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Medizin

Studie: Weniger schwere Asthmaattacken im Lockdown

Montag, 14. September 2020

/bubutu, stock.adobe.com

Philadelphia – Nach Beginn des Lockdowns ist die Zahl der Kinder, die wegen schwerer Asthmaattacken an einer Kinderklinik der US-Großstadt Philadelphia behandelt wurden, um mehr als die Hälfte zurückgegangen, was die Forscher im Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice (2020; DOI: 10.1016/j.jaip.2020.07.057) auf die gleichzeitige Abnahme von Rhinovirusinfektionen zurückführen, die ein wichtiger Trigger von Asthmaanfällen im Kindesalter sind.

In Philadelphia begann der Lockdown am 17. März. Alle nicht systemrelevanten Betriebe und die Schulen wurden geschlossen. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Zu den Ausnahmen der „Stay at home“-Order gehörten ärztliche Behandlungen.

Doch obwohl die Bevölkerung nicht vom Arztbesuch abgehalten wurde, verzeichneten die Pädiater am Children’s Hospital of Philadelphia eine deutliche Reduktion in der Zahl der Kinder, die wegen Asthmaanfällen behandelt wurden.

Bei den ambulanten Behandlungen kam es zu einer Reduktion um 87 %. Die Zahl der stationären Behandlungen (einschließlich der Notfälle) nahm um 84 % ab. Bei den telefonischen Konsultationen kam es zu einem Anstieg um 19 %, und die eiligst eingerichteten Video-Sprechstunden wurden laut dem Team um Sarah Henrickson gut angenommen. Insgesamt blieb es jedoch bei einem Rückgang der schweren pädia­trischen Asthmaerkrankungen um 60 %.

Die Ursache vermuteten die Pädiater entweder in einer Verbesserung der Luftqualität oder im Rückgang von Atemwegsinfektionen. Beides kann schwere Asthmaattacken provozieren. Die Luftqualität hatte sich tatsächlich gebessert. Die Abnahme der Feinstaub- und Stickoxid-Konzentrationen entsprach jedoch der normalen Veränderung im Frühjahr gegenüber den Wintermonaten. Die Zahl der Asthmaerkrankungen war jedoch auch im mehrjährigen Vergleich deutlich zurückgegangen.

Bei den Atemwegserkrankungen fiel der Verdacht zunächst auf die Grippewelle. Doch die Infektionen mit Influenza A und B waren Mitte März bereits rückläufig. Auch die jährliche Welle der RSV-Infektionen war abgeebbt. Die Infektionen mit den gewöhnlichen Rhinoviren hatte jedoch gerade ihren Gipfel erreicht, als wegen der SARS-CoV-2-Epidemie der Lockdown ausgerufen wurde.

Als Folge des Social Distancing kam es nach dem 17. März zu einem deutlichen Rückgang der Rhinovireninfektionen. Für die Immunologen liefert dies eine plausible Erklärung für den Rückgang der Asthmaattacken, da Rhinoviren ein bekannter Trigger für schwere Asthmaanfälle sind.

Eine weitere Erklärung, die die Forscher wegen fehlender Daten nicht klären konnten, war ein Rückgang der Allergen-Exposition aufgrund des Lockdowns. Auch die Angst, sich in der Klinik mit SARS-CoV-2 zu infizieren, könnte zum Rückgang der Behandlungszahlen beigetragen haben. Dagegen spricht allerdings, das die Verordnungszahlen bei den normalen Asthmamedikamenten gleich blieben. © rme/aerzteblatt.de

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