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Medizin

COVID-19: FDA warnt vor Aerosol-Boxen in der Anästhesie

Dienstag, 25. August 2020

/picture alliance, MAXPPP

Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Bedenken gegen die Verwendung von sogenannten Aerosol-Boxen, die Anästhesisten vor der Exposition mit SARS-CoV-2 schützen sollen.

Grund sind 2 Studien in Anesthesia (2020; DOI: 10.1111/anae.15115 und 15188), nach denen die Schutzvorrichtungen paradoxerweise die Ausbreitung von Aerosolen fördern und die Intubation behindern.

Die FDA zog eine „Emergency Use Authorization“ (EUA) für die Aerosol-Boxen zurück. Nicht betroffen sind Aerosol-Boxen mit einem negativen Luftdruck.

Die Aerosol-Boxen waren aus der Not geboren. Anästhesisten gelten als besonders durch SARS-CoV-2 gefährdet, da es bei der Intubation der Patienten leicht zur Freisetzung von Aerosolen kommen kann, vor allem, wenn die Reizung der Schleimhäute einen Husten­reiz auslöst.

An vielen Kliniken versuchen die Ärzte sich durch Aerosol-Boxen zu schützen. Häufig verwendet wurden kleine Kästen aus Plexiglas, die den Kopf des Patienten von allen Seiten bedecken, abgesehen von 2 kreisrunden Öffnungen für die Hände des Anästhe­sisten. Die FDA zeigte sich von den unter anderem im New England Journal of Medicine veröffentlichten Daten überzeugt und genehmigte Anfang Mai die Verwendung mit einer EUA.

Diese wird jetzt widerrufen, da neuere Studienergebnisse zeigen, dass die Aerosol-Boxen nicht unbedingt ihren Zweck erfüllen. Ein Team um Peter Chan von der Monash University in Melbourne hatte in einer experimentellen Studie 4 Schutzvorrichtungen getestet.

Neben der genannten Aerosol-Box waren dies ein vertikaler und ein horizontaler Vorhang über dem Kopf des Patienten sowie eine versiegelte Aerosol-Box mit einem Filter für Wärme und Feuchtigkeit.

Nur die letzte Aerosol-Box, die den Kopf des Patienten hermetisch abschirmt, war in der Lage, die Anästhesisten bei der Intubation sicher vor den Aerosolen des Patienten zu schützen.

Die konventionelle Aerosol-Box mit den beiden Öffnungen für die Arme des Anästhe­sisten führte sogar zu einer gesteigerten Exposition der Anästhesisten. Chan macht dafür den Bernouille-Effekt verantwortlich, nach dem der Unterdruck beim Hantieren durch die Öffnungen hindurch den Luftstrom verstärkt.

In einer weiteren Studie kann ein Team um David Brewster von der Monash University zeigen, dass die Verwendung einer Aerosol-Box die Intubation behindert. Mit Aerosol-Box benötigte eine Gruppe von 35 versierten Anästhesisten an einer Simulationspuppe im Durchschnitt 82,1 Sekunden für eine Intubation. Ohne Aerosol-Box waren sie mit 42,9 Sekunden fast doppelt so schnell.

Mit einer modifizierten Aerosol-Box, die an einer Seite zwei zusätzliche Öffnungen für die Hände eines Assistenten und oben eine kleine Öffnung für einen Bougie zur Erleich­terung der Intubation hatte, betrug die durchschnittliche Zeit für die Intubation 52,4 Sekunden.

Die FDA rät aufgrund der Ergebnisse von der Verwendung einer Aerosol-Box ab, es sei denn, diese sei mit einer Absaugvorrichtung (negativer Luftdruck) versehen, die ein Austreten der Aerosole verhindere. Von einem Verbot der Aerosol-Boxen sah die Behörde ab, da es noch keine Fallberichte aus den Kliniken über Komplikationen durch die Verwendung der Aerosol-Boxen gegeben habe. © rme/aerzteblatt.de

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