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Politik

COVID-19: Ausbrüche in Krankenhäusern gefährlicher als in Praxen

Montag, 24. August 2020

/auremar, stock.adobe.com

Berlin – Bei einem SARS-CoV-2-Ausbruch in einem Krankenhaus infizieren sich im Schnitt mehr Menschen als bei einem Ausbruch in einer ambulanten Praxis. Das geht aus Daten hervor, die das Robert-Koch-Institut (RKI) am vergangenen Freitag erstmals veröffentlich­te. Institutsmitarbeiter hatten einzelne Infektionsfälle retrospektiv größeren Ausbruchs­geschehen zuordnen können.

Dabei zeigte sich eine deutlich höhere Zahl an Ausbrüchen in Krankenhäusern (402 Aus­brüche) im Vergleich zu ambulanten Behandlungseinrichtungen (123 Ausbrüche). Die Zahl der Infizierten pro Ausbruch war in Kliniken zudem fast doppelt so groß: Im Durch­schnitt infizierten sich dort zehn Personen mit SARS-CoV-2, während es in Praxen rund sechs Menschen waren.

Bei Ausbruchsgeschehen in Rehaeinrichtungen infizierten sich im Schnitt zwölf Men­schen neu. Jedoch waren dortige Ausbrüche seltener: Insgesamt erfasste das RKI in die­sem Umfeld 93 Erkrankungshäufungen.

Zusammengenommen ging eine Infektion in einer dieser Gesundheitseinrichtungen mit einer Sterblichkeit zwischen acht Prozent in Rehabilitationszentren und zehn Prozent in Krankenhäusern einher.

Infektionen von medizinischem Personal sowie von Patienten wurden hierbei zusammen­gezählt, bestätigte eine Autorin des Papiers auf Nachfrage.

Der Situationsbericht des RKI hatte zuletzt gemeldet, dass knapp 14.900 Beschäftigte in Gesundheitseinrichtungen mit dem Virus infiziert gewesen seien (Stand: 23.08.). Täglich kommen derzeit rund 20 bis 30 neue Fälle hinzu. 674 von ihnen wurden bislang stationär behandelt, 23 sind verstorben.

„Je nach Infektionsumfeld ist ein unterschiedlicher Anteil der Ausbruchsfälle von schwe­ren oder sogar tödlich verlaufenden Erkrankungen betroffen“, schrieben die RKI-Autoren.

Zum Vergleich: In Alten- und Pflegeheimen ermittelte das RKI 709 Ausbrüche. Pro Aus­bruch infizierten sich hier rund 19 Personen. Auch die Sterblichkeit lag mit 19 Prozent deutlich höher als in anderen Gesundheitseinrichtungen.

In Privathaushalten waren 3.902 Ausbruchszusammenhänge erkannt worden. Die Aus­brü­che in Heimen und medizinischen Einrichtungen seien insbesondere zwischen der 13. und 22. Kalenderwoche (Ende März bis Ende Mai) aufgetreten.

„In Alten- und Pflegeheimen sowie im medizinischen Bereich scheinen sich aber insbe­sondere seit der Kalenderwoche 16 (Mitte April) die Empfehlungen und Maßnahmen zur Kontrolle von COVID-19-Ausbrüchen positiv bemerkbar zu machen“, schlussfolgerte das RKI.

Analysiert wurden mehr als 200.000 Meldedaten, die bis zur 29. Kalenderwoche (Mitte Juli) von den Gesundheitsämtern eingegangen waren. Die RKI-Forscher durchsuchten sie nach Angaben zur wahrscheinlichsten Infektionsquelle.

Mehr als 55.000 Fälle wurden mindestens einem Ausbruchsgeschehen zugeordnet. Als Ausbruch zählten zwei laborbestätigte Neuinfektionen, die in einen Sinnzusammenhang gebracht werden konnten. © jff/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #830245
Hortensie
am Dienstag, 25. August 2020, 12:50

Das ist ein Grund mehr, das medizinische Personal fortlaufend zu testen

Wenn man häufig testet, minimiert man die Ansteckungsraten deutlich. Gerade in Kliniken wäre das besonders wichtig.
Bisher habe ich aber noch keine Klinik gefunden, in der das gesamte Personal getestet wurde.
Häufiges Testen des Personals von Kliniken wäre gerade für Risikopatienten wichtig, damit diese endlich wieder ärztliche Untersuchungen dort in Anspruch nehmen könnten.
LNS
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