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Politik

Testkapazitäten in Berlin ausgeschöpft

Montag, 24. August 2020

/picture alliance, Britta Pedersen

Berlin – Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hat eingeräumt, dass die Kapazitäten für Tests auf das SARS-CoV-2-Virus in Berlin an Grenzen stoßen. Sie seien durch die mas­siven Testungen der Reiserückkehrenden ausgeschöpft.

„Wir sind jetzt bei 93 Prozent“, sagte die SPD-Politikerin heute im Gesundheitsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Hinzu komme die Information durch die Labore, dass die Knappheit von Verbrauchsmaterialien die Testkapazitäten weiter einschränken werde.

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In den Ländern sei die Situation unterschiedlich. „Es ist ein Thema, das muss man einfach zur Kenntnis nehmen. Wir werden uns heute in der GMK-Schalte austauschen, wie wir weiter verfahren mit den Reiserückkehrenden.“

Die Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder wollen sich bei einer Schaltkonferenz am Nachmit­tag austauschen. Die Konferenzvorsitzende Kalayci verteidigte die Entscheidung, Tests für Reiserückkehrer etwa an Flughäfen und Bahnhöfen einzführen.

„Es war Konsens bundesweit hier einen Fokus zu setzen, weil wir über die Reiserück­keh­renden ein Einschleppungsrisiko gesehen haben.“ Die Zahlen in Berlin und bundes­weit in den letzten Wochen bestätigten das auch. Ein erheblicher Teil der Infektionen gehe auf Reiserückkehrende zurück.

„Auf der einen Seite zeigen die Testungen an den beiden Flughäfen, am ZOB und Haupt­bahnhof, dass ein Prozent ungefähr positiv sind. Man kann sagen, das ist eine sehr gerin­ge Quote“, erklärte Kalayci.

Auf der anderen Seite, wenn man einige zehntausend Testungen mache, dann gehe es um einige hundert Positive, die so identifiziert werden. „Ich glaube, das ist es tatsächlich wert. Ich finde diesen Beschluss der Ge­sund­heits­mi­nis­ter nach wie vor richtig“, so Kalayci. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #745246
Andre B.
am Mittwoch, 26. August 2020, 12:34

@isnydoc - Fragwürdige Zahlen und noch fragwürdigere Schlussfolgerungen

Vorweg möchte ich auch noch darauf hinweisen das NICHT wie von Ihnen angemerkt 60% der Bewohner getestest wurden, sondern 2153 von ingesamt 8500, was circa 25% entspricht und in Folge konnten bei 129 (6%) Personen spezifische Antikörper gegen SARS-CoV-2 gefunden werden.

Ganz grundsätzlich muss die Frage gestellt werden, nach WAS sucht das RKI überhaupt, welche Interpretationen können aus diesen Studien gewonnen werden und welchen Nutzen kann die Gesellschaft letztendlich daraus ziehen. Aufgrund aber der inzwischen bereits zahlreich vorhanden wissenschaftlichen Forschungsergbnisse dies bezüglich und u.a. geschuldet der Tatsache das serologische Tests überhaupt nur 1/5 der Infektionen erkennen können und sich somit SÄMTLICHE der erhobenen und abgeleiten Zahlen komplett verändern würden, was kann dann jetzt noch daraus verwertbares abgeleitet werden? Dringend abzuklären wäre ebenfalls, ob noch andere Erkältungserreger für die vermeindlichen durch Covid verursachten Symptome verantwortlich sein könnten. Wer aber immer nur die falschen Fragen aufwirft, der kann auch nur schlecht die richtigen Antworten darauf geben bzw. bekommen.

Wie außerdem der Wert von 2,6 ermittelt wurde erschließt sich mir nicht! Man hat damals 160 Menschen positiv gestestet und aktuell 129 Nachweise auf Antikörper, was aber wie gesagt weder zuverlässige Ableitungen oder Folgeaussagen ermöglicht und was auch nicht erklärt, wie nun eigentlich die jetzt genannte Dunkelziffer entsteht. Eventuell wird das in der Orginalstudie ersichtlich, aber aus dem ARD-Artikel erschließt sich das nicht. Die erstmalige Schätzung vom RKI war deutlich näher an der Realität und sehr wahrscheinlich ist viel eher von einer mindestens 5 - 6 mal so hohen Dunkelziffer auszugehen. Das ein solcher signifikanter Unterschied sich in Folge auch mehr als deutlich auf die vom RKI geschätze Zahl der Symptomlosen auswirken würde, das sollte ebenso klar sein.

