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Medizin

Vitamin D kann Asthmaanfälle bei Kindern nicht verhindern

Dienstag, 8. September 2020

/dpa

Pittsburgh – Der Ausgleich eines Vitamin D-Mangels hat in einer randomisierten klinischen Studie an asthmaerkrankten Kinder nicht vor weiteren Exazerbationen schützen können.

Die im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA) veröffentlichten Ergebnisse (JAMA 2020; DOI: 10.1001/jama.2020.12384) enttäuschen die Erwartungen, die sich auf mehrere epidemiologische Studien stützten.

Gleich mehrere Beobachtungsstudien waren in den letzten Jahren zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Vitamin D-Mangel bei asthmakranken Kindern mit einem Anstieg der Krankheitsaktivität verbunden ist. Epidemiologische Studien können jedoch keine Kausalität herstellen, da der Vitamin D-Mangel nur ein Marker für andere Ursachen sein könnte.

So könnten Kinder, die wenig Gelegenheit haben, im Freien Vitamin D zu „tanken“, in den Wohnungen vermehrt Allergenen oder anderen Triggern von Asthmaattacken ausgesetzt sein oder in Gegenden wohnen, in denen die Luftqualität schlechter ist.

Diese oder andere Gründe könnten für das Scheitern der VDKA-Studie („Vitamin D to Prevent Severe Asthma Exacerbations“) verantwortlich sein, an der ursprünglich 400 Kinder aus 7 US-Städten teilnehmen sollten. Alle Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren waren an Asthma erkrankt mit mindestens einer Exazerbation im zurückliegenden Jahr. Bei allen Kindern war zudem ein Vitamin D-Mangel nachgewiesen worden.

Die Kinder wurden zusätzlich zu den Asthmamedikamenten, die sie bereits erhielten, auf eine Behandlung mit 4.000 IE Vitamin D pro Tag oder Placebo randomisiert. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur nächsten Asthmaattacke.

Die Studie wurde im März 2019 vorzeitig abgebrochen. Eine Zwischenauswertung hatte gezeigt, dass die Supplemente zwar den Vitamin D-Mangel beseitigt hatten. Ein Rück­gang der Asthmaattacken war jedoch nicht zu erkennen.

Wie das Team um Juan Celedón vom Children’s Hospital of Pittsburgh berichtet, hatten zum Zeitpunkt des Studienabbruchs in der Vitamin D 3-Gruppe 36 von 96 Teilnehmern (37,5 %) einen oder mehrere schwere Asthmaanfälle erlitten gegenüber 33 von 96 (34,4 %) in der Placebogruppe.

Bis zur ersten Attacke waren in der Vitamin D 3-Gruppe 240 Tage und in der Placebo­gruppe 253 Tage vergangen. Die Vitaminbehandlung hatte die Situation der Kinder damit tendenziell verschlechtert, auch wenn der Unterschied von 13,1 Tagen mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 16,4 bis 42,6 Tagen nicht signifikant war (adjustierte Hazard Ratio 1,13; 0,69 bis 1,85).

Auch in den sekundären Endpunkten wie der Zeit bis zur ersten durch Viren getriggerten Exazerbation, dem Anteil der Teilnehmer, die die Dosis der inhalativen Kortikosteroide reduzieren konnten oder in der kumulativen Fluticasondosis gab es zwischen den beiden Gruppen keine Unterschiede.

Die Studie liefert damit keine Argumente für eine Vitaminsubstitution von asthma­kranken Kindern, sofern sie nicht aus anderen Gründen, etwa zur Vorbeugung einer Rachitis, notwendig sein sollte. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #722422
singulett
am Mittwoch, 9. September 2020, 09:44

RE: Oh man

@Pelemele: Die Angaben zum Vitamin-D-Status fehlen nicht, sondern stehen ganz vorne im Abstract: Ausgangsstatus waren Serumkonzentrationen von 25-OH-D unter 30 ng/ml.
Avatar #767305
Pelemele
am Dienstag, 8. September 2020, 19:57

Oh man

Erneut wieder keine Angaben über den Status. 4000 i. E. sind dürftig, was aber auch egal ist; der Wert im Blut ist doch entscheidend, nicht die Menge, die jmd. nimmt. Wohl auch wieder eine zielgerichtete Forschung; am Menschen vorbei, erfolgreich für den Verkauf von Medikamenten, Behandlungen usw.
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Dienstag, 8. September 2020, 18:54

Es sollte nicht vergessen werden,

dass es sich bei Asthma um eine psychosomatische Angelegenheit handelt. Damit eine psychosomatische Angelegenheit in Gang gesetzt werden kann, braucht es einen in-gangsetzenden Faktor. Das kann verschiedenes sein, somit kann es sich bei diesem Faktor eben auch um körperliche Wahrnehmungen handeln, wie sie für einen Vitamin-D-Mangel typisch sind. Es ist auch denkbar, dass ein psychosomatischer Reflex in Gang gesetzt wird, wenn eine bestimmte andere Person gegenwärtig ist. Gibt es doch diese Wendung: „Sobald ich diesen Knaben sehe, kriege ich Sodbrennen.“
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