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Ärzteschaft

Labore am Testlimit: Rückstau wird Woche für Woche größer

Mittwoch, 26. August 2020

/picture alliance, Daniel Bockwoldt

Berlin – Die Testung der Reiserückkehrer auf das SARS-CoV-2-Virus bringt die fachärztli­chen Labore in Deutschland bereits jetzt an und über ihre Kapazitätsgrenzen hinaus. Im Bundesdurchschnitt seien die Labore zu 85 Prozent ausgelastet, in einigen Bundeslän­dern seien aber auch Spitzenaus­lastungen von mehr als 100 Prozent zu beobachten, be­richteten die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) gestern.

Die Zahl der durchgeführten PCR-Tests auf SARS-CoV-2 ist in den 153 ausgewerteten La­boren in der 34. Kalenderwoche erneut drastisch angestiegen – um 17 Prozent auf mitt­lerweile 889.815. Die Positivrate blieb mit 0,9 Prozent annähernd gleich.

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Während in der Vergangenheit alle aufgelaufenen Tests bis Sonntagabend hätten abgear­beitet werden können, habe der Rückstau an PCR-Tests auf SARS-CoV-2 am vergangenen Montag (17. August) bereits bei mehr als 25.000 gelegen. In der Vorwoche seien es noch rund 13.000 gewesen.

Diese Zahlen stellen circa 90 Prozent des gesamten Testgeschehens in Deutschland dar. Die maximale kurzfristig verfügbare Testkapazität lag bei 1.064.000. Damit waren die La­bore durchschnittlich zu 85 Prozent ausgelastet.

Bei einigen Laboren wurde dagegen Vollauslastung erreicht. Obwohl die Sommerferien in einigen Bundesländern bereits zu Ende gegangen sind, steigen die Testzahlen weiterhin an.

Labormediziner warnen vor Triage-Situation

Eine Umverteilung der Tests zwischen den Laboren und Bundesländern sei logistisch nicht ohne Weiteres möglich. ALM-Vorstand Jan Kramer warnte, dass im schlimmsten Fall eine Situation entstehen könnte, in der eine Triage stattfinden müsse.

„Wir können diesen Druck aufs System nicht länger aushalten und unsere engagierten und seit Monaten an der Leistungsgrenze arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht weiter überlasten“, sagte er.

Und Michael Müller, 1. Vorsitzender des ALM, mahnte, dass es sich bei der Corona­pande­mie „um einen Marathon handelt, und nicht um einen Sprint“. Das Ziel müsse eine mitt­le­re Auslastung des Systems bei 65 bis 80 Prozent sein, sagte er.

Bereits heute überstiegen die Testanforderungen in vielen Laboren die rationierten Lie­fer­mengen an Reagenz- und Verbrauchsmaterialien. Sollten jetzt noch weitere regionale Ausbrüche hinzukommen, würde uns das in die Knie zwingen, so Kramer.

„Schlau wäre es, jetzt die Kapazitäten zu bunkern, um dann in der Erkältungssaison gefeit zu sein“, ergänzte der ALM-Vorstand, dem anderenfalls „vor einer Erkältungszeit mit lee­ren Lagern graut“.

Sein Fazit lautet, dass der derzeitige Aufwand volkswirtschaftlich angesichts der niedri­gen Positivrate nicht sinnvoll sei. Die Bestrebungen, die Teststrategie anzupassen und Reiserückkehrer nicht mehr ungezielt zu testen, begrüßen die Labormediziner, mahnen aber auch, dass damit sofort begonnen werden müsse, nicht erst im September oder gar erst Anfang Oktober.

Alternativen Möglichkeiten, die Testkapazitäten zu schonen, steht der ALM skeptisch ge­genüber: Das Pooling von Tests etwa gehe immer mit einem Sensitivitätsverlust einher, speziell in der Versorgungsrealität, betonte Kramer. Deshalb habe sich der ALM dazu entschlossen, hier sehr zurückhaltend zu sein.

Und auch in den neuen RT-LAMP-Tests sehen die Labore keine Lösung für die Kapazitäts­engpässe. Diese Schnelltests liefern basierend auf einer Speichelprobe innerhalb von einer Stunde ein Testergebnis. Doch bei einer breiten Anwendung befürchtet Kramer „ein Desaster“, denn die Tests seien nicht CE-zertifiziert, die Methodik sei stark abhängig von den Detektionsgeräten und es existiere kein standardisiertes Nachweisverfahren.

Ein „Segen und eine große Entlastung“ könnten dem ALM zufolge dagegen verlässliche Antigentests bringen. Diese seien aber frühestens für das vierte Quartal zu erwarten. Die in den USA im Fast-Track-Verfahren von der FDA bereits zugelassenen Antigentests seien qualitativ so schlecht (Sensitivität ≤ 80 Prozent), dass sie hierzulande nicht in die Versor­gung kommen könnten. © nec/aerzteblatt.de

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