Wieso sich das RKI trotz vorhandener Studienlage und im Wissen das unser Immunsystem mehrstufig aufgebaut ist und arbeitet, so sehr auf die Interpretation bzw den Nachweis von spezifischen Antikörpern versteift, muss mit der zu verfolgenden Gesamtagenda von Bundesregierung und RKI zu tun haben, aber hat mit seriöser und zweckdienlicher wissenschafftlicher Forschung NUR auf den ersten Bilck etwas gemein.
Avatar #672734
isnydoc
am Dienstag, 25. August 2020, 17:35

"Denn je mehr man testet, ..." und je mehr man vermutet!

Es ist bei SARS-CoV-2 eben sehr viel zu berücksichtigen, was die "Realität" anbelangt. Heute stellte man dazu in Bad Feilnbach eine neue Studie vor und dort wurden ca. 60% der Einwohner getestet - nicht wg. Urlaub sondern zur epidemiologischen Feldforschung.
Wir sollten häufiger gestehen, dass es eben keiner genau weiss ...
https://www.tagesschau.de/inland/rki-studie-corona-bad-feilnbach-101.html
Avatar #88767
fjmvw
am Dienstag, 25. August 2020, 13:52

Ob die Berliner Gesundheitssenatorin den Mathe-Unterricht geschwänzt

hat oder nicht, weiß ich nicht. Aber im Umgang mit Zahlen im Allgemeinen und beim Management von komplexen Aufgaben hat sie ganz bestimmt noch viel Luft nach oben. Wenn es heißt „Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hat eingeräumt, dass die Kapazitäten für Tests auf Covid-19 in Berlin an Grenzen stoßen. Sie seien durch die massiven Testungen der Reiserückkehrenden ausgeschöpft.“, dann ist doch offensichtlich, dass es ein Kapazitätsproblem gibt.

Die Senatorin hat diese Information völlig ignoriert. Sie führte in Kenntnis der Ausführungen der Berliner Labore völlig ungerührt aus: "Auf der anderen Seite, wenn man einige zehntausend Testungen macht, dann geht es um einige hundert Positive, die so identifiziert werden. Ich glaube, das ist es tatsächlich wert. Ich finde diesen Beschluss der Ge­sund­heits­mi­nis­ter nach wie vor richtig."

Ist Kalayci bei Trump in die Schule gegangen? Fakten ignorieren und eigene Fehlentscheidungen schönreden als Politikstil? Wenn es nicht genügend Kapazitäten gibt, dann müssen die Ressourcen bewirtschaftet werden. Etwas anderes geht nicht. Bevor Reiserückkehrer ohne Anlass getestet werden, ist zuerst Personen aus medizinischen Gründen zu testen (z. B. vor stationären Aufnahmen oder Gesundheitspersonal mit Kontakt zu Corona-Infizierten).

Mit der Begründung von Kalayci müsste man übrigens ganz Deutschland testen. Denn je mehr man testet, desto mehr positiv Getestete findet man. Das ist aus zwei Gründen nicht umsetzbar.

Erstens gibt es nicht ansatzweise ausreichend Testkapazitäten – das war übrigens die Botschaft der Labore und Drosten an die Gesundheitssenatorin. Deswegen sind die Überlegungen von Kalayci für die Tonne.

Zweitens kostet Testen Geld. Viele Tests kosten viel Geld und ganz viele Tests kosten ganz viel Geld. Nur weil es die Ärztefunktionäre, nicht nur in Berlin, vollkommen verschlafen haben, eine angemessene Honorierung für den Coronainduzierten Aufwand zu fordern und durchzusetzen, bedeutet das nicht, dass das kein Geld kostet. Früher oder später werden die Niedergelassenen gezwungen sein, die passenden Preisschilder an alle Tätigkeiten rund um Corona zu hängen. Denn niemand kann auf Dauer arbeiten, ohne dafür angemessen bezahlt zu werden. (Nur falls es interessieren sollte: Die Labore werden für ihre Arbeit angemessen bezahlt. Lediglich die Abstrich- und sonstigen Coronabehandelnden Ärzte werden dafür nicht bezahlt.)

Ein bisschen Mathematik und eine Mindestmaß beim Verstehen von komplexen Situationen wären in der Sache äußerst hilfreich. Wie sagte die Senatorin "Es ist ein Thema, das muss man einfach zur Kenntnis nehmen. Wir werden uns heute in der GMK-Schalte austauschen, wie wir weiter verfahren mit den Reiserückkehrenden." Es ist zu erwarten, dass einige Teilnehmer der GMK über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen und die Berliner Vertreterin einfach überstimmen werden.
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