnis mit 91 vermiedenen und 8 zusätzlichen Frakturen im Ober­schenkelbereich deutlich geringer.

Für diese Frauen und solche mit anderen Risikofaktoren (höheres Alter, frühere Knochenbrüche, langjährige Steroidtherapie) stellt sich durchaus die Frage, ob nach einer längeren Behandlung eine Pause sinnvoll wäre. Die gute Nachricht ist, dass das Risiko einer atypischen Femurfraktur unter den Versicherten von Kaiser Permanente bereits nach einem Vierteljahr zurückging.

2 kürzlich veröffentlichte Studien haben laut Black ergeben, dass das osteoporotische Frakturrisiko während solcher „Drug Holidays“ nur gering ansteigt. Allerdings bleibt dies eine nicht ganz risikolose Entscheidung, da die vorliegende retrospektive Analyse nur eine geringe Evidenz für sich beanspruchen kann. © rme/aerzteblatt.de

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